Friedensnobelpreis: Desmond Tutu kritisiert Auszeichnung der EU

Die Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, Mairead Maguire und Adolfo Pérez Esquivel protestieren gegen die Verleihung der Auszeichnung am 10. Dezember an die EU. Die Gemeinschaft sei kein Vorkämpfer für den Frieden. Deshalb habe sie den Preis auch nicht verdient.

Südafrikanischer Friedensnobelpreisträger: Desmond Tutu im September 2012 Zur Großansicht
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Südafrikanischer Friedensnobelpreisträger: Desmond Tutu im September 2012

Oslo - Drei Friedensnobelpreisträger protestieren gegen die die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU am 10. Dezember. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, der 1984 in Oslo ausgezeichnet worden war, rief die Stockholmer Nobel-Stiftung auf, die Dotierung von acht Millionen Kronen (rund eine Million Euro) an die EU zu verweigern. Mit ihm unterzeichneten die nordirische Preisträgerin von 1976, Mairead Maguire, und der 1980 ausgezeichnete argentinische Menschenrechtler Adolfo Pérez Esquivel die Forderung.

In ihrem Brief erklärten die drei Preisträger, dass die EU "eindeutig kein Vorkämpfer für den Frieden" sei, wie dies der Preisstifter Alfred Nobel in seinem Testament im Sinn gehabt habe. Die Entscheidung des Komitees verfälsche den Stifterwillen.

"Die EU strebt nicht nach der Verwirklichung von Nobels globaler Friedensordnung ohne Militär", hieß es weiter. Die EU und ihre Mitgliedsländer gründeten kollektive Sicherheit mehr auf militärischen Zwang und die Durchführung von Kriegen als auf die Notwendigkeit eines alternativen Herangehens.

Das Komitee hatte seine Entscheidung im Oktober vor allem mit der Rolle der EU als Friedensbewahrer in Europa über sechs Jahrzehnte begründet. Der Chef des Nobel-Instituts, Geir Lundestad, entgegnete: "Wir haben den Geist des Testaments eindeutig erfüllt. Es ist aber unstrittig, dass man nicht alle von Nobel gestellten Bedingungen in einem Jahr vollständig erfüllen muss.

kha/dpa/dapd

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Richtig
bärtel 30.11.2012
Zitat von sysopDPADie Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, Mairead Maguire und Adolfo Pérez Esquivel protestieren gegen die Verleihung der Auszeichnung am 10. Dezember an die EU. Die Gemeinschaft sei kein Vorkämpfer für den Frieden. Deshalb habe sie den Preis auch nicht verdient. http://www.spiegel.de/politik/ausland/desmond-tutu-kritisiert-friedensnobelpreis-fuer-europaeische-union-a-870366.html
Diese Organisation hat zum jetzigen Zeitpunkt keine Auszeichnung verdient! Diese Auszeichung ist unredlich und unaufrichtig! Eine einzige verkommene Lüge! Ich mag dieses Schmierentheater nicht! Klarheit ist Wahrheit!
2. lieber Herr tutu
Eu1ropa 30.11.2012
Darf ich höflich fragen, wie sie zur SWAPO oder zum ANC gestanden sind. Beides Organisationen die "sehr" friedlich ihre Meinung verbreiteten. Z.B. mit einem autoreifen mit brennenden Benzin um den Hals des Gegners. Oder sie haben sicher auch bei Arafat protestiert. HEUCHELEI
3. genial
Bambusratte 30.11.2012
Respekt für diese kleine Rebellion. Recht haben sie mit jedem Wort. Die EU ist wirklich kein Kandidat für den Friedensmobelpreis. Wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre anschaut, erfüllt sie nicht nur in einigen Punkten nicht die Vorgaben. Sie erfüllt die Vorgaben überhaupt nicht.
4.
neu_ab 30.11.2012
Damit liegen sie natürlich richtig. Das erschütternde ist eher, daß es wohl mehrerer Nobelpreisträger bedarf, um diese eigentlich triviale Erkenntnis für kurze Zeit in die Medien bringen zu können. Damit sagen sie zwar nichts wesentlich anderes, als viele Forenuser hier, aber als Friedensnobelpreiträger werden sie vielleicht ernster genommen.
5. Der Friedensnobelpreis - diesmal eine Farce!
derinvestigator 30.11.2012
Die haben Recht, die drei Friedensnobelpreisträger, deren Preis durch die unsäglich dumme Verleihung an die EU entwertet wird. Jedermann kann sehen, dass die EU in ihrer jetzigen Form den Frieden zwischen Europas Völkern erheblich beeinträchtigt, denn die Grundlagen des Ganzen bilden Lug und Trug an den Völkern, die eine gigantische Umverteilung zu ihren Lasten erleiden sowie auch einen enormen Demokratieabbau hinnehmen sollen. Dieser Preis an die EU gehört schnellstens abgewickelt.
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