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Hassvideo: IS-Kämpfer Cuspert droht mit Anschlägen von Schläfern in Deutschland

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Denis Cuspert (Archiv): "Auch wenn du in Europa bist, mache deinen Dschihad" Zur Großansicht
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Denis Cuspert (Archiv): "Auch wenn du in Europa bist, mache deinen Dschihad"

Denis Cuspert ist der bekannteste deutsche Dschihadist in den Reihen der Terrororganisation "Islamischer Staat". In einem neuen Video ruft der Ex-Rapper seine Anhänger zu Anschlägen in der Bundesrepublik auf.

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat ein neues Video des deutschen Dschihadisten Denis Cuspert veröffentlicht. Es handelt sich um ein sogenanntes Kampf-Naschid, ein Lied, in dem die Taten der Dschihadisten verherrlicht werden.

In der dreiminütigen Aufnahme droht Cuspert, der es einst als Gangsta-Rapper mit dem Künstlernamen Deso Dogg zu bescheidenem Ruhm gebracht hatte, mit Anschlägen in Deutschland. Wörtlich singt er: "In Frankreich folgten Taten, die deutschen Schläfer warten."

Dazu sind in dem Video Aufnahmen der Attentäter von Paris zu sehen, die Anfang Januar in der französischen Hauptstadt Anschläge auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt verübt hatten.

IS-Anhänger in Deutschland sollten es ihnen nachtun, fordert Cuspert. "Auch wenn du in Europa bist, mache deinen Dschihad. Allah wird dich belohnen, setz den Dreckigen ein Ende", singt der 39-Jährige.

Cuspert richtet sich gezielt an deutsche Konvertiten

Die Ästhetik des IS-Videos erinnert an Musikclips von HipHop-Stars. Dschihadisten werden zu Superhelden stilisiert, auf die nach Selbstmordanschlägen das Paradies warte.

Das Propagandavideo richtet sich offenbar gezielt an deutsche Konvertiten, die kaum Kenntnis über den Islam haben. So ist in dem Clip ein Koran in deutscher Übersetzung zu sehen. Das ist ungewöhnlich: Für streng gläubige Muslime - und als solcher versteht sich Cuspert - ist eine Übersetzung des Korans aus dem arabischen Original zwangsläufig ungenau. Wichtiger noch: Der Koran verliert durch eine Übersetzung aus dem Arabischen seinen heiligen Charakter.

Cuspert schloss sich nach einem Leben als Drogenabhängiger, Krimineller und Rapper vor etwa fünf Jahren der Salafisten-Szene in Deutschland an. 2012 ging er nach Ägypten, ein Jahr später zog er in den syrischen Bürgerkrieg. 2013 rief er in einem Naschid zu Selbstmordanschlägen in Deutschland auf. Im April 2014 verkündete Cuspert in einem Video, dass er sich dem IS angeschlossen habe. Inzwischen soll er Kontakt zum Führungskreis der Terrormiliz haben.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Treueeid auf IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi hat sich Cuspert, der sich inzwischen Abu Talha al-Almani nennt, nun erneut zu Wort gemeldet. Zu sehen ist der gebürtige Berliner in dem Video nicht, dafür werden Enthauptungen und andere Kriegsverbrechen der Terroristen in drastischer Form gezeigt.

In Aufnahmen, die mutmaßlich aus dem August 2014 stammen, posiert Cuspert mit den enthaupteten Leichen von IS-Gegnern in Syrien. Die Bundesanwaltschaft ermittelt deshalb wegen Kriegsverbrechen gegen ihn. Die USA haben Cuspert auf ihre Terrorliste gesetzt.

Die Sicherheitsbehörden sehen in Cusperts Propagandavideos eine große Gefahr. Vielen desorientierten jungen Männern gelte er als Vorbild, der als Herr über Leben und Tod auftritt, sagte der Hamburger Verfassungsschutzchef Torsten Voß. Dies mache Eindruck in der Szene.

Im Video: Deso Dogg - Vom Gangsta-Rapper zum Islamisten:

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