Regierungskrise in Rom: Steinbrück lästert über Italiens zwei "Clowns"

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SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück in Potsdam: "Zwei Clowns haben gewonnen"

Nach dem Patt bei der Wahl mahnen deutsche Politiker Italiens Parteien zur schnellen Bildung einer Regierung. EU-Kommissar Oettinger und Finanzminister Schäuble pochen auf die Einhaltung der Sparpolitik - während SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück über die "italienischen Clowns" scherzt.

Berlin/Potsdam - Nach der Wahl in Italien steigt in der deutschen Politik die Sorge, das Patt in Rom könne die Euro-Krise verschärfen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, der Wahlausgang könnte "zu einem größeren Problem in der Euro-Zone beitragen".

Einen flapsigen Spruch zum Ergebnis konnte er sich nicht verkneifen. "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", sagte Steinbrück am Dienstagabend in Potsdam bei einer Wahlkampfveranstaltung. Er spielte damit auf die Ergebnisse von Ex-Premier Silvio Berlusconi und Komiker Beppe Grillo an. "Mein Eindruck ist, dass zwei Populisten gewonnen haben", so der SPD-Mann.

Die Regierungsbildung in Italien ist wegen des Patts nach den Parlamentswahlen äußerst schwierig. Während das Mitte-links-Bündnis eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus errang, gibt es im Senat auch wegen des Erfolgs Grillos keine klare Mehrheit. Eine stabile Regierung benötigt aber eine Mehrheit in beiden Kammern. (Lesen Sie hier, welche Auswege es aus der italienischen Regierungskrise gibt.)

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) rief die Politiker in Rom zu einer raschen Regierungsbildung auf - und mahnte zur Einhaltung der Sparpolitik. "Italien hat der EU versprochen, sein Haushaltsdefizit weiter zu senken. Das Versprechen gilt auch für die neue Regierung und ich zweifele nicht, dass sie sich daran halten wird", sagte der in Brüssel für Energie zuständige Deutsche dem "Handelsblatt". "Es ist sehr wichtig, dass in Rom rasch eine Regierung gebildet wird. Dann wird sich die Lage an den Finanzmärkten beruhigen."

Schäuble: "Reformen müssen fortgesetzt werden"

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder, warnte vor Neuwahlen in Italien. "Sie können auch zu einem langen Stillstand führen, der Zeit und Geld kostet", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Deshalb sei "eine nationale Anstrengung aller politischen Kräfte" nötig.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte die Verantwortlichen in Italien auf, nach dem Patt für Stabilität zu sorgen. Ein solches Wahlergebnis wie das in Italien sei ein Problem, sagte Schäuble am Dienstagabend im ZDF. "Es liegt nun an den politisch Verantwortlichen in Italien, aus diesem Wahlergebnis das zu machen, was das Land braucht - nämlich eine stabile Regierung, die den erfolgreichen Kurs der Reformen fortsetzt.

Schäuble gab sich jedoch auch betont zurückhaltend: "Wir sind alle nicht so richtig erfreut, aber es hilft ja nichts, so ist die Demokratie", sagte er. Er sei zuversichtlich, dass alle Verantwortlichen in Italien jetzt die richtigen Schlüsse zögen und aus einem komplizierten Wahlergebnis das Richtige machten.

Deutsche Politiker hatten im Wahlkampf auch den Zorn vieler Italiener auf sich gezogen, weil sie sich gegen Berlusconi aussprachen und für den amtierenden Premier Mario Monti trommelten. Von einer neuen Zurückhaltung war bei Steinbrück freilich nichts zu spüren.

fab/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 410 Beiträge
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1. Bei uns sind nicht mal die Clowns lustig
celsius234 27.02.2013
Zitat von sysopNach dem Patt in Italien mahnen deutsche Politiker Italiens Parteien zur schnellen Bildung einer Regierung. EU-Kommissar Oettinger und Finanzminister Schäuble pochen auf die Einhaltung der Sparpolitik - während SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück über die "italienischen Clowns" scherzt. Deutsche erhöhen Druck auf Italiens Politik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/deutsche-erhoehen-druck-auf-italiens-politik-a-885781.html)
die im Bundestheater auftreten. Alles streng verbissen und witzlos ohne jeden Unterhaltungswert, aber genau so schädlich für den Steuerbürger wie die italienischen Clowns. Aber die mit Lachen. Wetten, das wir bald wieder von unseren Clowns über systemrelevante Stützungen informiert werden.
2. blabla...
fatherted98 27.02.2013
...jetzt macht Peer Steinreich noch Witze...ist er mal in der großen Koaltion und muss mit Berlusconi auf dem G8 Gipfel Hände schütteln, dann ist er wieder Staatsmann und kriecht dem Clown in den Allerwertesten...was für ein arroganter Kandidat...was besseres konnte die SPD einfach nicht finden....im übrigen fördern diese Äußerungen nicht gerade die deutsch/italienischen Beziehungen....
3. Peer Steinbrück
Hilfskraft 27.02.2013
wo er Recht hat, hat er Recht. Die EU-Politik driftet immer mehr ins comedianhafte ab.
4. Steinbrücks Lästern
saaman 27.02.2013
Dem Burschen fehlt die persönliche und politische Reife zum Kanzler. Wer über Spitzenpolitiker anderer Staaten herzieht, begibt sich auf das Niveau von Berlusconi, ist also selbst ein nicht ernst zunehmender "Clown". Und es zeigt im Falle Steinbrück, dass ihm die Würde fehlt, und international angemessen zu vertreten.
5. Clowns
rw.bitterlin 27.02.2013
Wenn's um's 'Clown'eske' geht, haben gerade Steinbrück und Oettinger auch schon grössere Beiträge abgeliefert.....
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