Philippinen Armee rückt angeblich zur Rettung deutscher Geiseln aus

Ist auf den Philippinen eine Rettungsaktion für zwei entführte Deutsche im Gang? Die Armee hat angeblich Soldaten auf die Insel geschickt, auf der die Geiseln vermutet werden. Die Terrorgruppe Abu Sayyaf fordert ein hohes Lösegeld.

Philippinische Soldaten in der Provinz Sulu: Eine "Art Rettungsaktion"
DPA

Philippinische Soldaten in der Provinz Sulu: Eine "Art Rettungsaktion"


Manila - Die philippinischen Streitkräfte sollen 3000 Soldaten auf die Insel Jolo geschickt haben, auf der die beiden Deutschen und ihre Geiselnehmer vermutet werden. Am heutigen Freitag ist ein Ultimatum der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf abgelaufen, die vier Millionen Euro Lösegeld für das Leben des Paars fordert. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Armeeangehörige.

Geplant ist demnach eine "Art Rettungsaktion". Ein offizieller Sprecher der philippinischen Streitkräfte wollte die Truppenbewegung zunächst aber nicht bestätigen.

Kurz zuvor hatten die Entführer von einer möglichen Fristverlängerung um zwei Stunden gesprochen - aber nur, wenn jemand anrufe und das geforderte Lösegeld verspreche. "Wenn wir keinen Anruf erhalten, wird der deutsche Mann hingerichtet", sagte ein Abu-Sayyaf-Sprecher dem lokalen Rundfunksender DXRZ. Die Entführer haben bereits mehrmals damit gedroht, dass eine Geisel enthauptet werde, wenn die deutsche Regierung kein Lösegeld bezahle.

Vier Millionen Euro Lösegeld

Bei den Geiseln handelt es sich um eine 55-jährige Frau und einen 74 Jahre alten Mann. Die beiden Deutschen waren im April von ihrer Segeljacht östlich der Philippinen entführt worden. Das letzte Lebenszeichen des Paares gab es Ende September: Die Geiselnehmer hatten bei DXRZ angerufen und die beiden zu Wort kommen lassen: Das Paar bat die Regierungen in Berlin und Manila um Hilfe.

Ursprünglich hatten die Extremisten gedroht, dass eine der beiden Geiseln enthauptet werde, wenn nicht bis zum 10. Oktober das geforderte Lösegeld gezahlt würde. Außerdem müsse Deutschland aufhören, den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu unterstützen.

Krisenbeauftragter auf den Philippinen

Das Auswärtige Amt bestätigte indes, dass der Krisenbeauftragte der Bundesregierung, Rüdiger König, von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor Ort entsandt worden sei. Der Diplomat kam am Donnerstagabend in Manila an und solle "an allem teilnehmen, was dem Ziel dient, die beiden deutschen Entführten aus den Händen von Abu Sayyaf freizubekommen". Die Behörde rät zudem, vor allem die philippinische Insel Mindanao wegen der Gefahr von Geiselnahmen zu meiden.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, man befinde sich angesichts der Forderungen und Fristen der Entführer in einer "ganz schwierigen Lage und in einem kritischen Moment."

Abu Sayyaf kämpft im muslimischen Süden der sonst überwiegend katholischen Philippinen für einen eigenen Staat. Die Gruppe hat dem radikalislamischen IS ihre Verbundenheit erklärt. Immer wieder erpresste sie in der Vergangenheit mit Hilfe von Geiseln Geld, um ihren Kampf zu finanzieren.

Nach Überzeugung der philippinischen Geheimdienste befinden sich noch zehn weitere Geiseln in der Hand von Abu Sayyaf. Vermisst werden zwei Vogelbeobachter aus den Niederlanden und der Schweiz sowie zwei Malaysier und ein Japaner. Die Terroristen waren im Jahr 2000 auch für die Entführung der deutschen Familie Wallert und 18 anderer Geiseln von einer Taucherinsel in Malaysia verantwortlich. Die Wallerts kamen erst nach mehr als drei Monaten frei, nachdem Millionen Dollar gezahlt worden waren.

mxw/sev/dpa

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