Deutscher U-Boot-Deal: Griechischer Ex-Minister wegen Korruptionsverdacht in Haft

Schwerer Verdacht gegen Ex-Verteidigungsminister Tsochatzopoulos: Der griechische Politiker soll Bestechungsgelder beim Kauf von deutschen U-Booten kassiert haben. Die Ex-MAN-Tochter Ferrostaal hatte sich einen Teil des Auftrags durch Bestechung gesichert. Ein Athener Gericht erließ Haftbefehl.

Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos: Ungeklärte Geldquellen für Luxushaus Zur Großansicht
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Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos: Ungeklärte Geldquellen für Luxushaus

Athen - Der griechische Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos ist wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Er soll beim Kauf deutscher U-Boote Bestechungsgelder angenommen haben. Die Athener Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch, dass gegen den Politiker der Sozialisten Haftbefehl erlassen worden sei.

Tsochatzopoulos wurde in seinem Haus in einem vornehmen Athener Viertel festgenommen. Innerhalb der kommenden fünf Tage muss ein Gericht entscheiden, ob der ehemalige Minister in Haft bleibt oder wieder auf freien Fuß kommt.

Athen hatte im Jahre 2000 vier U-Boote des Typs 214 im Wert von 2,85 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Nach Angaben deutscher Ermittler soll die ehemalige Man-Tochter Ferrostaal Bestechungsgelder in Millionenhöhe gezahlt haben.

Das griechische Parlament hatte vergangenen Juni bereits Tsochatzopoulos' Immunität für seine vergangene Amtszeit aufgehoben. Er ist seit 2009 nicht mehr Mitglied des Plenums. Der 72-Jährige war von 1996 bis 2001 Verteidigungsminister.

Die griechische Justiz war nach mehrjährigen Ermittlungen zu dem Ergebnis gekommen, Tsochatzopoulos sei bestochen worden. Er habe nicht ausreichend erklären können, woher das Geld stamme, mit dem er sein Haus in dem teuren Athener Viertel und andere luxuriöse Immobilien gekauft hat. Tsochatzopoulos hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Der Industriedienstleister Ferrostaal muss bereits mit knapp 140 Millionen Euro für Schmiergeldzahlungen büßen, die dem Unternehmen nach der Jahrtausendwende lukrative U-Boot-Aufträge in Griechenland und Portugal einbrachten. Ein ehemaliger Vorstand und ein früherer Prokurist, die die Bestechungen eingefädelt hatten, waren im Dezember 2011 vor dem Landgericht München zu Freiheitsstrafen von jeweils zwei Jahren auf Bewährung sowie zu Geldstrafen von 36.000 beziehungsweise 18.000 Euro verurteilt worden.

heb/dpa/dapd

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insgesamt 11 Beiträge
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1.
micziegler 11.04.2012
Da kann man einmal sehen, wie "rigide" in Deutschland gegen Korruption vorgegangen wird: zwei Jahre auf Bewährung sowie Geldstrafen von 36.000 beziehungsweise 18.000 Euro. Korruption und Vetternwirtschaft sind hier allgegenwärtig und werden als Kavaliersdelikte behandelt. "Weil sie aber dank ihrer - durch Schmiergeld erzielten - Erfolge wirtschaftliche Vorteile hatten, werde dieser Gewinn durch die Geldstrafen wieder abgeschöpft." Bei dem Umfang des Deals (angenommener Gewinn von umgerechnet 100 Millionen EUR) und den üblichen Provisionen und Boni kann man davon wohl kaum sprechen. Ebenso unberücksichtigt bleiben Kursgewinne aus Aktien durch die Deals, von denen die beiden ebenfalls profitiert haben dürften. Für das Unternehmen besteht die Strafe im Wesentlichen aus Abschöpfung des erzielten Gewinns. Worin sollte hier eigentlich noch eine Abschreckung für andere Täter bestehen ? Ich hoffe, dass wenigstens die griechische Justiz hier abschreckendere Strafen als die deutsche verhängt.
2.
wachsamesholzauge 11.04.2012
Also wenn ich dem deutschen Steuerzahler keine Panzer und U-Boote verkaufen kann, dann verkaufe ich sie mit ein wenig Fakelaki an ein südeuropäisches Land auf Pump, weil ich weiß, dass der deutsche Steuerzahler dann für den südeuropäischen Steuerzahler einspringt. Auch eine Art, sich aus dem deutschen Steuertopf zu bedienen, nur dass man da die Südeuropäer und ihre Fakelaki-Mentalität vorschieben kann und selber nicht am Pranger steht. Clever!
3. Ein Aktivposten
exminer 11.04.2012
im Rennen um den Titel "Exportweltmeister". Die Pflege der Gunst der Entscheider ist nicht neu und auch nicht unbekannt. Nur, zum Teufel nochmal, die Sünde ist das Auffallen und nicht die Pflege. Auf diesem Feld können wir uns mit den anderen Bananenrepubliken aber auch messen, nur ist da kein Titel drin.
4. T schatzopoulos...
bicyclerepairmen 11.04.2012
Zitat von miczieglerWorin sollte hier eigentlich noch eine Abschreckung für andere Täter bestehen ?
bei dem Namen mussten doch die Jungs von Ferrostaal automatisch zahlen. "Andere" Täter ( z.B. die VW Mischpoke ) kommen bei uns wenigstens vor Gericht und werden auch dementsprechend der Gesetzgebung abgeurteilt. Ist schon klar. In einigen, südlichen EU Ländern wurden Richter/Staatsanwälte die gewissen Kreisen zu Nahe kamen bis vor Kurzen noch von der Strasse gebombt oder geschossen. Die Verhaftung oder eine eventuelle ( drastische) Strafe ist ausschleißlich dem finanziellen Staatsbankrott geschuldet und nicht dem sensibler gewordenen Rechtssystem vor Ort.
5.
Hupert 11.04.2012
Zitat von sysopSchwerer Verdacht gegen Ex-Verteidigungsminister Tsochatzopoulos: Der griechische Politiker soll Bestechungsgelder beim Kauf von deutschen U-Booten kassiert haben. Die Ex-MAN-Tochter Ferrostaal hatte sich einen Teil des Auftrags durch Bestechung gesichert. Ein Athener Gericht erließ Haftbefehl. Deutscher U-Boot-Deal: Griechischer Ex-Minister wegen Korruptionsverdacht in Haft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826870,00.html)
Ein griechisches Gericht erläßt Haftbefehl wegen Korruptionsverdachts... das ist nun wirklich neu. Wenn es jetzt noch zur Verurteilung kommt...
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