Studie Anteil der Muslime in Deutschland steigt auch ohne Migration

Die muslimische Bevölkerung Europas wächst, unabhängig vom Ausmaß der Zuwanderung. Das zeigen Szenarien, die US-Forscher entwickelt haben. In Deutschland könnte sich der Anteil der Muslime bis 2050 nahezu verdoppeln.

Muslima in Berlin
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Muslima in Berlin


Der Anteil der Muslime dürfte in Deutschland bis 2050 von derzeit sechs Prozent auf elf Prozent steigen. Das geht aus einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew hervor. Die Voraussetzung für dieses Szenario: Die Migration setzt sich in einem mittleren Tempo fort, es kommen also nicht so viele Flüchtlinge in die Bundesrepublik wie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

Das Pew-Institut hat für die Studie Daten aus allen EU-Staaten, Norwegen und der Schweiz ausgewertet. Demnach lag der Anteil der Muslime in Europa 2016 bei 4,9 Prozent. Die Forscher entwickelten drei Szenarien, wie sich die Zahl bis 2050 verändern könnte: ohne weitere Migration, bei mittlerer Zuwanderung und mit einer Entwicklung wie in den Jahren 2014 bis 2016.

  • Im ersten Szenario, also ohne weitere Zuwanderung, stiege der Anteil der Muslime in Deutschland den Forschern zufolge auf neun Prozent. Europaweit würde die Zahl demnach auf 7,4 Prozent steigen.
  • Das mittlere Szenario prognostiziert für Deutschland wie erwähnt einen Anstieg des muslimischen Bevölkerungsanteils auf elf Prozent vor. Dies entspricht auch etwa dem Wert für ganz Europa (11,2 Prozent).
  • Sollte es wieder eine sehr hohe Zuwanderung geben, würde der Anteil der Muslime in Europa auf 14 Prozent steigen, für Deutschland geben die Forscher einen Wert von 20 Prozent an. Angesichts der politischen Entwicklung nach der Flüchtlingskrise dürfte dieses Szenario allerdings eher unrealistisch sein.
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Abgesehen von der Migration gibt es der Studie zufolge zwei Gründe für den steigenden Anteil der Muslime. Erstens: Sie sind europaweit im Durchschnitt 13 Jahre jünger als der Rest der Bevölkerung. In Deutschland ist der Altersunterschied noch größer: Muslime sind demnach im Schnitt 31 Jahre alt, Nichtmuslime 47 Jahre alt.

Zweitens: Die Geburtenrate der Muslime ist höher. Hier ist der Unterschied zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Frauen in Deutschland kleiner als in anderen europäischen Staaten. Das Pew-Institut schätzt, dass die Geburtenrate muslimischer Frauen in Deutschland zwischen 2015 und 2020 bei 1,9 Kindern liegt, während nicht-muslimische Frauen 1,4 Kinder bekommen. In Großbritannien, wo viele Muslime aus Südostasien eine Heimat gefunden haben, geben die Forscher für Musliminnen einen Wert von 2,9 Kindern an, für Nichtmusliminnen wären es 1,8 Kinder.

Veränderungen durch einen Wechsel der Religion spielen der Studie zufolge nur eine untergeordnete Rolle. Von Mitte 2010 bis Mitte 2016 lag die Zahl der Muslime, die ihrer Religion den Rücken kehrten, europaweit den Angaben zufolge um 60.000 höher als die Zahl der Konvertiten, die zum Islam fanden.

cte/dpa/AP



insgesamt 30 Beiträge
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Bernd.Brincken 30.11.2017
1. Generationenfolge
Neben der Geburtenrate wäre auch noch die Generationenfolge für die Vorausschau wesentlich, also in welchem Alter der Mutter statistisch ein Nachkomme zur Welt kommt. In dem Artikel wird es nicht erwähnt - blieb das auch in der Studie unberücksichtigt?
syracusa 30.11.2017
2. "Konvertiten" zum Atheismus nicht erfasst
Bei den Konvertiten werden nur diejenigen erfasst, die vom Islam zu einer anderen, meist christlichen Religion wechseln oder umgekehrt, nicht aber die vermutlich sehr viel höher liegende Zahl von Muslimen, die zu Atheisten oder Agnostikern werden. Diese Zahl dürfte auch nur schwer erfassbar sein, weil Muslime nicht in körperschaftlichen Organisationen gebunden sind, und sich deshalb auch nicht aus einer "Kirche" abmelden können. Nur aufgrund von Erfahrungen mit Bekannten mit muslimischen Erziehungshintergrund hauptsächlich aus dem akademischen Bereich schätze ich die Zahl der Muslime, die sich still und leise vom Muslim zum Atheisten/Agnostiker entwickeln, sehr hoch ein. In meinem Bekanntenkreis ist das sogar die deutliche Mehrheit.
guentherzaruba 30.11.2017
3. Das ist doch
eine einfache Rechnung. Immer mehr verlassen die Großkirchen ( Geldverschwendung, Missbrauch u.ä. ) Dadurch sinkt diese Zahl der Mitglieder und läßt den Anteil Muslime höher erscheinen.... so kommt mir das vor .
Bondurant 30.11.2017
4. Das dürfte zutreffen
Zitat von syracusaBei den Konvertiten werden nur diejenigen erfasst, die vom Islam zu einer anderen, meist christlichen Religion wechseln oder umgekehrt, nicht aber die vermutlich sehr viel höher liegende Zahl von Muslimen, die zu Atheisten oder Agnostikern werden. Diese Zahl dürfte auch nur schwer erfassbar sein, weil Muslime nicht in körperschaftlichen Organisationen gebunden sind, und sich deshalb auch nicht aus einer "Kirche" abmelden können. Nur aufgrund von Erfahrungen mit Bekannten mit muslimischen Erziehungshintergrund hauptsächlich aus dem akademischen Bereich schätze ich die Zahl der Muslime, die sich still und leise vom Muslim zum Atheisten/Agnostiker entwickeln, sehr hoch ein. In meinem Bekanntenkreis ist das sogar die deutliche Mehrheit.
allerdings dürfte Ihr Bekanntenkreis eher eine sehr kleine Minderheit unter den Muslimen darstellen. Bei den anderen ist es eher so, dass die Religion wichtiger wird, einfach, weil sie mit klaren Regeln auch für den Alltag Halt bietet.
paula_f 30.11.2017
5. das ist falsch
hier bezieht man sich nicht auf Christen im Verhältnis zu Muslimen sondern Einwohneranteil der Muslime. Das hätte man deutlicher schreiben können.
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