Mali-Mission Zwei deutsche Transall-Maschinen sollen afrikanische Soldaten transportieren

Die Bundeswehr verlegt zwei Transportmaschinen nach Mali, vermutlich noch in dieser Woche. Dort sollen die Transalls beim Einfliegen afrikanischer Einheiten helfen. An der französischen Intervention im Norden des Krisenlandes will sich Berlin aber zunächst nicht beteiligen.

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Berlin - Deutschland will die internationale Intervention in Mali mit zwei Transportmaschinen unterstützen. Die Flugzeuge vom Typ Transall sollen allerdings nicht die Franzosen bei ihrer Offensive gegen die Islamisten im Norden des westafrikanischen Lands unterstützen. Stattdessen haben die Transalls den Auftrag, die erwarteten Einheiten der afrikanischen Allianz Ecowas aus den verschiedenen Ländern in der Region um Mali in die Hauptstadt Bamako zu bringen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, die beiden Transportmaschinen seien "unverzüglich" einsatzbereit. Laut Bundeswehrkreisen könnten sie schon morgen oder am Freitag in Richtung Afrika aufbrechen. Der Minister nannte das deutsche Angebot einen "angemessenen und sinnvollen Beitrag" für die laufenden Operationen in Mali.

Mit der Entscheidung macht die Bundesregierung ihre Absichtserklärung wahr, die Intervention gegen die Islamisten im Norden Malis logistisch zu unterstützen. Zwei Tage nach dem überraschenden Eingreifen der Franzosen in Mali hatte sich die Regierung darauf verständigt, anders als bei der internationalen Intervention gegen die Gaddafi-Truppen in Libyen im Jahr 2011 dieses Mal nicht außen vor zu bleiben. Den Einsatz von Kampftruppen hatte Berlin allerdings kategorisch ausgeschlossen.

Mit der Entsendung hat sich die Regierung jedoch auch bewusst entschieden, lieber den Transport der bisher lediglich angekündigten afrikanischen Soldaten der Ecowas nach Mali zu leisten, statt sich an der Logistik für die bereits gestartete Offensive von mehreren hundert französischen Soldaten zu beteiligen, die noch am Mittwoch auch am Boden gegen die Radikalislamisten in Nordmali vorgehen sollen.

Frankreich hatte nach Angaben der Bundesregierung ein offizielles Hilfeersuchen nach Berlin gesandt, in dem Schreiben wurde um logistische Hilfe entweder für die französischen Kräfte oder für andere Staaten gebeten, die sich an dem Einsatz beteiligen. In Berlin votierte man daraufhin für eine Unterstützung der Ecowas-Truppen, der Aufstellung und Einsatzfähigkeit noch mit vielen Fragezeichen versehen ist.

Maschinen sollen nur Bamako anfliegen

Grundsätzlich wäre die Bundeswehr durchaus zu mehr Hilfe für die Mali-Intervention in der Lage gewesen. Im vertraulich tagenden Verteidigungsausschuss führten Militärs am Mittwoch aus, vier Transalls und zwei sogenannte MedEvac-Maschinen seien verfügbar ohne dass man die laufenden Bundeswehrmissionen im Ausland gefährde. Die MedEvac-Maschinen sind umgebaute Airbus-Jets, die einer fliegenden Notfallklinik gleichen und besonders für den Transport von Schwerverletzten geeignet sind.

Für den Einsatz der beiden Transalls hat Deutschland recht enge Grenzen gesteckt. So sollen die Transportflieger, die speziell für die Verlegung von Truppen und Material in Kampfzonen und für die Landung auf Schotterpisten oder Wiesen geeignet ist, erstmal nur den sicheren Flughafen der Hauptstadt Bamako anfliegen und keine Soldaten in die Krisenzone im Norden fliegen. Für diesen Einsatz, so Minister de Maizière, sei zunächst kein Mandat des Bundestags nötig.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte zu der geplanten Entsendung der Flugzeuge, dass Deutschland seine Verantwortung wahrnehme. Auf Nachfragen, warum Berlin nicht direkt die Franzosen an der Front gegen die Islamisten im Norden unterstütze, führte der Minister aus, dass sich die Bundeswehr an vielen anderen internationalen Einsätzen beteilige an denen Frankreich nicht teilnehme.

Sein Kollege de Maizière sagte, man solle nun darüber reden, was Deutschland tut und nicht, "was wir nicht machen".

Westerwelle kündigte zudem humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in Mali an. Die Bundesregierung werde dazu eine Million Euro zur Verfügung stellen, die insbesondere der Versorgung von Flüchtlingen dienen solle.

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nikta 16.01.2013
1. Warum?
Horst Köhler wurde wegen weniger ausdrücklichen nur Äußerungen und nicht Handlungen kritisiert und wollte letztendlich freiwillig gehen müssen! Nun betreibt Deutschland mehr und mehr mit Einwilligung und Einverständnis s.g. demokratischen Parteien Neuteutonismus pur bzw. Imperialismus und Intervention, selbstverständlich unter dem Gewand der Öffentlichkeit präsentierenden Verteidigung von Menschenrechte, Humanität, Solidarität, Freundschaft usw. Was für eine Heuchelei! Leider die gefallene in Afghanistan machen keine Stimmungsänderung in der Bevölkerung… Warum?
asdf01 16.01.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesDie Bundeswehr verlegt zwei Transportmaschinen nach Mali, vermutlich noch in dieser Woche. Dort sollen die Transalls beim Einfliegen afrikanischer Einheiten helfen. An der französischen Intervention im Norden des Krisenlandes will sich Berlin aber zunächst nicht beteiligen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/deutschland-beteiligt-sich-mit-zwei-transalls-an-mali-einsatz-a-877883.html
Zwei Transalls, man sieht, dass es die Bundeswehr ernst meint, das wird die Islamisten schwer beeindrucken.
EuroStar2011 16.01.2013
3.
Zitat von sysopGetty ImagesDie Bundeswehr verlegt zwei Transportmaschinen nach Mali, vermutlich noch in dieser Woche. Dort sollen die Transalls beim Einfliegen afrikanischer Einheiten helfen. An der französischen Intervention im Norden des Krisenlandes will sich Berlin aber zunächst nicht beteiligen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/deutschland-beteiligt-sich-mit-zwei-transalls-an-mali-einsatz-a-877883.html
Die Royal Air Force schickt mehrere C17 Globemaster III und dann kommt die Bundeswehr Tage spaeter mit zwei Transall ... Respekt!!!
uwevb 16.01.2013
4. Nur für die zukünftige Recherchen!
Die Sanitätsflugzeuge heißen Medevac, Abk. für Med ical Evac uation. Ich hoffe der Rest des Berichtes ist besser recherchiert!
tzahal 16.01.2013
5. Dark Phantasies
"(...) Neuteutonismus pur bzw. Imperialismus und Intervention, selbstverständlich unter dem Gewand der Öffentlichkeit präsentierenden Verteidigung von Menschenrechte, Humanität, Solidarität, Freundschaft usw.(...)" Was zwei (2) altersschwache Transalls doch so alles transportieren können...
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