Deutschland-Bild in China: Drei Flops von Kanzler Shi-luo-de

Von Andreas Lorenz, Peking

Chinesen kaufen gern, was "Made in Germany" ist. Egal ob Sportwagen oder Küchen, Magnetschwebebahnen oder Bausparverträge. Was sich nicht bewährt, bekommt allerdings ihre Wut zu spüren - auch jene Importe, die ihnen der sonst so verehrte Kanzler Gerhard "Shi-luo-de" nahegebracht hat.

Porsche in Peking: Schwärmen über Qualität und Zuverlässigkeit deutscher ProdukteZur Großansicht
DPA

Porsche in Peking: Schwärmen über Qualität und Zuverlässigkeit deutscher Produkte

Mein Bekannter Pichai schwärmt von Deutschland, von deutschen Markenküchen, edlen deutschen Füllfederhaltern und ähnlichen Dingen. Dafür ist der wohlhabende thailändische Geschäftsmann bereit, sehr viel Geld auszugeben. Aber er hat auch hohe Ansprüche: Wenn er eine deutsche Küche für eine seiner Villen kauft, besteht er darauf, dass ein deutscher Mechaniker nach Bangkok anreist und sie einbaut. Denn nur gründliche Deutsche, findet er, könnten das richtig.

In Asien habe ich viele solcher Deutschland-Fans getroffen. Ob in Thailand oder China, Indien oder Indonesien - sie schwärmen von der Qualität und Zuverlässigkeit deutscher Produkte und von der Pünktlichkeit und dem Leistungswillen jener Menschen, die sie herstellen. Deutschland - das ist für viele Asiaten das Synonym für Siemens oder Bulthaup. Leider auch für Leopard-Panzer oder Raketen mit Infrarot-Suchern.

Es gibt kaum einen Flecken in Asien, in dem nicht ein Taxifahrer etwas zu den Vorteilen deutscher Autos zu sagen hätte und abfällig zu dem Peugeot oder Fiat hinüberschauen würde, den er gerade überholt. Dann allerdings nehmen die Gespräche oft eine seltsame Wendung: Als Beispiel für deutsche Fußball-Qualität nennen sie die Namen "Rummenigge" und "Beckenbauer", als ob die immer noch Tore für die Nationalmannschaft schössen. Vermutlich können sie mit "Khedira" oder "Özil" nicht viel anfangen.

Längst gehören deutsche Produkte zum Alltag in Asien. China ist ein gutes Beispiel. Ob Doppelfenster oder besondere Spülen aus Granit, Werkzeugmaschinen oder Schmuck - Chinesen geben dafür viel Geld aus. Sogar mit Bausparverträgen nach deutschem Vorbild und Transrapids haben sie experimentiert.

Chinesen werden auch mal richtig zornig über die Deutschen

Das heißt nicht, dass China mit den Deutschen allgemein nicht kritisch umginge. Deutsche Journalisten etwa sind nicht beliebt, sie schrieben zu negativ über das Land, behaupten die Funktionäre. Obi, der deutsche Baumarkt in Shanghai, hat seine Tore längst wieder geschlossen, den VW-Caddy mochten die Chinesen ebenfalls nicht, und auch der Reiseveranstalter Tui ist wieder vom chinesischen Markt verschwunden. Alle drei Projekte hatte, Zufall oder nicht, der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) tatkräftig unterstützt. Den Obi-Baumarkt hatte der SPD-Politiker besucht, das Caddy-Werk und ein Tui-Reisebüro eröffnet. Und obwohl "Shi-luo-de", wie er in China ausgesprochen wird, in der Volksrepublik wie kein zweiter deutscher Politiker der Gegenwart populär war (und noch immer ist), konnten sich diese nicht durchsetzen.

Die Chinesen werden bei allem Respekt schon mal so richtig zornig über diese Deutschen. 2002 zertrümmerte ein chinesischer Zoodirektor sein Mercedes-Cabrio 230 SLK mit einem Hammer, weil angeblich der Service nicht in Ordnung war: Fünfmal innerhalb eines Jahres hätte der Wagen repariert werden müssen, behauptete er. Die Autofirma machte schlechtes Benzin verantwortlich. Keiner fragte übrigens, wie ein bescheiden bezahlter Zoodirektor an ein so tolles Auto kommt. 2008 ließ eine Frau ihren BMW von einem Wasserbüffel durch die südliche Metropole Guangzhou ziehen, weil die Zündung immer wieder versagte.

Voriges Jahr zerschlug der Blogger Luo Yonghao seinen deutschen Kühlschrank vor der Pekinger Siemens-Zentrale aus Wut darüber, dass die Tür nicht richtig schloss und ihn der Kundendienst nach seiner Meinung arrogant abgefertigt hatte. Ein Siemens-Manager musste sich kleinlaut öffentlich entschuldigen. Und derzeit schwirren im chinesischen Internet Nachrichten über vermeintlich hakende VW-Getriebe.

Vielleicht ist das alles ein wenig ungerecht. Denn der nicht schließende Kühlschrank war vermutlich gar kein echter "Deutscher", sondern einer, der in China hergestellt worden war. Und überhaupt: Was bedeutet heutzutage noch "deutsch"?

Als ich mir zuletzt in Peking einen echten deutschen Siemens-Kühlschrank kaufte, entpuppte er sich als "Made in Poland". Er jedenfalls funktioniert noch.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 48 Beiträge
Alfons Emsig 02.10.2012
Wenn der deutsche Handwerker erstmal da war, wird auch Herr Pichai von seinen Vourteilen gegenüber deutschen Handwerkern befreit sein.
Wenn der deutsche Handwerker erstmal da war, wird auch Herr Pichai von seinen Vourteilen gegenüber deutschen Handwerkern befreit sein.
MDen 02.10.2012
Es ist doch klar, dass man global mit Massenprodukten nicht konkurrentfähig ist, wenn man die in Deutschland direkt herstellen würde. In Deutschland geht nur Ober- und Luxusklasse. Wichtig ist, dass die deutschen Hersteller an [...]
Es ist doch klar, dass man global mit Massenprodukten nicht konkurrentfähig ist, wenn man die in Deutschland direkt herstellen würde. In Deutschland geht nur Ober- und Luxusklasse. Wichtig ist, dass die deutschen Hersteller an allenihren Standorten das hohe Qualitätsniveau halten, für das deutsche Produkte stehen. Das ist ein Marktvorteil, den man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Dass z.B. die deutsche Autoindustrie die einzige in Europa ist, die keine massiven Probleme hat, liegt doch in erster Linie an ihrem guten Ruf. Dieser Ruf ist fast wichtiger als die tatsächlichen Qualitäten. Allerdings ist klar, dass man sich keine massiven Qualitätseinbrüche erlauben kann, wenn man den guten nicht ruinieren will.
kenterziege 02.10.2012
In Shanghai ist die Kombination deutscher Marken perfekt: Unten die pompöse Porsche Niederlassung im 1. Stock gibt es eine Ausstellung von Bulthaupt Küchen. Auf meine Nachfrage, wo den der Porsche Boxster neben den Panameras, [...]
Zitat von sysopChinesen kaufen gern, was Made in Germany ist. Egal ob Sportwagen oder Küchen, Magnetschwebebahnen oder Bausparverträge. Was sich nicht bewährt, bekommt allerdings ihre Wut zu spüren - auch jene Importe, die ihnen der sonst so verehrte Kanzler Gerhard "Shi-luo-de" nahegebracht hat. Deutschland-Bild in China: - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/deutschland-bild-in-china-a-858158.html)
In Shanghai ist die Kombination deutscher Marken perfekt: Unten die pompöse Porsche Niederlassung im 1. Stock gibt es eine Ausstellung von Bulthaupt Küchen. Auf meine Nachfrage, wo den der Porsche Boxster neben den Panameras, Cayennes, Carreras zu finden ist, antwortete der Verkäufer: "Die sind hier nicht gefragt!" Die jungen selbstbewußten Frauen sind nur zu bekommen mit einer Eigentumswohnung und einem Auto - vorzugsweise einem deutschen. Der erklärende und etwas resignierte Kommentar eines jungen Chinesen: "No money - no honey!" Die Verkäufer von Lange&Söhne verzweifeln, wenn Chinesen >50000 € auf den Tisch legen und die Uhr sofort mitnehmen wollen!
Zuweilen gibt es bei Spiegel-Online Artikel, die vollkommen überflüssig sind und zudem keinerlei inhaltliche Größe oder noch schlimmer, einen Informationswert aufweisen. Hier ist solch ein Wunderwerk modernen Schreibertums. [...]
Zuweilen gibt es bei Spiegel-Online Artikel, die vollkommen überflüssig sind und zudem keinerlei inhaltliche Größe oder noch schlimmer, einen Informationswert aufweisen. Hier ist solch ein Wunderwerk modernen Schreibertums. Herr Lorenz, bitte klären Sie uns über den Sinn Ihrer China-Thailand-Abfolge auf. Vielleicht gibt's ja auch etwas zu lachen?
papayu 02.10.2012
Ist doch wunderbar, wenn ich ueberall auf der Welt deutsche Produkte kaufe. Schokolade aus Waldenbuch, Bohrmaschinen aus Nuertingen oder Winnenden. Das macht mich direkt stolz! Ja, da koennen die Griechen nicht mithalten, der [...]
Ist doch wunderbar, wenn ich ueberall auf der Welt deutsche Produkte kaufe. Schokolade aus Waldenbuch, Bohrmaschinen aus Nuertingen oder Winnenden. Das macht mich direkt stolz! Ja, da koennen die Griechen nicht mithalten, der FETA kommt aus Daenemark. Ja. auch wir Deutschen produzieren fuer Frankreich! La vache quiri, Made in Germany, reimt sich sogar! Muessten mal durch so einen Supermarkt gehen und dann nach dem Herstellungsland schauen. Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus!! Also da frage ich mich, wie billig muss die Schokolade hergestellt werden, wenn sie hier in Asien billiger ist als in Stuttgart, das ja gleich nebenan ist? Salamat poh.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Mein Leben als Ausländer

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Dienstag, 02.10.2012 – 06:19 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 48 Kommentare

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | China-Reiseseite







TOP



TOP