Deutschland-Bild in Thailand: Bauch und Baieln Munki

Von Karl-Ludwig Günsche, Bangkok

Auch wenn die Zeitungen in Thailand regelmäßig über die Kanzlerin und die Bundesliga berichten: Das Deutschland-Bild der Thais ist wenig schmeichelhaft - es wird durch die halbe Million deutsche Touristen geprägt, die jedes Jahr ins Land kommen.

Touristen am Strand in Thailand: 500.000 Deutsche kommen jedes JahrZur Großansicht
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Touristen am Strand in Thailand: 500.000 Deutsche kommen jedes Jahr

Der Taxifahrer spricht wider Erwarten etwas Englisch - und will seine Sprachkenntnisse sofort an mir ausprobieren. "Where are you from?", fragt er neugierig. Als er hört, dass ich Deutscher bin, ist er begeistert, dreht sich während des Fahrens um, klopft mir auf die Schulter und ruft etwas, das wie "Baieln Munki" klingt. Es dauert etwas, bis bei mir der Groschen fällt: Er meint "Bayern München". Na klar, für die fußballbegeisterten Thais sind Deutschland und Bayern München Synonyme. Leider weiß ich nicht mal, ob die Bayern überhaupt Meister sind. Seiner Freude, einen Landsmann der "Bayern" zu treffen, tut das keinen Abbruch.

Deutschland liegt für den Normalbürger Thailands so weit entfernt wie Mond oder Mars. Die trendige Jugend findet nichts dabei, sich in "Nazi Chic" zu kleiden und sich im Nazi-Shop im In-Kaufhaus "Terminal 21" mit Hitler-T-Shirts, Hakenkreuzfahnen oder Helmen mit SS-Runen einzudecken. Völlig unbefangen marschierten die Schülerinnen der "Sacred Heart School" in Chiang Mai im September 2011 an ihrem Sporttag mit "Sieg Heil"-Rufen in SS-Uniformen auf. "Sie glauben, dass Hitler ein Held war und kein Monster," klagt Israels Botschafter Itzhak Shoham. Der Holocaust ist ihnen so fremd und fern, wie Deutschlands Jugend zum Beispiel die Verbrechen der Roten Khmer in Thailands Nachbarland Kambodscha.

Aber so fern den Thais Deutschland auch ist, so nah sind ihnen die Deutschen: 500.000 reisen jedes Jahr aus dem regnerischen "Germany" ins Land des Lächelns und prägen das Deutschlandbild in meiner Wahlheimat. Natürlich fallen die schmerbäuchigen Männer mit ihren kurzen Hosen, den Socken, Sandalen und den jungen Thai-Mädchen von Pattaya bis Phuket stärker auf als die harmlosen Backpacker, die Bildungsreisenden, die sich am Zauber der fremden Kultur berauschen, oder die Rentner, die sich von Thailands Sonne den Lebensabend vergolden lassen.

Die Bierbäuche aus Castrop-Rauxel oder Eisenhüttenstadt sind ja auch nicht wirklich schlimmer als gleich gestrickte Engländer, Russen oder Schweden. Aber sie sind peinlich, und hin und wieder kann einen da schon eine kollektive Nationalscham befallen. Für die zurückhaltenden Thais, die ihre Gefühle gerne hinter ihrem sprichwörtlichen Lächeln verbergen, sind sie eine Zumutung. "Typisch deutsch" heißt es dann schnell.

Kronprinz Maha Vajiralongkorn zieht es nach Bayern

Das Deutschlandbild der thailändischen Oberschicht sieht ganz anders aus. Für sie ist es das Land der Dichter und Denker, das Land mit dem Gütesiegel "Made in Germany". Die Königstochter Chakri Sirindhorn reist regelmäßig nach Deutschland und spricht sehr gut Deutsch. Kronprinz Maha Vajiralongkorn verbringt mit Frau und Pudel Foufou mehrere Monate im Jahr in Deutschland, vorzugsweise in Bayern. Beim jährlichen "Fest der Deutschen" und bei den Feiern zum Nationalfeiertag am 3. Oktober treten thailändische Generäle in Gruppenstärke an.

Viele in den oberen Rängen des Militärs haben ihr Handwerk bei der Bundeswehr gelernt und an der Bundeswehr-Uni studiert. Sie kennen und lieben das "andere" Deutschland und nehmen die grölenden Stammtischdeutschen, die gestrandeten Existenzen und die enttäuschten Abenteurer kaum zur Kenntnis. Im Supermarkt kaufen sie für Thai-Gaumen so exotische Dinge wie Bierschinken und Leberkäs. In ihren Garagen stehen blitzblank geputzte Mercedes und BMW und nur für Alltagsfahrten zum Supermarkt oder Kindergarten Toyota-SUVs.

Martialische Merkel-Karikaturen

Unsere junge Nachbarin Pui Fai, die ihr fließendes Englisch an einer teuren Privatschule gelernt hat, träumt von einer Deutschlandreise nach dem Internationalen Baccalaureat, "weil es dort Schnee gibt und alles so ordentlich ist". Nicht die Schmerbäuche, sondern die smarten Geschäftsleute der rund 500 deutschen Firmen in Thailand repräsentieren für sie Deutschland.

Ich staune immer wieder, wie ausführlich neben dem Sport auch über deutsche Politik in Thailands Zeitungen berichtet wird. Im Mittelpunkt natürlich die Kanzlerin. Die Karikaturisten der beiden englischsprachigen Zeitungen "Bangkok Post" und "The Nation" überbieten sich geradezu in martialischen Merkel-Darstellungen - bis an die Grenze des guten Geschmacks. Mal wird sie als strenge Domina in Lack und Leder gezeichnet, mal als grimmige Herrscherin mit Pickelhaube und Wilhelm-II-Attitüde.

Als ich allerdings meinen Taxifahrer frage, ob er schon mal was von ihr gehört hat, kann er mit dem Namen so gar nichts anfangen. Nach längerem Zögern fragt er lächelnd zurück, ob sie vielleicht von "Baieln Munki" sei. "Nein," sage ich, "sie spielt in einer anderen Liga." Er staunt. Dass es im fernen Deutschland etwas noch Größeres gibt als "Baieln Munki", kann er sich offenbar nicht vorstellen.

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insgesamt 57 Beiträge
karstenkk 12.08.2012
ach immer dasselbe eigene Deutschlandbild des häßlichen Deutschen im Ausland,gähn. Vorzugweise auch in dämlichen Serien im Privatfernsehen (Villa Germania) erbrechend wiederholt,dabei werden hierbei lediglich die eigenen [...]
ach immer dasselbe eigene Deutschlandbild des häßlichen Deutschen im Ausland,gähn. Vorzugweise auch in dämlichen Serien im Privatfernsehen (Villa Germania) erbrechend wiederholt,dabei werden hierbei lediglich die eigenen nihilistischen Neigungen der Deutschen bedient und der SPIEGEL malt auf diesem depperten Niveau fleißig mit. Ich kenne Thailand recht gut und komme gerade von meiner 12ten Individualreise zurück,war zudem einige Zeit unglücklich mit einer Thai verlobt. Es sei vorsorglich angemerkt: Ich bin kein solcher angesprochener Vertreter dieses unseren Landes. Und ja,es gibt sie die gesuchten Karikaturen in den lächerlichsten Ausführungen, aber lediglich in verschwindender Anzahl und im direkten Gespräch dann erstaunlich differenziert und diszipliniert. Wesentlich negativ auffallender sind andere Besucher aus den vielfältigsten Kulturen, Deutsche sind in Thailand mittlerweile eine Randgruppe,die gesamte Besucherzahl beträgt etwa 16 Millionen pro Jahr. Davon vielleicht ein Drittel Russen,aber auch sehr viele alleinreisende Männer aus Arabien, Indien, Korea, China... Und die Flüge von Deutschland nach Thailand? Sind voll mit Familien und Ehepaaren in allen Altersklassen. Das beschriebene Deutschlandbild der normalen Thais ist tatsächlich recht einfach aber sehr positiv,der Thai vom Lande hat aber einen Horizont bis zum Ende der Reisfelder,er kann nicht einmal das eigene Land auf einer Weltkarte identifizieren. Deutsche stehen bei den Thaifrauen im übrigen ganz oben auf der Liste der Begehrlichkeiten,sie gelten als zuverlässig, diszipliniert und kultiviert - und natürlich als unermesslich reich. Zudem behandeln sie die Frauen mit Respekt und Achtung, Gewalt und viel Alkohol in der Ehe ist in Thailand ein normales Phänomen. Anläßlich einer Reise nach Phuket hatte ich letztes Jahr ein "typisch deutsches" Restaurant in Karon Beach besucht,wobei meine Begleiterin zu meinem Erstaunen und aus tiefster Überzeugung erklärte,die sei das beste Restaurant auf Phuket. Nach einigen wiederholten Besuchen mußte ich ihr tatsächlich recht geben. Das Essen war in beiden Kochstilen hervorragend, der Service top (was in Thailand nicht selbstverständlich ist), die Athmosphäre angenehm,gutes Bier, die Toiletten blitzblank und völlig funktionsfähig. Auch ich hatte mich zunächst als ewig nörgelnder Deutscher für dieses Restaurant überreden lassen müssen - und war sehr angenehm überrascht. Liebe Landsleut´,setzt endlich mal die nationale Nörglerbrille ab, laut einer jährlichen Studie der BBC sind Deutsche tatsächlich die beliebteste Volksgruppe - und wir könnens nur nicht glauben. Sawadee Khrab
Den Beitrag finde ich sehr informativ und auch so toll, wie die Berichte über die doofen Amis, die immer noch glauben, dass täglich Menschen im zweiten Weltkrieg sterben, weil die noch gar nicht gehört haben, was bei uns [...]
Zitat von sysopAuch wenn die Zeitungen in Thailand regelmäßig über die Kanzlerin und die Bundesliga berichten: Das Deutschland-Bild der Thais ist wenig schmeichelhaft - es wird durch die halbe Million deutsche Touristen geprägt, die jedes Jahr ins Land kommen. .......
Den Beitrag finde ich sehr informativ und auch so toll, wie die Berichte über die doofen Amis, die immer noch glauben, dass täglich Menschen im zweiten Weltkrieg sterben, weil die noch gar nicht gehört haben, was bei uns abgeht. Vorurteile der primitivsten Art halt. Ach ja, die können auch die Zwei Grenzen der Amerikaner nicht aufzählen, weil Zwei, das überfordert jeden Ami. MfG. Rainer
petermalysia 12.08.2012
..das ist jetzt mit Abstand der schlimste Artikel den ich hier gelesen hab. Nicht nur die Eigen-Stereotypische Ansicht die hier gleich als representative Aussage als Fakt dahrgestellt wird, nein der Schreiberling wiederspricht [...]
..das ist jetzt mit Abstand der schlimste Artikel den ich hier gelesen hab. Nicht nur die Eigen-Stereotypische Ansicht die hier gleich als representative Aussage als Fakt dahrgestellt wird, nein der Schreiberling wiederspricht sich auch im Artikel gegen die Headlineaussage. Aber vieleicht hat er ja nur die representative Studie wie "Die Thais" Deutschlang sehen vergessen und es basiert nicht nur auf seine Handvoll Kontakte die er auf einer Reise gesprochen hat. Ja wer eine Reise macht kann viel erzaehlen - siehe Muenchhausen. Offenbarend finde ich wenn jemand von "kollektiven Nationalscham" redet. Ich empfinde sowas nicht obwohl ich in SOA lebe und viel mehr Leute mich mit etwaigen negativen Deutschen/Europaeischen Geschehen konfrontieren. Wer sowas empfindet beweist das sowas in Ihm ist. Undwer dann noch von"harmlosen Backpacker" redet beweist fuer mich endgueltig das er nicht weiss wovon er schreibt. Nichts gegen Backpakers nicht nur weil ich selber jahrelang einer wahr und tatsaechlich ist es das kleinere Uebel vom Tourismus, aber ich wuenschte der Schreiberling haette mal 988 Koh Pangan gesehen und nicht 5 Jahre spaeter was die "harmlosen Backpacker" aus der Insel gemacht haben. Aber es gibt ja auch zum Glueck "professionelle" Studien die auch den "harmlosen" Tourismus ins richtige Licht ruecken. Also wenn der SPON mal richtige Info ueber SOA haben - macht mir ein Angebot - schlimmer als dieser Artikel kann es garnicht werden. :-)
Revarell 12.08.2012
............wenn man sich ein Bild von "den Deutschen" im Ausland machen will! Ich habe kürzlich auf der Durchreise nach Litauen in Polen morgens um 9.00Uhr auf einer Raststätte bei Lodz gefrühstückt! Damit war's vorbei [...]
............wenn man sich ein Bild von "den Deutschen" im Ausland machen will! Ich habe kürzlich auf der Durchreise nach Litauen in Polen morgens um 9.00Uhr auf einer Raststätte bei Lodz gefrühstückt! Damit war's vorbei als 2 Reisbusse aus dem Ruhrgebiet vorfuhren! Bier, Kaffee mit Weinbrand etc. war für die Truppe offenbar um diese Uhrzeit normal, die aufdringliche Rummelplatz-Lautstärke der ca. 50 Personen war nicht zu überbieten, inhaltlich bis hin zu diskriminierenden und unüberhörbaren Sätzen wie: "Wenn Du auf's Klo gehst vergiss nicht die Handtasche mit zu nehmen, du weißt ja wo wir hier sind!" Der Auftritt war unangenehm und höchst peinlich, - ich kann's durchaus verstehen wenn man uns im Ausland bzw. Thailand aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet!
Na Sigoreng 12.08.2012
wovon ist die Rede ? - von Engländern ? Ich bin seit über 20 Jahren ca. 4 mal pro Jahr in Thailand ... nein, nicht mit dem B-Bomber, sondern beruflich. Deutschland wird in Thailand ausserordentlich positiv gesehen, das liegt [...]
wovon ist die Rede ? - von Engländern ? Ich bin seit über 20 Jahren ca. 4 mal pro Jahr in Thailand ... nein, nicht mit dem B-Bomber, sondern beruflich. Deutschland wird in Thailand ausserordentlich positiv gesehen, das liegt wohl vor allem an den Deutschen Produkten. Wenn man eine thailändische Fabrik besucht, findet man da bevorzugt deutsche Maschinen, Heidelberger ist in Druckereien die erste Wahl. Die genannten beleibteren Individuen gibt es tatsächlich fallen aber nicht wirklich auf, es gibt mehr Engländer von der Sorte in T-Hailand. Man steht denen aber nicht generell negativ gegenüber, die Farangs bringen Geld ins Land .... das haben die Thais gerne ! Was die genannte Symbolik angeht, okay, das mit den Schulmädchen in den Uniformen stimmt. Es ist aber auch so, dass "unser" Hakenkreuz ein uraltes religiöses Sonnensymbol ist. Das gab es in Thailand schon vor unserer geschichtlichen Episode. Logisch, dass dieses Symbol dort eine andere Bedeutung hat, als bei uns. Also, nicht nörgeln, es gibt Länder, die finden uns gut. .... hoffentlich dürfen die das !
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  • Sonntag, 12.08.2012 – 18:32 Uhr
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