DFB-Delegation in Auschwitz "Wollten ein Zeichen setzen"

Eine Woche vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat eine DFB-Delegation die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht. Außer Bundestrainer Joachim Löw gedachten die Nationalspieler Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski der Holocaust-Opfer.


Auschwitz - Es sollte ein Zeichen vor der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sein: Eine Woche vor dem Start des Turniers hat eine Delegation des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) das frühere NS-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau etwa 70 Kilometer westlich von Krakau im Süden Polens besucht.

An der Reise nahmen außer Bundestrainer Joachim Löw unter anderem Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski teil. Bei Dauerregen legten sie einen Kranz vor der ehemaligen Todeswand ab, wo die Nationalsozialisten mehrere tausend politische Häftlinge erschossen hatten.

Nach dem Besuch eines Teils der ehemaligen Lagerbaracken, in denen sich heute Ausstellungsräume der Gedenkstätte befinden, fuhr die DFB-Delegation zum rund drei Kilometer entfernten Lagerkomplex Birkenau. Medienvertreter waren nicht zugelassen. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hatte zuvor angekündigt, der Besuch solle keine "PR-Aktion" werden.

Mahnende Worte des DFB-Präsidenten

Die Mannschaft wolle mit DFB-Vertretern die Opfer von Auschwitz in gebührender Stille ohne größere Öffentlichkeit ehren, hatte ein Sprecher Anfang Mai mitgeteilt. "Mit dem Besuch in Auschwitz wollten wir ein Zeichen setzen, dass ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte niemals in Vergessenheit geraten und sich nie wiederholen darf", sagte Bierhoff.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gedachte der Opfer des Holocaust am Freitag mit mahnenden Worten: "Im Umgang mit diesem menschenverachtenden Kapitel unserer Geschichte sollte ein Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker für uns Mahnung und Orientierung sein: Wer die Augen vor der Vergangenheit verschließt, wird blind für die Gegenwart."

Zur Delegation gehörten außer Niersbach, Löw und dem Spieler-Trio auch Ligapräsident Reinhard Rauball, Vizepräsident Peter Peters sowie Generalsekretär Helmut Sandrock. Begleitet wurden sie von Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Rüdiger Freiherr von Fritsch, dem deutschen Botschafter in Polen, sowie Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt.

Die Nationalsozialisten hatten das Konzentrationslager Auschwitz mit dem verhöhnenden Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem Tor im Jahr 1940 eingerichtet. Später dehnten sie es auf das nahe gelegene Birkenau aus, wo ein Vernichtungslager entstand. Von den rund sechs Millionen während des Holocausts ermordeten Juden starben mehr als eine Million in Auschwitz und Birkenau. Das Lager wurde am 27. Januar 1945 beim Vormarsch der sowjetischen Truppen befreit.

"Vorbilder für so viele junge Menschen"

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, hatte sich gewünscht, dass die Nationalmannschaft im Rahmen der EM in Polen und der Ukraine eine Gedenkstätte besucht, die an die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands erinnert.

Im März betonte er in einem Interview, dass der Besuch einer der Holocaust-Gedenkstätten in Auschwitz oder Babi Jar ein wichtiges Zeichen des DFB und des Nationalteams wäre. Im "Tagesspiegel" hatte er in einem Interview gesagt: "Özil, Klose, Gomez, Schweinsteiger oder Khedira sind die Idole von heute, sie sind die Vorbilder für so viele junge Menschen. Wenn gerade sie Auschwitz besuchen und davon berührt sind, könnte das schließlich mehr bewirken als tausend Gedenkreden."

Am Donnerstag hatte die deutsche Mannschaft das Testspiel gegen Israel 2:0 gewonnen. Das Nationalteam wird am 4. Juni das EM-Stammquartier im polnischen Danzig beziehen. Das erste Gruppenspiel gegen Portugal findet am 9. Juni statt.

heb/dpa/AFP/sid

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