Gesundheitliche Gründe Italien lässt 16 Flüchtlinge von Bord der "Diciotti"

Die Lage auf dem Rettungsschiff "Diciotti" verschärft sich: An Bord gibt es mehrere Tuberkulose-Verdachtsfälle. Insgesamt dürfen 16 Migranten aus gesundheitlichen Gründen an Land. Über hundert müssen weiter ausharren.

Flüchtlinge auf der "Diciotti"
ORIETTA SCARDINO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Flüchtlinge auf der "Diciotti"


Die italienischen Behörden haben 16 Flüchtlingen aus medizinischen Gründen das Verlassen des Rettungsschiffs "Diciotti" gestattet, das seit Montag im Hafen von Catania liegt. Elf Frauen und fünf Männer seien von Bord gegangen, teilte ein Sprecher des italienischen Innenministeriums nach einer entsprechenden Empfehlung der Gesundheitsbehörde mit. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete von zwei Tuberkulose-Verdachtsfällen an Bord.

Die italienische Küstenwache hatte die mehr als 170 Migranten bereits am 16. August im Mittelmeer aufgenommen. Kurz nach der Rettung wurden 13 von ihnen zur medizinischen Versorgung nach Lampedusa gebracht. Die "Diciotti" durfte Anfang der Woche zwar in den Hafen von Catania einlaufen. Die Regierung will die geretteten Menschen aber nicht an Land lassen, bevor andere EU-Staaten ihre Aufnahme zugesagt haben.

Mitte der Woche hatten bereits 27 unbegleitete Minderjährige von Bord gehen dürfen. Aus Protest gegen ihre Festsetzung auf dem Schiff sind mehrere Migranten in einen Hungerstreik getreten. Ein Vertreter des Roten Kreuzes sagte, die gesundheitliche Lage der meisten Menschen an Bord sei nicht ausgesprochen kritisch. Ihre Probleme seien "mehr psychologisch als körperlich".

Vertreter von zehn EU-Staaten hatten sich am Freitag nicht auf eine Lösung für die Migranten einigen können. Die Vereinten Nationen appellierten am Samstag an die Vernunft aller Beteiligten. Menschen, die möglicherweise internationalen Schutz benötigten, dürften nicht in den Strudel der Politik geraten.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich unterdessen "sehr zuversichtlich", bald eine Vereinbarung mit Rom über die Rücknahme von Asylbewerbern zu treffen. Allerdings fordert Italien im Gegenzug Zugeständnisse bei den aus Seenot geretteten Migranten.

Innenminister Matteo Salvini erwarte als Gegenleistung für die Rücknahme von Asylbewerbern an der deutsch-österreichischen Grenze, die bereits in Italien einen Antrag gestellt haben, "dass man in etwa vergleichbarer Größenordnung sich an der Seenotrettung beteiligt als Bundesrepublik Deutschland", sagte Seehofer bei einem Termin mit Bürgern im Haus der Bundespressekonferenz.

Die italienische Regierung will im Mittelmeer gerettete Migranten nur noch an Land lassen, wenn ihre Aufnahme in der EU vorab geklärt ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag am Rande eines Besuchs in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, die Gespräche über die Verteilung von Flüchtlingen, die gerade in Brüssel stattfinden, seien "alles andere als einfach".

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen forderte die EU-Staaten auf, sich auf Grundwerte wie Solidarität und die Menschenrechte zu besinnen. "Es ist an der Zeit, dem Schlagabtausch ein Ende zu setzen", sagte Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi laut Mitteilung.

hut/dpa/AFP

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