Früherer US-Vize Cheney fürchtet sich vor Anschlag auf seinen Herzschrittmacher

Wegen seiner Herzprobleme hat Dick Cheney seit Jahren einen Schrittmacher. Die Fernsteuerungsfunktion des Geräts ließ der ehemalige US-Vizepräsidenten dennoch vorsorglich abschalten. Seine Angst: Terroristen könnten so einen tödlichen Anschlag auf ihn verüben.

AP

Washington - Seit vielen Jahren macht dem früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney das Herz zu schaffen. Fünf Infarkte hat der 72-Jährige hinter sich, den ersten erlitt er schon im Alter von 37 Jahren. Vergangenes Jahr unterzog er sich schließlich einer Transplantation. Doch offenbar bereiten dem Republikaner seine Herzprobleme nicht nur körperlich Sorgen.

In einem Interview mit dem US-Sender CBS berichtete Cheney, er habe die Fernsteuerungsfunktion an seinem Herzschrittmacher deaktivieren lassen - aus Angst vor einem Anschlag. Er und sein Kardiologe Jonathan Reiner hätten ausschließen wollen, dass Terroristen über die Drahtlos-Funktion einen tödlichen Infarkt auslösen könnten.

Jahre später fühle er sich nun in seiner Angst bestätigt. Er habe ein ähnliches Szenario in der TV-Serie "Homeland" gesehen. "Ich finde es glaubhaft", sagte Cheney. "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dies eine korrekte Darstellung des Möglichen ist." In der Serie wird einem Mann die Fernsteuerungsfunktion seines Herzschrittmachers zum Verhängnis, weil sein Widersacher die Steuerung des Geräts übernimmt.

"Ich gehe angeln, ich gehe jagen - ich fahre nur nicht Ski"

Cheneys Kardiologe sagte in dem Interview, er habe sich nach den Anschlägen des 11. September große Sorgen um die Gesundheit des Politikers gemacht. Am Morgen der Attentate habe er kritische Blutwerte beim damaligen Vizepräsidenten festgestellt. Als die Flugzeuge ins World Trade Center einschlugen, habe er vor dem Fernseher gesessen und gedacht: "Na toll, der Vizepräsident wird heute Abend an einer Hyperkaliämie sterben." Eine Hyperkaliämie ist eine fatale Störung des Elektrolythaushalts, bei der der Kaliumspiegel im Blut erhöht ist. Sie kann zu Herzrhythmusstörungen und sogar zu einem Herzstillstand führen.

Mit seinem neuen Herzen fühle er sich sehr gut, sagte Cheney in dem Gespräch. Es gehe ihm phantastisch. "Ich gehe angeln, ich gehe jagen - ich fahre nur nicht Ski. Aber das liegt an meinen Knien, nicht an meinem Herzen." Cheney und Reiner promoten derzeit ihr gemeinsames Buch "Heart: An American Medical Odyssey".

Cheney war von 2001 bis 2009 der Stellvertreter von Präsident George W. Bush. Wegen seines harten Kurses im "Krieg gegen den Terror" gilt der konservative Republikaner als einer der umstrittensten Vizepräsidenten der amerikanischen Geschichte. Vor seiner Amtszeit hatte er fünf Jahre lang an der Spitze des Ölservice-Giganten Halliburton gestanden.

gam/AP



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