Südkoreanische Insel Baengnyeong: Im Angesicht des Feindes

Aus Baengnyeong berichtet Malte E. Kollenberg

Baengnyeong: Die Insel am Ende von Südkorea Fotos
Malte E. Kollenberg

Der westlichste Punkt Südkoreas, die Insel Baengnyeong, ist ein Bollwerk gegen Nordkorea. Das Eiland grenzt mit zwei Seiten an Feindesland. In friedlichen Zeiten strömen die Touristen hierher. Jetzt fürchten die Bewohner, zwischen die Fronten zu geraten.

Viele der Hotels und Motels auf Baengnyeong stehen leer. Seit Wochen geht die Zahl der Buchungen zurück. Für den 54-jährigen Park Dong Sik eine Katastrophe. Der Hotelier fühlt sich an die Situation nach den Zwischenfällen mit Nordkorea im Jahr 2010 erinnert. "Aber dieses Mal ist es schlimmer", sagt er. "Damals dauerte die Krise nur kurze Zeit." Nun hält sie schon seit Wochen an und "hat bereits Auswirkungen bis Juni", erklärt er. So weit voraus seien bereits Buchungen in seinem Hotel storniert worden.

Baengnyeong ist ein kleines Eiland ganz im Westen Südkoreas. Nur rund 15 Kilometer liegt die Insel vom nordkoreanischen Festland entfernt. Am 12. März besuchte der nordkoreanische Führer Kim Jong Un die Küste gegenüber. Dort instruierte er seine Militärs, Baengnyeong bei der kleinsten Provokation aus Südkorea ins Visier zu nehmen.

Bei den Bewohnern rief der Befehl Erinnerungen an den Beschuss der ebenfalls nicht weit von Nordkorea entfernt liegenden Insel Yeonpyeong im Herbst 2010 wach. Die Corvette "Cheonan" wurde im Frühjahr 2010 nicht weit von Baengnyeong versenkt. Ereignisse, von denen die Inselbewohner nicht gerne berichten. Heute erinnert ein Mahnmal am westlichen Ende Baengnyeongs an die damals getöteten Seeleute.

Baengnyeong lebt von Touristen

Die Menschen auf der Insel fürchten das wirtschaftliche Ende, wenn sich nicht bald etwas ändert. Selbst die chinesischen Fischer, die sich bis vor einigen Wochen noch rund um die Insel herumtrieben, wünscht man sich zurück. Doch den Chinesen ist das Fischen so nah an der nordkoreanischen Küste zu gefährlich geworden.

Hotelier Park hat sein ganzes Leben hier verbracht. Seit 13 Jahren betreibt er sein Haus, und eigentlich wollte er expandieren. Wenn nun die Gäste wegbleiben, geht das nicht. "Die Situation ist schlecht hier. Für so ein Vorhaben braucht man in erster Linie Geld." Aber wer Geld hat, der geht hier weg.

Auch die Fähren klagen über Einbußen. Bang Jae Yu, Mitarbeiter einer Reederei, deren Schiffe die Insel täglich mehrere Male anfahren, erklärt: "Die Fahrgastzahlen sind um rund 30 Prozent zurückgegangen in den letzten Wochen." Vom Fährhafen in Incheon, nahe der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, dauert es auf die Insel rund viereinhalb Stunden. Die Fähre "Democracy 5" fährt entlang der Northern Limit Line, der umstrittenen Seegrenze zwischen den beiden Koreas. "Könnten wir auf dem direkten Weg nach Baengnyeong fahren, wäre die Fahrtzeit 60 Minuten kürzer", erklärt Bang.

Doch um Baengnyeong zu erreichen, muss die Fähre einen Schlenker gen Süden fahren. Auf zwei Seiten, im Norden und Osten, ist die Insel von nordkoreanischem Hoheitsgebiet umgeben. Für den Süden ist sie deshalb strategisch wichtig.

Park will trotzdem bleiben

Nun haben erste Fähren angekündigt, den Betrieb nach Baengnyeong bald einzustellen. Die Fährgesellschaft Changheung Hae Woon hat eine Stornorate von rund 50 Prozent. Seit im März die Drohungen aus dem Norden begannen, hätten 4878 Passagiere ihre Tickets zurückgegeben, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Die wenigen Touristen, die noch kommen, bleiben nicht lange. Es sind vor allem Seniorenreisegruppen. Anderthalb Tage und eine Nacht sei er hier, erklärt der 73-jährige Nam Chang Woo. 43 Köpfe zählt die Reisegruppe, mit der er unterwegs ist. Sie sind in Park Dong Siks Moonwha Hotel abgestiegen. Endlich mal wieder eine Nacht, über die sich der Hotelier nicht beschweren kann.

Rentner Nam Chang Woo sagt, er habe keine Angst gehabt, auf die Insel zu kommen, schließlich sei die Lage auf Baengnyeong auch nicht viel anders als in Seoul oder in seiner Heimatstadt Suwon. "Wenn Nordkorea angreift, bedeutet das Krieg. Da ist es egal, wo man ist", erklärt er. "Aber was mich beeindruckt, ist wie ruhig und gelassen die Leute hier mit der Situation umgehen", sagt er voller Anerkennung.

Park will die Insel auf keinen Fall verlassen. Auch nicht jetzt. "Sicher sind wir hier stark alarmiert. Aber ich traue unseren Militärs, und ich werde für immer hier bleiben."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Peter Panther 10.04.2013
Von der angeblichen "Gelassenheit" ist aber nicht zu bemerken, "Gelassenheit" ist jetzt das neue Synonym für "Muffensausen"! Das Manöver "foal eagle" ist still und heimlich in eine Badewanne verlegt worden und auf Raketentests in Kalifornien!!! verzichtet der Schurkenstaat .... um zu "deeskalieren"! Kim wird seine Bombe jetzt noch mehr lieben! Ach ja: und von "Druck erhöhen" und neuen Sanktionen ist auch keine Rede mehr....
2. Vertane Zeit!
bertholdböckchen 10.04.2013
Ein in der Tat sinnloser Artikel. Anstatt die Lebenssituation auf der Insel zu beschreiben, kaut der Autor die wirtschaftlichen Einbußen hoch und runter. Und, den Hotelier nicht vergessen, der angesichts der 43 Köpfe zählenden Reisegruppe sich endlich mal wieder nicht beschweren kann. Blubblub.
3. Wollen sie leiber einen Kriegsbericht?
xees-s 10.04.2013
Zitat von bertholdböckchenEin in der Tat sinnloser Artikel. Anstatt die Lebenssituation auf der Insel zu beschreiben, kaut der Autor die wirtschaftlichen Einbußen hoch und runter. Und, den Hotelier nicht vergessen, der angesichts der 43 Köpfe zählenden Reisegruppe sich endlich mal wieder nicht beschweren kann. Blubblub.
Was soll da gross stehen, über die Falklandinseln könnte man noch weniger scjnreiben da gibt es vermitlich nicht nal ein Hitel? Dieser Bericht ist doch nur aus einer dpa meldung raus, der Spiegel hat sicher keinen Koresspondenten aif die Insel geschickt. Es verzählt halt mal eine unverbindliche Geschichte so wie uns früher halt Leute in Westberlin zur Mauer gafahren sind. Über Militärische Bewegungen ect kann hier eh nix stehen.
4.
XRay23 10.04.2013
Zitat von Peter PantherVon der angeblichen "Gelassenheit" ist aber nicht zu bemerken, "Gelassenheit" ist jetzt das neue Synonym für "Muffensausen"! Das Manöver "foal eagle" ist still und heimlich in eine ........
Ohne diesem "Schurken Staat" wären Sie unter einem nationalsozialistischen oder stalinistischen Regime aufgewachsen. Einfach mal nachdenken.
5. Was soll das Mitleidsgequengel?
traffic 10.04.2013
Der Mann hat mit der Schaulust seiner Kunden gute Geschäfte gemacht. Jetzt wird die Sache eben heiß. Und der denkt bestimmt selber so, nur Herr Kollenberg zaubert daraus typisch deutsche Betroffenheitssoße.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Südkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
  • Zur Startseite

Karte

Fläche: 99.646 km²

Bevölkerung: 48,184 Mio.

Hauptstadt: Seoul

Staatsoberhaupt:
Park Geun Hye

Regierungschef: Chung Hong Won

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Südkorea-Reiseseite