Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Wie die Isis-Miliz ein Vermögen erbeutet: Der Reichtum der Gotteskrieger

Von  

Terrorgruppe: Gotteskrieger mit vollen Konten Fotos
AFP/ Welayat Salahuddin

Sie fordern hohe Lösegelder für Geiseln, rauben archäologische Stätten aus, handeln mit Öl und Getreide: Die Isis-Islamisten sollen über ein Milliardenvermögen verfügen. Ihr Feldzug im Irak macht sie noch reicher.

Berlin - Allein in der vergangene Woche sollen den Islamisten in Mossul und Umgebung Geld, Gold und andere Vermögenswerte in Höhe von einer Milliarde Euro in die Hände gefallen sein, schätzen irakische Experten. Damit hätte sich Isis an die Spitze der weltweiten Terror-Top-Verdiener katapultiert.

Zum Vergleich: Die afghanischen Taliban nehmen jährlich umgerechnet rund 300 Millionen Euro mit Erpressung, Sonder-Steuern und Drogenhandel ein, die Schabab-Miliz in Somalia kassiert vor allem aus Schmuggel-Geschäften umgerechnet 50 bis 70 Millionen Euro. Die reichste Qaida-Filiale, der Ableger in Nordafrika (AQIM), kommt auf ein geschätztes Gesamtvermögen von umgerechnet zwischen 60 und 110 Millionen Euro.

Im Irak und Syrien hat Isis ein Wirtschaftsimperium aufgebaut

Im Durcheinander des Syrienkrieges und des westlichen Irak hat es die Isis geschafft, ein beeindruckendes Handelsimperium aufzubauen.

  • Erdöl: Im Nordosten Syriens besitzt sie Ölfelder und will nun offenbar auch Raffinerien im Irak unter ihre Kontrolle bringen. Die Radikalen verkaufen über Pipelines Erdgas und Erdöl an das syrische Regime.

  • Kunsthandel: Irak und Syrien sind reich an historischen Schätzen. Viele archäologische Stätten sind derzeit kaum geschützt. Dort werde jetzt illegal gegraben, Funde von unschätzbarem Wert würden weiterverkauft, warnt die Unesco. Mit dem Antiquitäten-Handel soll Isis bereits etliche Millionen eingenommen haben.

  • Lösegeld: Die Islamisten entführen am liebsten Entwicklungshelfer, Journalisten oder Geschäftsleute aus dem Westen - denn die bringen das meiste Geld. Nach monatelanger Geiselhaft kamen in diesem Jahr eine Gruppe Franzosen und eine aus Spanien frei. Französischen und spanischen Medienberichten zufolge flossen jedes Mal mehrere Millionen Euro.

  • Steuern: In den Gebieten, die Isis kontrolliert, müssen Christen Sonderabgaben berappen. Die Miliz führt in den besetzten Gebieten eine "Dschihad-Steuer" für Unternehmer ein, eine Art Solidaritätszuschlag für die kämpfende Truppe. Allerorten lässt Isis Checkpoints errichten, die nur gegen hohe Sonderzölle zu passieren sind. Zudem kontrollieren die Islamisten mehrere Grenzübergänge.

  • Spenden: Privatleute aus dem arabischen Raum, die sich dem Dschihad zugetan fühlen, unterstützen die Radikalen mit Spenden, viele geben fünfstellige Euro-Beträge.

  • Lebensmittel: In Syrien ist Isis im Getreide- und Brothandel aktiv - Waren, die in Kriegszeiten hohe Preise erzielen.

Radikale zahlen ihren Kämpfern ein verlockendes Gehalt

Ihr Vermögen setzen die Islamisten vor allem ein, um neue Kämpfer und lokale Verbündete zu werben: Isis-Krieger bekommen kostenlose Unterkunft und ein monatliches Gehalt von angeblich bis zu 500 Dollar im Monat. Für junge Männer in den zerschundenen Ländern der Region ist das ein verlockendes Angebot.

Einflussgebiete von Isis im Irak und in Syrien Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Einflussgebiete von Isis im Irak und in Syrien

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Komisch....
fatherted98 16.06.2014
....wahrscheinlich kennt die NSA zwischenzeitlich den Kontostand aller Deutschen Bundesbürger....aber die Knete von islamistischen Terroristen kann man nicht orten und einfrieren? Naja...die wirkliche Gefahr geht ja auch nicht von ein paar wild um sich schießendenen und mordenden Terroisten aus...die wirklich Gefahr droht vom mündigen Bürger...gut das es davon nicht mehr viele gibt.
2. Tja, wo sind denn die Milliarden?
wschomb 16.06.2014
Wahrscheinlich auf den Konten bei irgendwelchen Bankstern auf den Cayman Islands oder so. Einfach die Konten einfrieren und ein Teil des Geldes waere weg. Die werden ja nicht die Millonen und Millarden in Koffern herumschleppen.
3. Und ....
Partieller Augentinnitus 16.06.2014
wer liefert denen die ganzen Waffen? Unterstützen westliche Unternehmen dort den Terrorismus? Oder etwa Putin?
4. Es ist einfach unerträglich
collaps 16.06.2014
das im Zusammenhang mit den verabscheuungswürdigsten Terroristen dieser Welt von "Gotteskriegern" geschwafelt wird. Diese Berichterstattung ist einfach nur noch Zumutung.
5. Man bedenke
apalanca 16.06.2014
Für den Durchschnittssyrer sind 250? much money. 500? zu kassieren erscheinen nicht schlecht, wenn's denen nur ums Geld gehen würde. Die Sunniten wurden dort trotz ihrer hohen Anzahl bekämpft und unterdrückt. Ob von der Hizbola im Libanon, Assads Schergen in Syrien oder dem Iran... Deren Ziel ist es in den Ländern einen Staat zu errichten in dem ihresgleichen leben kann, ohne verfolgt zu werden. Ein säkularer Staat kommt denen nicht in die Tüte... Mir scheint eine 2 oder 3 Staatenlösung im Irak durchaus sinnvoll.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: