Neue KP-Führung in China: Die singende First Lady

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Sie ist berühmter als ihr Ehemann Xi Jinping, der auf dem Parteitag zum neuen Chef der KP ernannt wird: China bekommt mit der Sängerin Peng Liyuan eine schillernde First Lady. Ihre Rolle als brave Gattin spielt die Sopranistin schon jetzt perfekt.

Peng Liyuan: Chinas neue First Lady Fotos
DPA

"Ich fand seine Kleidung altmodisch und einfach, und sein Gesicht sah älter aus als er war." So beschrieb die damals 24-jährige Sängerin Peng Liyuan die erste Begegnung mit ihrem späteren Ehemann. Das war 1986, und Xi Jinping diente als Vize-Bürgermeister der südlichen Hafenstadt Xiamen.

Er selbst hatte offenbar keine Ahnung, dass er einen Star vor sich hatte und zeigte sich als nicht gerade galanter Verehrer. "Er fragte mich, was für ein Talent man braucht, um zu singen", erinnerte sich Peng später. Dennoch war es Liebe auf den ersten Blick, ein Jahr darauf heirateten die Sopranistin und der Funktionär.

25 Jahre später dürfte Xi auf dem 18. Parteitag von Chinas KP zum neuen Parteichef, und damit zu einem der mächtigsten Männer der Welt bestimmt werden. Und China bekommt somit eine richtige First Lady - eine, die sogar populärer ist als ihr Mann, der bislang, wie alle Spitzenkader, mehr im Verborgenen wirkte. Auf die Frage: "Wer ist Xi Jinping?" wissen viele Chinesen nur eine Antwort: "Der Mann von Peng Liyuan."

Pengs Karriere ist ebenso erstaunlich wie die ihres Gatten. Über ihr Elternhaus ist wenig bekannt. Nur soviel: Ihre Eltern zögerten, als sie den aufstrebenden KP-Funktionär anschleppte, weil sie die Genossen alle für korrupt hielten. In der ostchinesischen Provinz Shandong geboren, wurde sie mit 18 Jahren Soldatin. Damals war dies keine ungewöhnliche Entscheidung für eine junge Frau, denn die Volksbefreiungsarmee galt als sicherer und begehrter Arbeitsplatz, fernab von politischen Wirren, die unter Mao Zedong jahrzehntelang das Land erschüttert hatten.

Ihr Lied "Auf den Ebenen der Hoffnung" begeisterte China

Ihre Vorgesetzten entdeckten bald, dass sie gut singen konnte und kommandierten sie zur Kulturtruppe ab, die durch das Land reiste, um die Moral der Soldaten und Bauern zu stärken. Ihren Durchbruch erlebte Peng 1982 auf der Frühlingsfest-Gala des staatlichen Fernsehens, das TV-Ereignis des Jahres, weil fast das ganze Volk vor dem Bildschirm sitzt. "Auf den Ebenen der Hoffnung" hieß das Lied, mit dem sie China begeisterte.

Mit Volksliedern und patriotischen Gesängen wie "Mein Vaterland", "Die Menschen meines Dorfes" oder "Berg Chomolungma" schmachtete sie sich später in die Herzen der Funktionäre und Generäle - mal in tibetischer Tracht, mal in Uniform mit Ordensband, die Frisur streng onduliert, mal in brauner Kaderkluft, das Haar neckisch zu zwei Zöpfen geflochten.

Oft begleiten sie Kinder- oder Armeechöre, hinter ihr wedeln Tänzerinnen mit den Armen, das Gesicht in revolutionärer Glückseligkeit verzückt, und sie schmettert mit sehr hoher Stimme etwa: "Auf der Straße, sonnenbeschienen, in der Luft aufflatternde Fahnen. Entwicklung auf wissenschaftlicher Grundlage und Harmonie - sie sind es, die China zu helleren Ufern führen."

Zwölfmal ist Peng inzwischen auf der Frühlingsfest-Gala aufgetreten, was einem Ritterschlag für konservative und linientreue Künstler gleichkommt; einmal gewann sie sogar einen Künstlerpreis im Wert von einer Million Yuan (derzeit umgerechnet rund 123.000 Euro). Nach wie vor dient sie im Militärmusikkorps der Armee im Rang eines Generalmajors. Seitdem ihr Mann Vizepräsident ist, tritt sie allerdings weniger häufig auf. Dafür engagiert sie sich als "Botschafterin des Guten Willens" der Weltgesundheitsorganisation WHO für Tuberkulosekranke und HIV-Infizierte und rät zum Gebrauch von Kondomen.

Der Star spielt die Rolle vom Heimchen am Herd

Ihren Mann, den künftigen Ober-Mandarin, findet sie schlicht "exzellent", der Star selbst spielt stets die Rolle vom Heimchen am Herd. Tatsächlich versagte sie sich für ihren Mann eine Gesangskarriere außerhalb von Armee und KP-Kulturszene. Nie ließ sie sich für Werbefilme engagieren - und verzichtete damit auf viel Geld.

Die "Familie", betont sie in Interviews, sei ihr das Wichtigste auf der Welt. Sie sei der "friedliche Hafen für eine Frau und ein Fels in der Brandung". Gleichwohl schwirren Gerüchte durch China, dass die beiden längere Zeit getrennt voneinander lebten. Die gemeinsame Tochter, Mingze, studiert derzeit unter falschem Namen an der Harvard Universität.

Für die KP und ihren Mann ist Peng womöglich ein politischer Glücksfall. Mit ihrem Charme könnte sie die Untertanen für den farblosen Apparatschik einnehmen und den beschädigten Ruf der Partei aufbessern. Und in der Welt könnte sie ein sympathisches China-Bild verbreiten - die Armee-Muse als Teil von Chinas Soft-Power.

Schon werden Erinnerungen an eine andere First Lady wach: Song Meiling, die als Ehefrau des Mao-Gegners Chiang Kai-shek Ende der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Schönheit und Intelligenz die Herzen der Amerikaner eroberte und sogar vor dem US-Kongress sprechen durfte.

Später hatten die Chinesen nicht mehr so viel Glück mit den Ehefrauen ihrer Staats- und Parteichefs. Jiang Qing, vierte Frau Maos und Schauspielerin, war leidenschaftliche Kulturrevolutionärin, schwang eifrig das Mao-Büchlein, hielt geifernde Reden und hatte schließlich viele Menschen auf ihrem Gewissen. Als führendes Mitglied der "Viererbande" verurteilte Maos Nachfolger sie 1981 zum Tode - auf Bewährung.

Ihre Nachfolgerinnen blieben stets im Schatten ihrer Ehemänner. Liu Yongqing, Frau von Hu Jintao, wirkt so steif und unbeholfen wie ihr Mann. 2003, als Bundespräsident Johannes Rau Peking besuchte, erlebte Christina Rau sie bei einem Staatsempfang in der Großen Halle des Volkes als eine uninteressierte Tischnachbarin. Auch Wang Yeping, Frau von Hus Vorgänger Jiang Zemin, war selten in der Öffentlichkeit zu sehen, und wenn doch, dann schwieg sie.

Und nun? Wird die Sopranistin Peng Liyuan womöglich eine zweite Carla Bruni? Kann sie gar Michelle Obama die Schau stehlen?

Eines steht fest: Es wird nicht ihre Entscheidung sein. Über ihre Rolle entscheidet das künftige Politbüro. Und das besteht überwiegend aus Männern.

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Anneliese Rothenberger aus China?
ZiehblankButzemann 08.11.2012
Wird Sie das neue Supertalent? Verliebt sich Thomas Gottschalk, in diese angehende chinesische Montserrat Cabalet und brennt mit Ihr bis nach Feuerland durch. Man weiß es nicht. Aber Singen ist ja schließlich ein schönes Berufshobby für eine Politikergattin, wenn die Schuhsammlung schon aus allen Palastnähten platzt. Dann trällern Sie mal fröhlich, Frau First Lady, solange der akustische Sicherheitsabstand gewahrt wird.
2. Ihre Rolle als First Lady
Nonvaio01 08.11.2012
Zitat von sysopSie ist berühmter als ihr Ehemann Xi Jinping, der auf dem Parteitag zum neuen Chef der KP ernannt wird: China bekommt mit der Sängerin Peng Liyuan eine schillernde First Lady. Ihre Rolle als brave Gattin spielt die Sopranistin schon jetzt perfekt. Die Sängerin Peng Liyuan wird die neue First Lady Chinas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-saengerin-peng-liyuan-wird-die-neue-first-lady-chinas-a-865321.html)
also was soll der abwertende Ton? Die First Lady's der USA haben auch alle eine Rolle zu spielen, was denken Sie wieviele Berater und Stylisten die haben, protocolle...etc. Das ist doch bei jeder First lady so, die haben alle eine Rolle zu spielen.
3. nee
dadanchali 08.11.2012
Zitat von sysopSie ist berühmter als ihr Ehemann Xi Jinping, der auf dem Parteitag zum neuen Chef der KP ernannt wird: China bekommt mit der Sängerin Peng Liyuan eine schillernde First Lady. Ihre Rolle als brave Gattin spielt die Sopranistin schon jetzt perfekt. Die Sängerin Peng Liyuan wird die neue First Lady Chinas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-saengerin-peng-liyuan-wird-die-neue-first-lady-chinas-a-865321.html)
Wenn China demnächst alle Soldaten mit Schuhen, entsprechend denen auf Bild 8 ausstattet wird der Ferne Osten sehr friedlich werden.
4. Kommt aber nicht an Top-Designerin Doris Schröder heran,
stranzjoseffrauss 08.11.2012
die mit ihren Adventskalendern für Hunde noch für Generationen in Erinnerung bleiben wird!
5. Heiliger Bimbam !
henniman 08.11.2012
Jetzt kommen die Chinesen auch noch mit Glamour! Im Westen macht man sich schon Sorgen, ob man gegenüber der Diva und ihrem Gatten dann noch mit dem bräsigen Menschenrechtsgeschwafel anreden kann. Dagegen ist Frau Obama ja ein Heimchen, oder kann die singen ?
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