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Krieg gegen die Islamisten: "Ein Haufen brutaler Bastarde"

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Präsident Assad: Hunderttausende Menschenleben auf dem Gewissen Zur Großansicht
AFP/ SANA

Präsident Assad: Hunderttausende Menschenleben auf dem Gewissen

Wird Syriens Baschar al-Assad vom Paria zum Partner? Die USA könnten im Kampf gegen die IS-Terrormiliz auf den Massenmörder in Damaskus setzen. Präsident Obama sträubt sich.

Ryan Crocker, 65, und Robert Ford, 55, kennen und schätzen sich, sie haben viel gemeinsam. Beide gelten als Nahost-Spezialisten im amerikanischen Diplomatenkorps, beide waren US-Botschafter in Syrien, Crocker von 1998 bis 2001, Ford von 2010 bis 2014, auch wenn er das Land schon vorher verlassen musste.

Doch in einer Frage sind sie uneins: Mit wem sollen die USA gegen den Islamischen Staat (IS) zusammenarbeiten? Die radikale Miliz kontrolliert bereits ein Drittel des zerfallenden Landes.

"Wir müssen die syrische Opposition mit Waffen unterstützen. Sie kämpfen gegen Baschar al-Assad und gegen die Dschihadisten", sagt Robert Ford.

"Das syrische Regime ist zweifellos ein Haufen brutaler Bastarde, aber IS ist für uns die größere Bedrohung", sagt Ryan Crocker. Im Kampf gegen die Radikalen müssten die USA - zähneknirschend - auf Assad setzen.

Die USA bekämpfen IS bisher nur im Irak

Bisher gehen die USA gegen die Radikalen nur im Irak vor. Dort attackieren sie IS-Stellungen aus der Luft, unterstützen Kurden-Kämpfer und die irakische Armee.

Doch IS hat sich auch im Osten Syriens festgesetzt. Waffen und Personal werden je nach Lage hin und her verlegt. "Wir müssen IS auf beiden Seiten der inzwischen nicht mehr existierenden Grenze angehen", sagte Martin Dempsey, Generalstabschef der US-Streitkräfte, am Donnerstag.

Könnte jetzt plötzlich Baschar al-Assad Bündnispartner des Westens werden, der Mann, der Hunderttausende Menschenleben auf dem Gewissen hat?

Assad fördert die Radikalen

US-Präsident Barack Obama lehnt diese Option bisher entschieden ab. Man werde unter keinen Umständen mit Assad zusammenarbeiten, versicherten seine Sicherheitsberater Ben Rhodes und Jake Sullivan. "Assad ist Teil des Problems", sagte Rhodes am Donnerstag.

In einem Punkt allerdings sind sich die beiden Ex-Botschafter Robert Ford und Ryan Crocker einig: Syrische IS-Kämpfer sind so brutal, weil Assad einst viele von ihnen als Oppositionelle einsperren ließ. Sie radikalisierten sich in den Kerkern unter der Folter.

Seit 2011 allerdings ließ das Regime in Damaskus Dschihadisten aus den Gefängnissen frei. Es hat sogar Ölhandelsverträge mit IS abgeschlossen. Assad lässt die IS-Kämpfer gegen die gemäßigte Opposition von der Kette.

"Die Alternative ist ein Qaida-Staat"

Schon früher hatte Assad Islamisten für seine zynischen Machtspielchen eingespannt: Als die USA 2003 im Irak einmarschierten, schickte er ihnen Dschihadisten entgegen. Er gewährte den Radikalen Unterschlupf - um dann Washington seine Hilfe anzubieten im Kampf gegen die Terroristen. Der damalige US-Präsident George W. Bush nahm Assads Offerte an. Im Gegenzug betrieb er Pläne zum Sturz des syrischen Regimes nicht weiter.

"Die Alternative zu Assad ist ein Qaida-Staat", glaubt der Ex-Botschafter Ryan Crocker. "Das syrische Regime ist bereit für den Kampf gegen die Dschihadisten." Man müsse es nur unterstützen: "Assad wird Meter für Meter blutig zurückerobern."

Dagegen warnt sein Kollege Robert Ford: "Wir werden keine nachhaltige Lösung für das Dschihadisten-Problem in Syrien finden, solange Assad an der Macht ist." Die Brutalität des Herrschers werde immer wieder neue Radikale hervorbringen.

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1. Nichts Neues
Linebacker1962 22.08.2014
Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Nichts Neues.
2. Nein!
nils0800 22.08.2014
Man sollte im Kampf gegen Terroristen Nicht auf andere Terroristen setzten
3. Imageproblem?
nord1icht 22.08.2014
Schön, dass das mal erörtert wird. Nicht immer waren die USA und andere Großmächte so zimperlich in der Wahl ihrer Verbündeten (He is a son of a bitch – but OUR son of a bitch). Allerdings wäre ein Unschwenken jetzt der Öffentlichkeit schwer zu vermittel und darin hat IS Recht: Kriege werden heute zu über 50% in den Medien gewonnen.
4. Als haetten die US of A ...
Worldwatch 22.08.2014
... Beruehrungsaengste beim Paktieren mit Unrechtsregimen. Wenn es im Interesse der US Administrationen zu liegen scheint .... "It's the economy (and oil), stupid!"
5.
muellerthomas 22.08.2014
Zitat von Worldwatch... Beruehrungsaengste beim Paktieren mit Unrechtsregimen. Wenn es im Interesse der US Administrationen zu liegen scheint .... "It's the economy (and oil), stupid!"
Genau diesen Grundsatz hat Obama ja aufgegeben, genau daher kam es doch zum "arabischen Frühling" in diversen Ländern. Das Ergebnis davon ist, dass man nun für das so entstandene Chaos ebenfalls die USA verantwortlich macht.
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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.


Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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