Wirtschaftskrise und Korruption Protestwelle gegen Brasiliens Präsidentin Rousseff

Mehr als die Hälfte der Brasilianer fordern laut einer Umfrage den Rücktritt ihrer Präsidentin. Die Demonstrationen gegen Dilma Rousseff wachsen sich zur Protestbewegung aus.

Demonstration in der brasilianischen Hauptstadt Brasília: "Fora Dilma" - "Dilma raus"
AP/dpa

Demonstration in der brasilianischen Hauptstadt Brasília: "Fora Dilma" - "Dilma raus"


Zehntausende Brasilianer haben erneut gegen ihre Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Die Bürger versammelten sich in zahlreichen Städten zu den größten Protestkundgebungen seit April. Die Medien des Landes sprechen inzwischen von einer "Anti-Dilma-Bewegung".

Die Märsche setzten sich unter anderem in der Hauptstadt Brasília, im südöstlichen Belo Horizonte, im nordöstlichen Recife und in Belem im Norden in Bewegung.

In Rio de Janeiro forderten sie auf Plakaten, dass Rousseff und Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ins Gefängnis sollen. "Raus mit Dilma und der Arbeiterpartei", stand auf anderen Transparenten, oder: "Nein zur Korruption!" Die Menschen sangen die Nationalhymne, schwenkten Brasilien-Flaggen, ein Demonstrant forderte lautstark ein Eingreifen des Militärs, um Rousseff aus dem Amt zu jagen, während sich direkt daneben fast genauso viele Menschen am Strand der Copacabana sonnten.

Rio de Janeiro am 16. August: Protestmarsch entlang der Copacabana
Getty Images

Rio de Janeiro am 16. August: Protestmarsch entlang der Copacabana

Laut Umfragen sprechen sich 66 Prozent der Brasilianer für eine Ablösung der Präsidentin aus, obwohl Rousseff bis 2018 gewählt ist. Zuletzt waren nach Polizeiangaben im April landesweit knapp 700.000 Menschen auf die Straßen gegangen, im März waren es 1,7 Millionen Menschen.

Die Proteste richten sich gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten und vor allem auch gegen den milliardenschweren Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras, in dessen Mittelpunkt Dutzende Politiker der regierenden Arbeiterpartei stehen - aber auch andere Parteien. Bei überhöhten Abschlüssen für Bauaufträge sollen diverse Politiker Provisionen kassiert haben.

Gesunkene Rohstoffpreise schwächen zudem die Wirtschaftsleistung, der Konsum ist stark eingebrochen, die Inflation kletterte auf fast zehn Prozent binnen eines Jahres. Die Bürger in dem 200-Millionen-Einwohner-Land leiden unter steigenden Preisen.

Rousseff war im vergangenen Oktober mit einer knappen Mehrheit von 51,6 Prozent wiedergewählt worden. Derzeit liegt ihre Zustimmungsrate nur noch bei acht Prozent.

bos/AFP/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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HeisseLuft 16.08.2015
1. He...
diesen Artikel über die aktuellen Probleme in Brasilien. Und darunter eine Video-Empfehlung zum Thema Blatter... Ist da nun der Fussball die Verbindung oder die Hauptbeschäftigung Blatters?? ;-)
eckawol 16.08.2015
2. Lulas Erbin
hat offensichtlich ihre Aufgabe nicht verstanden. Aber wer soll ihr folgen? Alle Parteien haben sich an den mönetären Segnungen von Petrobras u.a. erfreut.
sucher533 17.08.2015
3.
Allein, dass es hier auch schon steht. "Ein Demonstrant forderte lautstark ein Eingreifen des Militärs....". Von meinen Verwandten in Brasilien habe ich bereits gehört, dass sich das Militär in den letzten Monaten merkwürdig populär in Szene zu setzen versucht. Da werden Straßen vom Militär in kurzer Zeit und aus dem Militärbudget gebaut - das Militär zeigt sich gern als Hort der Korruptionsfreiheit. Allein schon deshalb braucht Brasilien schnell Neuwahlen, damit sich das Militär am Ende nicht doch noch einmischt. Mit einer Militärregierung hat Brasilien schlechte Erfahrungen.
lupenreinerdemokrat 17.08.2015
4. Da kann Merkel froh sein....
.... dass die Deutschen im Vergleich zum brasilianischen Temperament nur lahme Schafe sind ;-) Wenn man überlegt, für welche Lapalien die Brasilianer ihre Regierungstante weg haben wollen, müssten die Deutschen bereits seit Jahren in Berlin dauerdemonstrieren!
micromiller 17.08.2015
5. Es ist beruhigend,
dass die Menschen Brasiliens den Mut haben gegen ihre korrupte Regierung auf die Straße zu gehen. Hoffentlich wird Frau Rousseff von einem fähigeren Nachfolger ersetzt.
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