Israel Raketen schlagen bei Atomanlage von Dimona ein

Palästinenser haben Raketen in Richtung einer israelischen Atomanlage abgefeuert. Ein Geschoss wurde abgefangen, zwei schlugen auf offenem Feld ein.

Israelische Abwehrrakete: Geschosse schlagen bei Atomanlage ein
AFP

Israelische Abwehrrakete: Geschosse schlagen bei Atomanlage ein


Tel Aviv - Zwei aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen sind in der Nähe der israelischen Atomanlage Dimona eingeschlagen. Die israelische Armee teilte mit, "Palästinensische Terroristen" hätten insgesamt drei Geschosse auf die Stadt Dimona in der Negev-Wüste abgefeuert. Zwei Raketen seien in offenem Gebiet niedergegangen, eine weitere vom israelischen Abwehrsystem "Eiserne Kuppel" abgefangen worden. Es blieb unklar, wie nahe die Geschosse dem Meiler oder der Stadt kamen.

Der bewaffnete Arm der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, die Essedin-al-Kassam-Bridgaden, erklärte, man habe drei Raketen vom Typ M75 auf Dimona abgefeuert. Es handelt sich dabei um Geschosse, die im Gazastreifen selbst hergestellt werden und eine Reichweite von rund 80 Kilometern haben.

Israel hat zwei Atomreaktoren. Einer steht in Dimona in der Negev-Wüste, der andere in einer Forschungseinrichtung in Nahal Sorek, westlich von Jerusalem. Das Land verfügt Expertenschätzungen zufolge über etwa 200 Atomsprengköpfe. Die israelische Regierung lehnt eine offizielle Stellungnahme zu der Frage ab. Israelische Wissenschaftler und Politiker fordern seit langem die Schließung der rund 50 Jahre alten Anlage in Dimona, weil sie durch ihr Alter ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen könnte.

Merkel verurteilt Angriffe aus dem Gazastreifen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der jüngsten Eskalation mit ihrem israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu telefoniert. In dem Gespräch habe die Kanzlerin "den Raketenbeschuss auf Israel aufs Schärfste verurteilt", hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Merkel habe Netanjahu gesagt, es gebe "keinerlei Rechtfertigung" für den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen.

Netanjahu hatte zuvor angekündigt, die Angriffe auf den Gazastreifen ausweiten zu wollen. Der UN-Sicherheitsrat kommt am Donnerstag zu Beratungen über die Gazakrise zusammen.

Militante Palästinenser feuerten seit Dienstag rund 160 Raketen auf israelisches Gebiet ab. Am Dienstagabend waren mindestens zwei Raketen im Großraum Jerusalem eingeschlagen. Am Mittwochmorgen fing das israelische Militär mindestens fünf Raketen mit dem Ziel Tel Aviv ab. Südlich des noch weiter nördlich gelegenen Haifa gingen Raketenteile im Meer nieder. Berichte über Verletzte gab es bislang nicht.

Israel griff in der gleichen Zeitspanne mehr als 550 Ziele im Gazastreifen aus der Luft an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben bis zum Mittwochabend mindestens 51 Palästinenser getötet, darunter viele Frauen und Kinder.

USA äußern Verständnis für Israel

Die USA stehen hinter Israel, fordern aber zugleich Israelis und Palästinenser zur Mäßigung auf. "Es ist ein großer Unterschied zwischen Raketenangriffen einer Terrororganisation in Gaza und dem Recht Israels, sich zu verteidigen", sagte eine Sprecherin des Außenamts.

Man könne von keinem Land erwarten, dass es tatenlos zuschaut, wenn es von Raketen beschossen wird. Doch angesichts der Eskalation der Gewalt sei es jetzt wichtig, dass Israelis und Palästinenser Schritte unternehmen, um die Lage zu entschärfen.

isa/AFP/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
erwin dunn 09.07.2014
1.
tja, ,unabhängig von der Frage, wer wieviel Schuld an dem neverending conflinct hat, ein Treffer wäre für beide Seiten fatal.
interessierter_mitbürger 09.07.2014
2. Wichtig wäre die Frage...
Zitat von sysopAP/dpaPalästinenser haben Raketen in Richtung einer israelischen Atomanlage abgefeuert. Eine Geschoss wurde abgefangen, zwei schlugen auf offenem Feld ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/dimona-raketen-schlagen-bei-israels-atomreaktor-ein-a-980214.html
...ob die israelische Luftabwehr die beiden bewusst ignoriert hat (jede Abfangrakete ist teuer) oder aus welchen Gründen auch immer in dem Moment nicht einwandfrei funktionierte (Überlastung durch zuviele anfliegende Geschosse, technische Probleme, menschliches Versagen,...).
ks82 10.07.2014
3. Gewalt erzeugt Gegenfrieden
Es sollte doch hinlänglich erkennbar sein, dass der "Gewalt erzeugt Gegenfrieden" Ansatz nicht funktioniert. Umso mehr bin ich verwundert, dass es die Politik dort einfach immer noch nicht verstanden hat. Was nötig wäre, wäre wenn man auf beiden Seiten das verhängnisvolle Denken erkennt, dass immer wieder zu solchen Gewaltspiralen führen wird. Wenn nur eine Seite mal anfangen würde. Mit Rache und Vergeltung entsteht nur noch mehr eigener Schaden: Hätte man die Rache sein lassen, wären es 3 tote Jugendliche gewesen. Nun sind es 3 tote Jugendliche plus jeglicher weitere Schaden und alle folgenden Toten durch die ausgebrochene Gewalt. Ich vermute, dass die palestinensische Seite politisch instabil ist, sodass einzelne Irre immer wieder zur Gewalt greifen werden. Natanjahu aber hat die Wahl ob er den Radikalen in seinem Land nach gibt und dann immer wieder Benzin in diese Glut gießt.
markus2014 10.07.2014
4. merkel
frau Merkel warum verurteilen sie nicht den Angriff auf den Gazastreifen ?
denkzone8 10.07.2014
5. anteil-nahme an kriegs-politik
kriege haben die tendenz sich zu absolutieren (clausewitz),wenn die politik nicht bereit ist,mit dem gegner einen modus vivendi zu finden. wer kriegsgegner nicht für verhandlungsfähig erklärt, auf deren überwindung setzt,nimmt kriegs-schäden inkauf. wenn die bundesregierung um ihrer ruhe willen die israelischen eskalationen deckt, trägt sie mit- schuld am nicht-frieden in der region
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