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Diplomatenschutz: Deutschland schickt Spezialeinheit GSG 9 nach Libyen

Die Rebellen in Libyen rufen das Finale im Kampf gegen Diktator Gaddafi aus. Angesichts der angespannten Sicherheitslage bemüht sich die deutsche Regierung um den Schutz ihrer Diplomaten. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Spezialeinheit GSG 9 in das Kriegsland entsandt.

Krieg in Libyen: Rebellen rufen den finalen Kampf aus Fotos
DPA

Hamburg - Für Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi könnte die Zeit der Herrschaft über das Land bald abgelaufen sein. Die Rebellen sind nach Tripolis vorgerückt und wollen in der Hauptstadt mit Hilfe der Nato den finalen Kampf gegen den Machthaber führen. Die Lage in dem Land ist unübersichtlich, ausländische Regierungen wollen aber mit Abgesandten präsent sein.

Nach SPIEGEL-Informationen wurden zum Schutz deutscher Diplomaten Elitepolizisten des Bundes entsandt. Die GSG 9, Spezialeinheit der Bundespolizei, ist bereits in Libyen im Einsatz. Die Beamten haben die Sicherheitsberatung des deutschen Verbindungsbüros in der Rebellenhochburg Bengasi übernommen, das Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) im Mai einrichten ließ.

Im Jahr 2005 war eine private deutsche Sicherheitsfirma mit ehemaligen GSG-9-Angehörigen in Libyen tätig. Sie bildete damals kurzzeitig libysche Sicherheitskräfte im Anti-Terror-Kampf aus. Der Bundesnachrichtendienst war über den Einsatz informiert.

Derzeit sorgt die Beteiligung von Bundeswehrsoldaten im Libyen-Krieg für Streit zwischen Regierung und Opposition. Elf deutsche Soldaten arbeiten im Nato-Gefechtsstab, obwohl die Bundesregierung einen Kampfeinsatz klar ablehnt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigte das Engagement als normales Vorgehen im Bündnis. Er lehnt ein Parlamentsmandat dafür ab. Die Grünen schlossen aber den Gang vor das Verfassungsgericht nicht aus.

"Die Stunde null hat begonnen"

Seit sechs Monaten kämpfen Aufständische in Libyen mit Hilfe der Nato gegen Machthaber Gaddafi. Nun scheint die entscheidende Phase angebrochen. Denn die Rebellen sind nach eigenen Angaben erstmals in die Hauptstadt Tripolis vorgedrungen. In der Nacht zum Sonntag gab es Bewohnern zufolge in mehreren Stadtteilen stundenlange Kämpfe zwischen den Aufständischen und Truppen von Gaddafi. Auch nach Tagesanbruch waren Schüsse zu hören, wie Reporter aus dem Stadtzentrum berichteten.

Ein Aufständischer sagte in einem Telefonat mit einem Journalisten der Agentur Reuters, Scharfschützen hätten auf den Dächern der Gebäude um Gaddafis Militärkomplex Stellung bezogen. Viele Bewohner seien verletzt worden. Während er sprach, waren im Hintergrund Schüsse im Sekundentakt zu hören.

"Die Stunde null hat begonnen. Die Rebellen in Tripolis haben sich erhoben", sagte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrats, Abdel Hafis Ghoga. Auch Großbritannien sieht den Konflikt an einem entscheidenden Wendepunkt. "Wir befinden uns an einem außerordentlich entscheidenden Punkt im Streben nach Freiheit für das libysche Volk", sagte der britische Außenstaatssekretär Alistair Burt dem Fernsehsender Sky News.

Die Nato wollte nicht bestätigen, dass die Rebellen bis Tripolis vorgestoßen sind. Nato-Sprecher Oberst Roland Lavoie sagte am Sonntag in Brüssel, die Lage verändere sich allerdings ständig. Es sei schwer den Frontverlauf genau zu bestimmen. Die Nachrichtenagentur dapd berichtete unter Berufung auf Aufständische, die Front des Bürgerkriegs befinde sich weniger als 30 Kilometer von Tripolis entfernt.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge hat Gaddafi die Hauptstadt bereits verlassen und will mit seiner Familie möglicherweise nach Algerien flüchten. Die Agentur beruft sich dabei auf gut informierte Kreise in Tripolis, von den Rebellen gab es aber zunächst keine Bestätigung für diese Nachricht.

Gaddafi verwirrt mit Durchhalteparolen

Noch am Morgen hatte Gaddafi in einer vom Staatsfernsehen gesendeten Tonbotschaft Durchhalteparolen an seine Anhänger ausgegeben. Die Angriffe seien abgewehrt und die Rebellenkämpfer eliminiert worden.

Laut der Agentur Reuters schienen sich die Kämpfe in Tripolis auf einzelne Stadtviertel zu begrenzen und zunächst nicht auf die ganze Stadt auszuweiten. Sie waren aber nach Angaben der Rebellen abgestimmt mit Aufständischen, die vom Westen und Süden aus versuchten, weiter auf die Hauptstadt vorzurücken. Unterstützt werden die Rebellen seit mehreren Monaten von der Nato. Diese habe auch in der Nacht zum Sonntag Luftangriffe geflogen, sagte ein Vertreter der Rebellen. Die kommenden Stunden seien entscheidend.

mmq/Reuters/dapd/dpa

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1. Letzter Akt
roterschwadron 21.08.2011
Zitat von sysopDie Rebellen in Libyen rufen das Finale im Kampf gegen Diktator Gaddafi aus. Angesichts der angespannten Sicherheitslage bemüht sich die deutsche Regierung um den Schutz ihrer Diplomaten. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Spezialeinheit*GSG 9 in das Kriegsland entsandt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781464,00.html
Werden wir dann in vier Wochen lesen, daß Herr Gaddafi in einem deutschen Krankenhaus "behandelt" wird? Und können wir uns dann den Zusammenhang zusammenreimen?
2. Aha Aha
flus 21.08.2011
Zitat von sysopDie Rebellen in Libyen rufen das Finale im Kampf gegen Diktator Gaddafi aus. Angesichts der angespannten Sicherheitslage bemüht sich die deutsche Regierung um den Schutz ihrer Diplomaten. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Spezialeinheit*GSG 9 in das Kriegsland entsandt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781464,00.html
Aha Aha .... was macht eigentlich das Aussenministerium unter Fuehrung seiner Excellenz des ehrenwerten Aussenministers .... warum hat man dieselben nicht schon laengst abgezogen .
3. Rechtliche Grundlage?
MaxiScharfenberg 21.08.2011
Zitat von sysopDie Rebellen in Libyen rufen das Finale im Kampf gegen Diktator Gaddafi aus. Angesichts der angespannten Sicherheitslage bemüht sich die deutsche Regierung um den Schutz ihrer Diplomaten. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Spezialeinheit*GSG 9 in das Kriegsland entsandt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781464,00.html
Darf ich noch ungestraft nach der rechtlichen Grundlage für solches Tun fragen oder kommen die Rebellen dann und zünden mir das Haus an, schmeissen mit Steinen und schiessen voller Freude mit ihren AK47 meinen Hund über den Haufen? Ich bin so vorsichtig zu fragen, weil ich nicht weiss, wer völkerrechtlich die rechtmässige Regierung in Libyen stellt. Maxi Scharfenberg
4. Die armen
Unglaeubiger789 21.08.2011
Diplomaten, eine solch schlechte Behandlung haben die aber auch nicht verdient.
5. Endlich gehts den Despoten an den Kragen!
heth30-06 21.08.2011
[QUOTE= Finale im Kampf gegen Diktator Gaddafi[/QUOTE] Sind Idi Amin, Pinochet und Honnecker noch bequem davongekommen sehen wir nun seit Ceausescu, Milosevic und Saddam die hochverdiente Wende: Mörder als Staatschefs bleiben Mörder. Knast oder Galgen für Gaddafi und seinen Operettenhofstaat sind jetzt angebracht!
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Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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Libyen: Städte, Ethnien, Ölleitungen
Was Staaten zum Militäreinsatz in Libyen beitragen
Frankreich
Frankreich verfügt über rund hundert Kampfflugzeuge, vorwiegend vom Typ "Rafale" und "Mirage 2000", sowie Awacs-Flugzeuge zur Luftraumüberwachung. Zunächst kamen 33 Kampfflugzeuge zum Einsatz. Paris schickte zudem den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" vom südfranzösischen Hafen Toulon aus in Richtung Libyen. Die Stützpunkte Solenzara auf Korsika und N'Djamena im Tschad können als Basis benutzt werden.
Großbritannien
Großbritannien hat Kampfflugzeuge vom Typ "Tornado" und "Eurofighter" in die Nähe von Libyen, auf den italienischen Stützpunkt Gioia del Colle, verlegt. Dort sind auch Awacs-Maschinen stationiert. Insgesamt sind derzeit 17 Maschinen im Einsatz. Zudem befinden sich die Fregatten "Westminster" und "Cumberland" im Mittelmeer.
USA
Die Vereinigten Staaten haben auf dem Stützpunkt Sigonella auf Sizilien F-15- und F-16 Kampfflugzeuge stationiert. Bisher waren 90 Maschinen an den Einsätzen beteiligt. Der Helikopterträger "Bataan" und zwei weitere Kriegsschiffe sollen am Mittwoch von den USA ins Mittelmeer aufbrechen, wo sie die Helikopterträger "Kearsarge" und "Ponce" ablösen sollen. Zudem befinden sich derzeit die Zerstörer "Barry" und "Stout" im westlichen Mittelmeer. Beide haben Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" an Bord, die am Wochenende eingesetzt werden und auch von U-Booten abgefeuert wurden.
VAE und Katar
Die Vereinigten Emirate (VAE) und Katar beteiligen sich ebenfalls an dem Einsatz. Die VAE entsenden zwölf Kampfflugzeuge zur Durchsetzung des Flugverbots über Libyen. Die jeweils sechs Flugzeuge der Typen F-16 und Mirage sollen sich an Patrouillenflügen zur Überwachung des von den Vereinten Nationen verhängten Flugverbots beteiligen. Katar nimmt mit vier Flugzeugen an dem Militäreinsatz teil.
Italien
Italien hat die Nutzung von sieben Luftwaffenstützpunkten angeboten. Die Luftwaffe hat mit 16 Maschinen in die Libyen-Mission eingegriffen, ein Kriegsschiff kam ebenfalls zum Einsatz.
Spanien
Spanien stellt vier F-18-Kampfjets, ein Flugzeug für die Luftbetankung, ein Marineüberwachungsflugzeug, eine Fregatte und ein U-Boot ab.
Kanada
Kanada hat die Beteiligung von sieben CF-18-Jagdbombern und vier weiteren Maschinen zugesagt, die in Italien stationiert werden. Zudem befindet sich die Fregatte "Charlottetown" in der Region.
Dänemark
Dänemark entsendet vier F-16-Jagdflugzeuge, zwei Reservekampfjets, ein Transportflugzeug auf einen Stützpunkt auf Sizilien.
Norwegen
Norwegen hat sechs F-16-Maschinen zur Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen bereitgestellt.
Belgien
Belgien hat die Beteiligung seiner sechs bei der Nato eingesetzten F-16-Jagdflugzeuge sowie den Einsatz eines Minenjagdboots angeboten.
Niederlande
Die Niederlande beteiligen sich mit sieben Kampfflugzeugen und einem Schiff an der Militäraktion.
Griechenland
Griechenland stellt Stützpunkte, zwei Flugzeuge und ein Kriegsschiff zur Verfügung.
Rumänien und Bulgarien
Aus Rumänien und Bulgarien wurde je ein Kriegsschiff in die Krisenregion verlegt.
Türkei
Die Regierung in Ankara trägt mit sieben Flugzeugen zu der Mission bei, darunter sechs F-16-Jets. Außerdem sind vier türkische Fregatten, ein U-Boot und ein Versorgungsschiff im Einsatz.


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