Diplomatenstreit: Türkei bestellt deutschen Botschafter ein

Deutscher Botschafter Pohl (2011): Ins Ministerium bestellt Zur Großansicht
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Deutscher Botschafter Pohl (2011): Ins Ministerium bestellt

Der diplomatische Disput zwischen Deutschland und der Türkei verschärft sich. Erst zitierte die deutsche Regierung den türkischen Botschafter ins Auswärtige Amt - nun reagiert Ankara. Der Abgesandte Eberhard Pohl musste im Ministerium vorsprechen.

Istanbul/Ankara - Der Streit zwischen Berlin und Ankara über das harte Vorgehen der türkischen Regierung gegen Demonstranten eskaliert. Das türkische Außenministerium bestellte am Freitag den deutschen Botschafter Eberhard Pohl ein, wie eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage bestätigte. Ankara reagierte damit auf die Einbestellung des türkischen Botschafters in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, ins Auswärtige Amt kurz zuvor.

Das seltene diplomatische Ritual wird als Instrument genutzt, um die Regierung eines anderen Landes massiv und demonstrativ zu kritisieren. Grund für die Verstimmungen waren deutschlandkritische Äußerungen der Regierung in Ankara.

Die Türkei wirft Deutschland vor, wegen der jüngsten Unruhen und des harten Vorgehens der türkischen Sicherheitskräfte die Eröffnung eines weiteren Kapitels der Beitrittsverhandlungen des Landes zur EU zu verzögern.

Scharfer Ton aus Ankara

Der türkische Europaminister Egemen Bagis hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag gewarnt, den Türkei-Beitritt aus wahltaktischen Gründen zu blockieren. "Sollte Frau Merkel innenpolitischen Stoff für ihre Wahl suchen, darf dieser Stoff nicht die Türkei werden", sagte Bagis nach türkischen Medienberichten. Er ergänzte: "Wenn Frau Merkel sich die Angelegenheit anschauen wird, wird sie sehen, dass diejenigen, die sich in die Angelegenheiten der Türkei einmischen, kein vielverheißendes Ende nehmen."

Die Gespräche sind seit drei Jahren blockiert, das neue Kapitel sollte eigentlich in der kommenden Woche eröffnet werden. Deutschland hatte zuletzt jedoch kurzfristig noch Informationsbedarf geäußert. Ursache seien technische Gründe, erklärte das Auswärtige Amt am Freitag in Berlin.

Ob Gespräche nun noch im Juni unter irischer EU-Ratspräsidentschaft erfolgen können, ist unklar. Am Montag sollen die Beratungen darüber in Brüssel weitergehen.

jok/dpa

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insgesamt 226 Beiträge
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1. das kenn ich
pefete 21.06.2013
klaust du mir mein förmchen, klaue ich dir dein förmchen. kindergarten halt...
2. wäre ja mal
77b1hts 21.06.2013
nett wenn unsere Politiker auch nur einmal Rückgrat zeigen würden und alle Beitritsverhandlungen mit der Türkei ad acta legen würde. Die Bewohner der EU wollen so oder so nicht das die Türkei Mitglied der EU wird.
3. Bagis mit der Honigstimme
johann_krautmann 21.06.2013
Ich bin erstaunt: Noch nicht in der EU, schon werden erste Drohungen ausgesprochen. Und das nicht von einer Boulevard-Zeitung, sondern von dem zuständigen Europaminister Bagis.
4. Kein Gesunder will die Türkei in die EU ziehen !
iffel1 21.06.2013
Die Türkei ist nicht Bestandteil von Europa und nimmand in Europa braucht die Türkei trotzdem in der EU, alleine schon wegen der völlig anderen, religiös fanatischen Geisteshaltung. Die Türkei würde in jeder Abstimmung zuerst auf ihre religiösen Vorlieben schauen und erst dann nach dem wirtschaftlichen Sinn entscheiden. Die Streitereien mit der türkischen Bevölkerung zeigen doch eindeutig, wie es dann im EU-Parlament zugeht - Wasserwerfer und Tränengas im übertragenen Sinne und das will keiner in der EU. Mal ganz abgesehen davon, dass die EU nicht noch mehr Nettoempfänger braucht, ersteinmal sollten die eigenen kranken Pleitemitglieder gesunden.
5. Die EU Bankrot
karadagli61 21.06.2013
viele europäische Länder haben große Wirtschaftsprobleme, was soll die EU in die Türkei geben? EU ist ausgepumpt
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