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Diplomatie: Ban Ki Moon zum neuen Uno-Generalsekretär ernannt

Ist es der beste oder der unmöglichste Job der Welt? Ban Ki Moon wird sich bald ein Urteil erlauben können. Der Südkoreaner ist von der Uno-Vollversammlung offiziell zum neuen Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt worden. Er tritt die Nachfolge von Kofi Annan an.

New York - Die Entscheidung war keine Überraschung mehr: Am Montag hatte sich der Uno-Sicherheitsrat einstimmig für den südkoreanischen Außenminister als Annan-Nachfolger ausgesprochen, und heute folgte die Uno-Vollversammlung der Empfehlung erwartungsgemäß. Die Mitglieder stimmten per Akklamation einer entsprechenden Resolution zu.

Neuer Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: "wie eine eiserne Hand im Samthandschuh"
AFP

Neuer Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: "wie eine eiserne Hand im Samthandschuh"

Der 62-jährige Ban Ki Moon wird nun zum 1. Januar 2007 die Position als Chefdiplomat antreten. Er tritt die Nachfolge des 68-jährigen Ghanaers Annan an, der Ende Dezember nach zwei Amtszeiten von je fünf Jahren aus dem Amt scheidet und nicht mehr kandidieren durfte. Einer ungeschriebenen Regel zufolge war in diesem Wahlturnus Asien bei der Besetzung des Uno-Generalsekretärs an der Reihe. Ban ist nun der erste Asiate in diesem Amt seit 35 Jahren. Zwischen 1961 und 1971 hatte der Birmane U Thant an der Spitze der Weltorganisation gestanden.

Für die einen gilt Ban als Mann mit ausreichend Erfahrung, um der Rolle als Uno-Chefdiplomat gerecht zu werden. Kritiker dagegen hatten bemängelt, Ban fehle der nötige Biss für das Amt des Generalsekretärs, und er werde eine schwache Führungsfigur abgeben. Der Südkoreaner hielt dagegen: Er möge zwar nicht wie eine starke Persönlichkeit aussehen, aber er habe "innere Stärke", konterte der 62-Jährige. Seine Mitarbeiter betonen, er sei "wie eine eiserne Hand im Samthandschuh".

Ban ist seit fast 40 Jahren im diplomatischen Dienst. Seit 2004 ist er südkoreanischer Außenminister und arbeitete für zwei Präsidenten als Sicherheitsberater. Er hat in Harvard studiert und spricht seinem Ministerium zufolge neben Englisch auch Deutsch, Französisch und Japanisch. Zu den Stationen seiner Karriere gehörten Posten in Neu Delhi, Washington, am Uno-Sitz in New York und in Wien.

Ban: "entschlossene und einheitliche Botschaft an Nordkorea"

Er sehe sich in erster Linie als Diplomat im Weltgeschehen und wolle die Tagesgeschäfte der Uno großenteils seinem Stellvertreter übertragen, hatte der 62-Jährige angekündigt. Wie sein Vorgänger Annan will er sich für eine Reform der Vereinten Nationen einsetzen. Eine seiner ersten Reisen werde ihn aber nach Nordkorea führen. Wenige Stunden nach seiner Wahl sprach sich Ban für eine entschlossene Reaktion auf den mutmaßlichen Atomwaffentest Nordkoreas aus. "Ich hoffe, dass der Uno-Sicherheitsrat eine klare und entschlossene Resolution verabschiedet", sagte er in New York. Der Atomtest sei ein "derber Hinweis" darauf, welche Herausfordungen der internationalen Gemeinschaft bevorstünden. Die Weltgemeinschaft müsse an Nordkorea eine " entschlossene und einheitliche Botschaft" senden, zugleich aber " Raum für den Dialog" lassen.

Die Ernennung des Südkoreaners fällt zeitlich mit der Krise um den von Nordkorea bekannt gegebenen Atomwaffentest zusammen. Eine Lösung dieses Problems gilt als eine der ersten und wichtigsten Herausforderungen für den neuen Chefdiplomaten, der in den Jahren als Außenminister seines Landes bereits intensiv mit dem schwierigen Verhältnis zu Nordkorea zu tun hatte. Er beteiligte sich unter anderem an den Sechs-Länder-Gesprächen, die Nordkorea zu einem Verzicht auf sein Atomprogramm bewegen sollten.

Die Kür Bans galt schon im Vorfeld als sicher. Er hatte die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat hinter sich und war in den vergangenen Wochen unter anderem an Kandidaten aus Indien und Jordanien vorbei gezogen. Nach dem Rückzug seiner insgesamt sechs Mitbewerber war er der einzige Kandidat.

"Mann mit wahrhaft globalem Geist"

Annan riet seinem Nachfolger, von den "beispiellosen Möglichkeiten" der Uno Gebrauch zu machen. Als "Mann mit einem wahrhaft globalen Geist" sei Ban genau der Richtige, "um die weltweit einzige universelle Organisation zu führen". Annan erinnerte an die Worte, die der erste Uno-Generalsekretär Trygve Lie seinem Nachfolger Dag Hammarskjöld mit auf den Weg gegeben hat: "Sie übernehmen die unmöglichste Arbeit der Welt." Er selbst sei der Ansicht, dass der Posten des Uno-Generalsekratärs der "bestmögliche Job der Welt" sei, sagte Annan.

Den 68-Jährigen erwartet nach seinem Abschied von der Uno eine mögliche politische Laufbahn in seinem Heimatland. Einer Umfrage zufolge wünschen sich zahlreiche Wähler in der westafrikanischen Republik Ghana Annan als Staatschef. Bei der Präsidentschaftswahl im übernächsten Jahr würde Annan Umfragen zufolge knapp 30 Prozent der Stimmen erlangen, Ghanas Staatschef John Kufuor hatte seinen Landsmann Annan unlängst für seine "bemerkenswerte Karriere im Dienst der Weltgemeinschaft" gewürdigt. "Wir erwarten Ihre Heimkehr mit Stolz", sagte Kufuor bei einem Empfang in New York.

Glückwünsche von Bundespräsident Köhler

Bundespräsident Horst Köhler gratulierte Ban zu seiner Wahl. Die Uno spiele in der enger zusammen rückenden Welt eine immer wichtigere Rolle, betonte Köhler. Er wünsche dem Nachfolger von Kofi Annan für sein neues verantwortungsvolles Amt Kraft, Durchhaltevermögen und das " notwendige Quäntchen Glück", um die Vereinten Nationen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Köhler versicherte Ban, dass er dabei auf Deutschlands Unterstützung zählen können.

fok/AFP/dpa/Reuters/AP

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