Diplomatie: Carter holt US-Bürger aus nordkoreanischem Arbeitslager

Es war eine heikle Mission - und sie ist geglückt. Der frühere US-Präsident Carter hat die Freilassung eines im kommunistischen Nordkorea zu Zwangsarbeit verurteilten Landsmannes erreicht. Für Aijalon Mahli Gomes geht damit die wohl schlimmste Zeit seines Lebens zu Ende.

Jimmy Carter und Aijalon Mahli Gomes vor dem Abflug: Erfolgreiche Mission Zur Großansicht
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Jimmy Carter und Aijalon Mahli Gomes vor dem Abflug: Erfolgreiche Mission

Pjöngjang/Peking - Aijalon Mahli Gomes hatte schon nicht mehr damit gerechnet, dass sein Schicksal noch ein gutes Ende finden könnte. Seit Januar wurde der 30-jährige US-Amerikaner in Nordkorea gefangengehalten. Im April erging das harte Urteil: acht Jahre Zwangsarbeit und 550.000 Euro Strafe wegen illegalen Grenzübertritts. Für Gomes war die Situation so schwer erträglich, dass er Anfang Juli einen Selbstmordversuch unternahm und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Seit Freitag ist er wieder ein freier Mann, auf dem Weg heim nach Boston. Dem 85-jährigen Jimmy Carter ist damit ein Erfolg in einer diplomatischen Mission gelungen. Der frühere US-Präsident erwirkte die Freilassung Gomes'. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, verließ am Freitag ein Flugzeug mit Carter und seinem Landsmann an Bord die Hauptstadt Nordkoreas. Sie flogen mit einer Privatmaschine nach Boston. Dort werden sie im Lauf des Freitags erwartet. Carter wurde von Vizeaußenminister Kim Kye Gwan verabschiedet.

Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, Carter habe während seines dreitägigen Besuchs mit der Nummer zwei des kommunistischen Regimes, Kim Yong Nam, über Gomes' Freilassung verhandelt. Beide hätten auch ein offenes Gespräch über das Atomprogramm Nordkoreas geführt.

Das US-Außenministerium begrüßte die Nachricht über Gomes' Freilassung. Man sei erleichtert, dass der US-Bürger in Kürze zu seiner Familie zurückkehren könne. "Wir erkennen die humanitären Bemühungen des früheren Präsidenten Carter an und begrüßen Nordkoreas Entscheidung, Mister Gomes eine außerordentliche Amnestie zu gewähren und ihm die Rückkehr in die Vereinigten Staaten zu erlauben", sagte Sprecher Philip Crowley. Die US-Regierung bemühte sich klarzustellen, dass Carters Reise nach Nordkorea nicht im Regierungsauftrag stattgefunden habe. Sie sei privat gewesen und nicht im Auftrag oder unter der Organisation der US-Regierung unternommen worden, hob der Sprecher hervor.

Der 30-jährige Gomes war im Januar in Nordkorea festgenommen worden, nachdem er die Grenze von China aus unerlaubt überquert hatte. Die Motive des gläubigen Christen, der als Englischlehrer in Südkorea arbeitete, sind unklar. Vor einem Jahr hatte der frühere US-Präsident Bill Clinton in Nordkorea die Begnadigung von zwei verurteilten US-Journalistinnen erwirkt.

Kim in China

Inzwischen setzte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il seinen Besuch in China fort. Am Freitag reiste er offenbar von Jilin nach Changchun in Nordostchina weiter. Die Autobahn zwischen beiden Städten wurde am Morgen für etwa zwei Stunden gesperrt, berichteten Behördenmitarbeiter in Peking. "Jetzt ist wieder alles normal."

Ein Konvoi mit rund 30 Fahrzeugen hatte nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Morgen das Crystal Hotel in Jilin verlassen. In der benachbarten Industriestadt Changchun seien Vorbereitungen für den hohen Besuch aus Nordkorea getroffen worden. Es gab Spekulationen, dass der gesundheitlich angeschlagene Kim Jong Il auf seinem Besuch von seinem Sohn Kim Jong Un begleitet wird, der als sein potentieller Nachfolger gilt.

ler/dpa/apn

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insgesamt 3545 Beiträge
aat 23.10.2009
War eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
War eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
maan 23.10.2009
Erst dann, wenn sich China und Russland durch den Hasardeur selbst bedroht fühlen. Wichtig wäre es, China und Russland wegen der Unterstützung Nordkoreas in der Weltgemeinschaft zu ächten. Ohne Unterstützung hätte der Spuk [...]
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Erst dann, wenn sich China und Russland durch den Hasardeur selbst bedroht fühlen. Wichtig wäre es, China und Russland wegen der Unterstützung Nordkoreas in der Weltgemeinschaft zu ächten. Ohne Unterstützung hätte der Spuk schnell ein Ende.
Ghost12 23.10.2009
Nein. Die provozieren schon wieder mit ihrer Passivität. Direkt Bomben abwerfen. Für Frieden und Demokratie.
Zitat von sysopIst eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Nein. Die provozieren schon wieder mit ihrer Passivität. Direkt Bomben abwerfen. Für Frieden und Demokratie.
tao chatai 23.10.2009
Na klar,vor dem ersten Ueberfall durch die USA,etwa 1864(ohne zu googeln)
Zitat von aatWar eine sinnvolle Verständigung mit Nordkorea jemals möglich ?
Na klar,vor dem ersten Ueberfall durch die USA,etwa 1864(ohne zu googeln)
Andreas Henn 23.10.2009
Mit Nodkorea schon, warum auch nicht? Mit dem aktuellen Regime, nein, wie denn auch?
Zitat von sysopScharfe Worte: Bei ihrem Antrittsbesuch in Südkorea hat US-Außenministerin Clinton die "Tyrannei und Armut" im Norden des geteilten Landes gegeißelt. Sie forderte das Regime auf, seine Provokationen zu beenden. Ist eine politische Verständigung mit Nordkorea noch möglich?
Mit Nodkorea schon, warum auch nicht? Mit dem aktuellen Regime, nein, wie denn auch?
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  • Freitag, 27.08.2010 – 08:21 Uhr
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nord- und Südkorea
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Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.

Uran und Atomwaffen
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.



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