Diplomatischer Vorstoß Italien will Ächtung der Todesstrafe

Italiens Ministerpräsident Romano Prodi hat angekündigt, dass sich sein Land bei der Uno für eine weltweite Ächtung der Todesstrafe einsetzen werde. Der italienische Uno-Botschafter traf dazu mit dem Präsidenten des Sicherheitsrates zusammen.


Hamburg - Italien wolle sich für ein "universelles Moratorium" gegen die Todesstrafe einsetzen, erklärte Prodi. Sein Land hat gerade einen der nichtständigen Sitze im Sicherheitsrat der Weltorganisation übernommen. Für das Moratorium wolle Italien die 85 Uno-Staaten gewinnen, die sich bereits in einer nicht-bindenden Erklärung gegen die Todesstrafe ausgesprochen hatten. Dazu traf sich Uno-Botschafter Marcello Spatafora heute in New York mit dem derzeitigen Präsidenten des Sicherheitsrates, den Russen Witali Tschurkin.

Ministerpräsident Prodi: "Universelles Moratorium"
AP

Ministerpräsident Prodi: "Universelles Moratorium"

Außenminister Massimo D'Alema verwies auf die Kritik mehrerer europäischer Regierungen an der Hinrichtung von Saddam Hussein. Auch innerhalb der EU will Italien eine internationale Ächtung der Todesstrafe zum Thema machen. Die Regierung bat Deutschland nach Angaben des Außenministeriums in Rom, die Diskussion auf die Tagesordnung der bevorstehenden Justizministerkonferenz in Dresden zu setzen. Die Bundesrepublik hat zum Jahresbeginn die Ratspräsidentschaft der EU übernommen.

Die irakische Regierung wies die Kritik aus Italien entschieden zurück. Mit Verweis auf die Tötung des italienischen Diktators Benito Mussolini im Zweiten Weltkrieg beschuldigte ein Regierungsvertreter Italien der Scheinheiligkeit. Mussolini wurde 1945 von Partisanen getötet und kopfüber auf einem Platz in Mailand aufgehängt. Italien habe kein Recht, sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, zitierte die römische Tageszeitung "La Repubblica" den irakischen Regierungsvertreter Jassin Madschid. "Mussolinis Verfahren hat nur eine Minute gedauert."

Die Europaabgeordnete und Enkelin des faschistischen Diktators, Alessandra Mussolini, sagte, die Bilder von Saddams Hinrichtung habe ihr das Blut in den Adern gefrieren lassen. "Mir kamen sofort die Bilder meines Großvaters in den Sinn, der auch mit unbedecktem Gesicht dem Gespött der Leute ausgesetzt war."

bri/Reuters/AP



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