Chinesischer Bürgerrechtler: Dissident Chen erreicht die USA

Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist in New York eingetroffen. Auf Krücken aber mit einem Lächeln auf den Lippen dankte er den USA für ihren diplomatischen Einsatz. Nach wochenlangem politischen Gezerre hatte Chen Peking am Samstag verlassen dürfen.

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Chinesischer Bürgerrechtler Chen: Lächeln nach der Ankunft in den USA

Peking - Wochenlang verhandelten die USA mit China, nun hat das diplomatische Tauziehen ein Ende: Der blinde chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist in den USA eingetroffen. Der Dissident landete am Abend (Ortszeit) mit einer Maschine aus Peking auf dem Flughafen von Newark bei New York.

Auf Krücken aber mit einem Lächeln auf den Lippen traf Chen vor einem Universitätsgebäude im Stadtteil Manhattan ein, in dem er gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Kindern untergebracht werden soll. Das Haus gehört zur New York University, die Chen kürzlich ein Jura-Studium angeboten hatte. Der Bürgerrechtler soll dort gemeinsam mit Professoren und anderen Studenten leben.

In einer ersten Rede dankte Chen für seine Aufnahme in die USA. Zugleich zeigte er sich aber auch "dankbar dafür, dass die chinesische Regierung zurückhaltend und ruhig mit der Situation" umgegangen sei. Nach Angaben von Freunden soll sich der Bürgerrechtler allerdings Sorgen über das Schicksal seiner zurückgelassenen Verwandten machen, die von chinesischen Beamten missbraucht worden sein sollen.

Daneben zeigte sich Chen aber auch kämpferisch. Er erklärte, dass er seinen "Kampf für das Gute in der Welt und gegen die Ungerechtigkeit" fortsetzen wolle. Der blinde Bürgerrechtler hatte durch seinen Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen immer wieder die chinesischen Behörden erzürnt.

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis im September 2010 stellten ihn die Behörden der östlichen Provinz Shandong unter Hausarrest. Am 22. April floh er unter spektakulären Umständen und fand vorübergehend Zuflucht in der US-Botschaft in Peking. Anschließend befand er sich mehr als zwei Wochen in einem Pekinger Krankenhaus. Der Fall sorgte für eine diplomatische Krise zwischen den USA und China und ein wochenlanges Tauziehen um seine Ausreise.

Am Samstag schließlich wurde Cheng überraschend aufgefordert, seine Sachen zu packen und sich auf einen Flug in die USA vorzubereiten. US-Politiker begrüßten Chens Ankunft in den USA, zeigten sich aber zugleich besorgt um das Schicksal seiner Angehörigen in China. Peking müsse die Sicherheit der Angehörigen sicherstellen, hieß es in einer Erklärung des China-Ausschusses des US-Kongresses.

Zuvor hatte auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, die Sicherheit von Chens Freunden und Unterstützern gefordert. Die frühere Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, nannte die Ausreise Chens "einen Meilenstein bei den Menschenrechten in China".

irb/afp

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1. Blinder Bürgerrechtler
Stauss 20.05.2012
Das erste Mal, dass ich einen Bericht sehe, wo nicht penetrant die Bezeichnung "blind" dem Leser in die Augen gerieben wird. Offenbar hat der Blindenverband sich darüber beschwert, dass ein Merkmal, das keineswegs was mit seiner Arbeit zu tun hat, so taktlos in den Vordergrund geschoben wird, um ihn zum Märtyrer zu stilisieren.
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