Abflug aus Peking Blinder Bürgerrechtler Chen reist in die USA aus

Es ist das Ende eines langen diplomatischen Dramas: Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist mit einem Flugzeug aus Peking Richtung USA gestartet. Völlig überraschend hatten ihm die Behörden am Samstagmorgen die Ausreise gestattet.

Dissident Chen Guangcheng (mit Sonnenbrille): Überraschende Ausreise
Getty Images/ U.S. Embassy Beijing Press

Dissident Chen Guangcheng (mit Sonnenbrille): Überraschende Ausreise


Peking - Flug in die Freiheit: Der blinde chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng und seine Familie haben China am Samstagmittag verlassen, das berichteten AP, die "New York Times" und NBC.

Am Vormittag hatte Chen der 40jährige Chen überraschend das Pekinger Krankenhaus verlassen, indem er sich seit dem 2. Mai aufgehalten hatte, und war nach einigen medizinischen Untersuchungen zum Flughafen gefahren worden. zum Flughafen gefahren worden. Seine Frau und die beiden Kinder begleiteten ihn.

Behördenvertreter hatten offenbar Chen Guangcheng und seine Familie im Chaoyang Krankenhaus aufgefordert, ihre Sachen zu packen und sich darauf vorzubereiten, noch am selben Tag in die USA auszureisen. "Ich weiß nicht, wann ich ausfliege", sagte Chen, "ich glaube, ich fliege nach New York." In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP dankte Cheng noch einmal seinen chinesischen Unterstützern: "Ich nehme eine Auszeit und hoffe, dass sie das verstehen." Er drückte zudem seine Hoffnung aus, eines Tages nach China zurückzukehren.

Am Flughafen wurden Chen und seine Familie mit Reisepässen ausgestattet und bestiegen nach Angaben der Nachrichtenagentur AP den United-Airlines-Flug 88 mit Ziel New York. Die USA hatten bereits signalisiert, Chen Guangcheng, seiner Frau und beiden Kindern sofort ein Visum auszustellen, sobald sie ihre Reisepässe haben. Ein Reporter von NBC News beobachtete, wie Sicherheitskräfte am Pekinger Fughafen das Gepäck von Cheng und seiner Familie eincheckten.

Der Bürgerrechtler hatte durch seinen Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen den Zorn der Behörden auf sich gezogen. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis im September 2010 hatten die örtlichen Behörden ihn in der östlichen Provinz Shandong unter Hausarrest gestellt. Am 22. April floh er jedoch mit Hilfe von Unterstützern aus dem Hausarrest und fand vorübergehend Zuflucht in der US-Botschaft in Peking.

Sein Fall sorgte für eine diplomatische Krise zwischen Washington und Peking. Nach langwierigen Verhandlungen mit den chinesischen Behörden verließ der 40-Jährige die US-Botschaft wieder und wurde in eine Klinik gebracht, wo er wegen einer Verletzung behandelt wurde. Er fühlt sich in China aber nicht sicher und wollte deshalb gemeinsam mit seiner Familie in die USA ausreisen.

Im Streit um das Schicksal des Dissidenten einigten sich China und die USA darauf, dass es Chen freistehe, in den USA zu studieren. Die Universität von New York hat ihn eingeladen, dort ein Jurastudium aufzunehmen. Das chinesische Außenministerium wollte sich zur Ausreise Chens am Samstag nicht äußern.

Der United-Airlines-Flug 88 mit Chen und seiner Familie an Bord führt in einem gut 13stündigen Flug über die Datumsgrenze hinweg nonstop zum Flughafen Newark bei New York. Die Boeing 777 wird dort voraussichtlich am Samstag gegen 18 Uhr Ortszeit (Mitternacht deutscher Zeit) eintreffen.

ap/dpa/reuters/afp

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Vanagas 19.05.2012
1. Flug in die Freiheit ?
Zitat von sysopGetty Images/ U.S. Embassy Beijing PressEs ist das vorläufige Ende eines langen Dramas: Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist mit einem Flugzeug aus Peking Richtung USA gestartet. Völlig überraschend hatten ihm die chinesischen Behörden am Samstag morgen die Ausreise gestattet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833937,00.html
Dann kann Hr . Guangcheng direkt weitermachen + sich für die Guantanamo - Gefangenen einsetzen ( für deren Flug in die Freiheit )da die amerikanische Gesellschaft + deren sogenannte " Bürgerrechtler " in dieser Beziehung kläglich versagt haben . Wenigstens aber für einen rechtsstaatlichen Prozeß - falls das nach über 10 Jahren Höchstsicherheitsgefängnis ohne Urteil überhaupt noch geht .
sincere 19.05.2012
2. Ich frage mich da immer:
wer bezahlt ihm und seiner Familie den Aufenthalt?
Ursprung 19.05.2012
3. Ende des Wettbewerbswahns in Sicht?
Zitat von sysopGetty Images/ U.S. Embassy Beijing PressEs ist das vorläufige Ende eines langen Dramas: Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist mit einem Flugzeug aus Peking Richtung USA gestartet. Völlig überraschend hatten ihm die chinesischen Behörden am Samstag morgen die Ausreise gestattet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833937,00.html
Ist ein Prestigegewinn fuer die Chinesen. Die sind praktisch schon jetzt Weltfuehrungsmacht, in nicht zu ferner Zukunft auch kulturell. Die brauchen nur noch ihre Jahrtausende alte Weisheitsgeschichte herausholen und vermarkten. Europa und USA haben auch da wenig entgegenzusetzen. Vielleicht wird das ja mal eine Welt ohne dieses bisher wahnhafte Wettbewerbsverhalten.
snickerman 19.05.2012
4. hmmm...
Zitat von sincerewer bezahlt ihm und seiner Familie den Aufenthalt?
Ich frage mich da immer: Was interessiert Sie das eigentlich? Wollen Sie wirklich eine Antwort darauf oder nur unterschwellig Misstrauen säen? Da ihn die Uni eingeladen hat und er in den USA zahlreiche Unterstützer hat, dürfte für seinen Lebensunterhalt gesorgt sein. Sie können ihm aber bestimmt auch gern was spenden, wenn Sie so besorgt um sein Wohlergehen sind ^^
gandhiforever 19.05.2012
5. Richtige Entscheidungen unter gegebenen Umstaenden
Zwar kann Chen nun nicht mehr in China fuer Menschenrechte eintreten, doch seine persoenliche Freiheit ist ihm gegeben. Die chinesische Regierung ist einen laestigen Kritiker los. Der Einsatz der US-Regierung hat sich gelohnt. Und wieder einmal hat sich gezeigt, dass Romney und seine Partei unfaehig sind/waren, eine Lage richtig einzuschaetzen. Als der Dissidente die Botschaft verliess, da witterte der Moechtegern-Praesident eine weitere Gelegenheit, Obama am Zeug zu flicken. Ohne saemtliche Fakten zu wissen, griff er Obama an, sagte, dieser habe Schwaeche gezeigt. Nun wird Romney den Mund halten, wie immer, wenn seine Talente bloss gelegt werden. Seine Ratgeber werden wohl behaupten, die unqualifizierte Kritik der GOP habe die Aurreise erst moeglich gemacht.
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