Kölner Schriftsteller Spanien liefert Akhanli nicht an die Türkei aus

Die Türkei forderte von Spanien die Auslieferung von Dogan Akhanli. Doch das Justizministerium in Madrid hat jetzt entschieden, den deutschen Schriftsteller nicht an Ankara zu überstellen.

Dogan Akhanli
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Dogan Akhanli


Der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli wird nicht von Spanien an die Türkei ausgeliefert. Das teilte das spanische Justizministerium am Freitag in Madrid mit.

Der Ministerrat in Madrid habe entsprechend einem Vorschlag von Justizminister Rafael Catalá entschieden, das Auslieferungsverfahren an die Türkei nicht fortzusetzen, heißt es in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Akhanli war am 19. August bei einem Spanienurlaub wegen eines türkischen Fahndungsaufrufs festgenommen worden. Einen Tag später wurde er freigelassen, musste sich seither aber wöchentlich bei der Polizei melden. Die Türkei wirft ihm Beteiligung an einem Raubmord vor. Akhanli bestreitet das und sieht politische Motive hinter dem Auslieferungsantrag.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel begrüßte die Entscheidung Spaniens gegenüber dem SPIEGEL. "Ich bin sehr erleichtert und freue mich, dass das spanische Kabinett das Auslieferungsverfahren der Türkei für Herrn Akhanli nicht mehr weiterführen will", sagte Gabriel. Damit Akhanli ausreisen könne, müsse jetzt das zuständige Gericht die bisherigen Auflagen noch aufheben. "Ich hoffe, dass dies nun schnell und unkompliziert passiert, so dass Herr Akhanli nach Deutschland zurückkehren kann." Akhanli wird offenbar am kommenden Mittwoch nach Köln zurückreisen.

Akhanli wurde 1957 im Nordosten der Türkei geboren, wuchs in Istanbul auf und flüchtete 1991 nach Deutschland, wo er seither in Köln und Berlin lebt. Als einer der ersten Schriftsteller thematisierte er in seiner Romantrilogie "Die verlorenen Meere" den Völkermord an den Armeniern vor einem Jahrhundert. Die Vorwürfe der Türkei gegen ihn sieht er deshalb als politisch motiviert.

In den Fall hatte sich nach der Festnahme umgehend auch die Bundesregierung eingeschaltet. So drangen deutsche Diplomaten in Madrid auf Wunsch von Gabriel darauf, Akhanli auf keinen Fall schnell an die Türkei auszuliefern. Außerdem baten sie damals, dass Deutschland direkt in den Prüfprozess des türkischen Haftbefehls gegen Akhanli eingebunden werde.

als/sev/dpa/AFP



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darkbishop 13.10.2017
1. Find ich gut,
das Spanien den Braten gerochen hat...
Teile1977 13.10.2017
2. Auslieferung
Alles andere wöre ja auch ein Skandal gewesen. Die Türkei ist kein Rechtsstaat mehr, Beschuldigungen werden frei erfunden und Richter sind nicht mehr unabhängig. Sorry liebe Türken, is aber so.
access 13.10.2017
3. Mal sehen..
wie lange es dauert bis Spanien dann von der türkischen Regierung als Terrorunterstützer denunziert wird. Ich frage mich wie lange sich die EU das treiben dort noch tatenlos ansieht. Da schämt man sich ja direkt dafür, welche zahnlosen Tieger bei uns das sagen haben.
geschädigter5 13.10.2017
4. Es wurde nie von Beweisen gesprochen.
Wenn Erdogan welche hätte, hätte er sie nennen müssen. Es ist schon ein Unding, dass über Interpol derart lange festgehalten werden darf. Interpol hat keine rechtsstaatliche Grundlage und gehört dringend überprüft.
tomblu 13.10.2017
5. EU Auslieferungsverbot
Eigentlich ein Skandal, dass EU Bürger überhaupt an nicht-EU Länder ausgeliefert werden dürfen. Hat er nochmals Glück gehabt, aber wäre ich in seinen Schuhen gewesen, hätte ich die Freiheit genutzt und wäre schnellstmöglichst per Auto nach Deutschland zurück gefahren, als dass ich auch nur das kleinste Risiko einer solchen Auslieferung in so einen Schurkenstaat eingegangen wäre...
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