Antikommunistische Widerstandskämpferin Doina Cornea ist tot

Sie stellte sich mit Protestbriefen und Oppositionstätigkeit gegen den rumänischen Diktator Ceausescu, wurde verhört und geschlagen: Jetzt ist Doina Cornea gestorben. Sie wurde 88 Jahre alt.

Doina Cornea 1990
Paul O'DriscollL/GAMMA-RAPHO/ laif

Doina Cornea 1990


Doina Cornea, Widerstandskämpferin gegen das Regime des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu, ist im Alter von 88 Jahren in ihrer siebenbürgischen Heimatstadt Cluj (deutsch: Klausenburg) gestorben. Das berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax unter Berufung auf Corneas Familie.

"Ich habe versucht, so zu leben, als ob es die Angst nicht gäbe, obwohl ich diese ziemlich oft verspürt habe", hatte die Französisch-Lehrerin und Literaturdozentin in einem einmal Interview gesagt. "Wir müssen frei bleiben und nicht Sklaven der Angst werden."

Zur Oppositionellen wurde sie durch einen Zufall. Der Sender Radio Freies Europa verlas eine Proklamation, die vor dem geistigen Verfall und der Isolierung Rumäniens unter Ceausescu warnte. Versehentlich nannte der Sprecher den Namen der Verfasserin: Doina Cornea.

Insgesamt veröffentlichte sie über den Sender 31 Protestbriefe gegen Ceausescu. Sie wurde deswegen von der berüchtigten Geheimpolizei Securitate verhört und geschlagen. Im November 1987 verbreitete sie Flugblätter aus Solidarität mit den Arbeitern in der siebenbürgischen Stadt Brasov (deutsch: Kronstadt), die damals einen Aufstand gegen Ceausescu organisiert hatten, der blutig niedergeschlagen wurde.

Wegen ihrer Oppositionstätigkeit verlor Cornea ihren Arbeitsplatz als Literaturdozentin in Cluj. Für ihre Oppositionstätigkeit wurde Cornea in Rumänien mit dem Verdienstorden ausgezeichnet und in Frankreich zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Der Historiker und "Securitate-Jäger" Marius Oprea nannte sie ein "Beispiel für moralische Stärke und für ein aufrechtes Leben".

Nach dem Sturz Ceausescus im Dezember 1989 wurde Cornea Mitglied in der "Front zur Nationalen Rettung", die Ceausescus unmittelbarer Nachfolger Ion Iliescu als provisorische politische Plattform ins Leben gerufen hatte. Cornea verließ diese "Front" schon am 20. Januar 1990, weil sie Iliescu für einen Altkommunisten hielt, der keine echte Demokratie anstrebe. Sie bekam wegen ihrer Opposition gegen Iliescu in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre viele Drohbotschaften per Post und Telefon.

aev/apr/dpa

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