Dominikanische Republik Handel mit China, Bruch mit Taiwan

Taiwan verliert einen weiteren Verbündeten: Die Dominikanische Republik kündigt an, mit China Abkommen über Tourismus, Handel, Landwirtschaft, Bildung und Technologie zu schließen.

Außenminister Miguel Vargas (l.) und Wang Yi in Peking
AFP

Außenminister Miguel Vargas (l.) und Wang Yi in Peking


Die Dominikanische Republik nimmt diplomatische Beziehungen zu China auf und bricht gleichzeitig mit Taiwan. Die Außenminister Chinas und der Dominikanischen Republik, Wang Yi und Miguel Vargas, unterzeichneten am Dienstag in Peking eine entsprechende gemeinsame Erklärung. China habe damit "einen weiteren guten Freund in Lateinamerika", sagte Wang Yi. Er stellte dem Karibikstaat "beispiellose und enorme Gelegenheiten" in Aussicht.

Der Karibikstaat erhoffe sich davon wirtschaftliche Vorteile, sagte der Rechtsberater der Regierung, Flavio Darío Espinal. Schon bald sollten Abkommen über Tourismus, Handel, Landwirtschaft, Bildung und Technologie unterzeichnet werden. Mit einem Handelsvolumen von etwa zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr ist die Dominikanische Republik nach eigenen Angaben der zweitwichtigste Wirtschaftspartner Chinas in der Karibik und Mittelamerika.

Die Entscheidung für Handelsbeziehungen mit China werde "außergewöhnlich positiv für die Zukunft unseres Landes sein", heißt es in einer Erklärung, die Regierungssprecher Roberto Rodríguez Marchena via Twitter verbreitete:

Gleichzeitig kündigte die Regierung in Santo Domingo an, die Beziehungen zu Taiwan abzubrechen. Außenminister Vargas sagte in Peking, seine Regierung erkenne die Pekinger Position an, dass Taiwan ein "unabtrennbarer Teil Chinas" sei. Mit seiner Ein-China-Doktrin erlaubt die kommunistische Führung in Peking keinem Land, diplomatische Beziehungen sowohl mit der Volksrepublik als auch mit Taiwan zu unterhalten. Die Insel wird von China als abtrünnige Provinz angesehen.

Mit der Entscheidung der Dominikanischen Republik verliert Taiwan einen weiteren Verbündeten. Damit gibt es weltweit nur noch 19 Länder, die den Inselstaat diplomatisch anerkennen, darunter vor allem kleine Pazifikländer, Karibikinseln und Staaten in Mittelamerika. Der taiwanesische Außenminister Joseph Wu sagte in Taipeh, dass sich Taiwan "dem Druck aus Peking nicht beugen wird". Erst im Juni vergangenen Jahres hatte der wichtige Verbündete Panama die Seiten gewechselt. Deutschland ist in Taipeh nur mit einem Deutschen Institut vertreten.

aar/dpa



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marc.koch 01.05.2018
1. Noch mehr billige Plastikprodukte
Nun wird es also noch mehr billigste Plastikprodukte in der Dominikanischen Republik geben, also Produkte, die die EU wegen hoher Schadstoffbelastung verboten hat. Wer dort in einen Spielzeug- oder Haushaltswarenladen geht riecht das sofort und kommt mit Kopfschmerzen wieder heraus. Viele Produkte zerlegen sich auch in Kleinteile, die gerne von Kindern verschluckt werden. Man wird sehen, ob die Bauxitvorkommen nun von China ausgebeutet werden und die Ölförderung an den Küsten, die bisher aus touristischen Gründen nicht stattfand nun doch beginnt. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen.
luciusvoldemort 01.05.2018
2. Nun ja, ich lebe seit 25 Jahren hier in
der Dominikanischen Republik. Seit fünfundzwanzig Jahren haben die Regierungen der DR immer gerne die Geschenke aus Taiwan angenommen. Da ist Geld geflossen bis zum geht nicht mehr, auch immer wieder in die Taschen der Funktionäre. Da sind nicht unerheblich wertvolle Sachgeschenke gemacht worden, sowohl Hochtechnologie als auch ganz normale Geschenke zur Verbesserung der Infrastruktur. Baumaschinen, Autobusse, selbst PKW und Pick-ups sowie in großer Anzahl immer wieder Motorräder für die Polizei. Ständig gerne genommen. Das ist die Dom Rep, so lange es etwas zu holen gibt ist man dabei. Aber zukünftig wird von China einfach mehr zu holen sein. Nur ob das wiederum dem großen Bruder in Washington so gefällt, ist meines Erachtens fraglich. Und die DR hängt ziemlich am Tropf der USA, die Unberechenbarkeit eines Donald Trump hat man hier bislang noch nicht gespürt, Aber das kann sich ja auch ändern. Lucius
auweia 01.05.2018
3. D ist auch schon eingeknickt.
Völlig egal, dass Taiwan eine Demokratie und China eine Diktatur ist (jetzt neu: mit Führer auf Lebenszeit) - wenn es um die Kohle geht werden in Deutschland alle hehren Ideale über Bord geworfen. Wenn China demnächst Taiwan „heim ins Reich“ holt (das können sie inzwischen problemlos militärisch umsetzen) wird Deutschland mit ein paar netten Lieferverträgen ruhiggestellt - man wird vielleicht sogar noch die Taiwanesen ermahnen, sich einer (nachträglichen) „diplomatischen“ Absicherung des neuen Sttus quo nicht zu verschliessen.
M.O.A. 01.05.2018
4. Bitte informieren!
Zitat von auweiaVöllig egal, dass Taiwan eine Demokratie und China eine Diktatur ist (jetzt neu: mit Führer auf Lebenszeit) - wenn es um die Kohle geht werden in Deutschland alle hehren Ideale über Bord geworfen. Wenn China demnächst Taiwan „heim ins Reich“ holt (das können sie inzwischen problemlos militärisch umsetzen) wird Deutschland mit ein paar netten Lieferverträgen ruhiggestellt - man wird vielleicht sogar noch die Taiwanesen ermahnen, sich einer (nachträglichen) „diplomatischen“ Absicherung des neuen Sttus quo nicht zu verschliessen.
Ein umfassender Blick beispielsweise auf Wikipedia würde genügen. Die Taiwan-Frage ist weitaus komplizierter, als Sie hier den Eindruck vermitteln. Taiwan ist nicht einfach eine Insel vor dem chinesischen Festland, die nach Unabhängigkeit strebt. Obwohl Taiwan zumindest gesellschaftlich, wirtschaftlich und vor allem innenpolitisch faktisch unabhängig ist, gibt es eine wichtige Krux, die meist missachtet wird. Die Führung in Taipeh hatte nach der Revolution in China ebenso wie die spätere Volksrepublik unter Mao den Anspruch auf Machtanspruch über das gesamte chinesische Staatsgebiet. Dieser Anspruch besteht offiziell bis heute auch wenn die politische Realität mittlerweile eine gänzlich andere ist. Bis in die 70er Jahre hatten viele westliche Industriestaaten (auch wegen der Kommunismus-Ideologie) diplomatische Beziehungen eben mit Taiwan-China anstelle der Volksrepublik. Aber ganz im ernst. Das ist doch mittlerweile überhaupt nicht mehr vorstellbar. Die VR China ist wohl neben den USA mittlerweile der (wirtschaftlich) mächtigste Staat der Welt. Zu glauben man könne dies ignorieren und diplomatisch stattdessen auf Taiwan setzen ist an Naivität nicht zu überbieten.
G. Whittome 01.05.2018
5. "Abtrünnige Provinz"?
Könnt ihr beim Spiegel (u.a. deutschsprachigen Medien) diese seit Jahrzehnten herumgeisternde Floskel mal sein lassen? China behauptet zwar immer wieder, dass Taiwan "ein unabtrennbarer Teil Chinas sei" (was es seit 1895 nicht mehr ist), verwendet aber selbst nie die Formel einer "abtrünnigen Provinz". Es gibt diese Formel auf Chinesisch nicht! Viele Grüße aus Taipei.
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