Trumps erste Monate Golfen sehr gut, Politik mangelhaft

Am Samstag ist Donald Trump 100 Tage im Amt. Er rühmt seine Präsidentschaft schon jetzt als "historisch". Ist sie das? Die Bilanz in Daten, Zahlen und Fakten.

AP

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100 Tage? So ein Unsinn: "Wissen Sie, das ist eine künstliche Schranke", sagte Donald Trump diese Woche. "Es ist nicht sehr bedeutsam." Dabei hatte er diese Frist selbst als Maßstab für den eigenen Erfolg definiert - vor der Wahl und danach.

Trump redet die Tradition der ersten Bestandsaufnahme nicht ohne Grund als "lächerlich" klein: Am Samstag wird er 100 Tage im Amt sein - und das Fazit ist verheerend. Er ist so unbeliebt wie kein Präsident seit 1945, seine Initiativen klemmen, seine Dekrete sind zahnlos, seine Wahlversprechen größtenteils unerfüllt. Versprechen, die er selbst in einer Liste vorstellte.

Liste? Keine Ahnung, wer die geschrieben habe, sagt Trump inzwischen.

Zugleich bemüht sich das Weiße Haus in letzter Minute um den Anschein von Erfolgen: Es zirkuliert eine Übersicht mit Trumps "historischen Errungenschaften" (30 Dekrete, Mitarbeit an 28 Gesetzesinitiativen). Bis zum Stichtag will Trump eine Steuerreform präsentiert haben, vor der Waffenlobby NRA auftreten und an einer Jubelfeier in Pennsylvania teilnehmen.

Um Inszenierung und Realität auseinander zu halten, helfen Fakten und Zahlen. Was hat Trump wirklich erreicht, was nicht? Wie hat er seine ersten Monate im Weißen Haus genutzt? Trumps Bilanz in Grafiken, Diagrammen und Tabellen - der Überblick:


Was hat Trump erledigt? Versprechen auf dem Prüfstand.

Er sprach von einem "100-Tage-Aktionsplan", sogar von einem "Abkommen zwischen mir und dem Wähler": Noch im Wahlkampf stellte Trump in Gettysburg, Schauplatz der entscheidenden Bürgerkriegsschlacht von 1863, eine Liste mit 28 - teils sich doppelnden - Versprechen vor, um "Amerika wieder großartig zu machen". Doch in zentralen Bereichen hat Trump bislang kein Ergebnis erreicht. Die Tabelle zeigt seine wichtigsten Ziele - und was aus ihnen geworden ist.

Was Trump geschafft hat und was nicht

Thema Versprechen Realität Umgesetzt?
Law & Order Benennung von Richtern, die "die Verfassung aufrechterhalten" Supreme-Court-Richter Neil Gorsuch; Aufrüstung und mehr Macht der Polizei Jein
Mexiko-Mauer Bau einer Mauer an der US-Grenze zu Mexiko, bezahlt von Mexiko Keine Mauer, keine Finanzierung durch Strafzölle. Aber: ein Designwettbewerb Nein
Einreisestopp Einreisestopp für Besucher aus "terror-affinen" Staaten Per Dekret verhängt, gerichtlich blockiert, neu formuliert, erneut blockiert Nein
Iran Auflösung des "desaströsen" Atomabkommens mit Iran Abkommen besteht weiter, widersprüchliche Aussagen über seine Zukunft Nein
Handel Austritt aus Nafta und TPP, Härte gegen "Währungsmanipulator" China TPP aufgekündigt, Nafta unverändert. China Freund statt "Währungsmanipulator" Jein
Obamacare Aufhebung von Obamacare, Ersatz durch ein besseres Gesetz Spektakulär im Kongress gescheitert, alternative Versuche werden weiter diskutiert Nein
Energie Aufhebung staatlicher Einschränkungen für fossile Energieproduktion Einschränkungen für Öl-, Gas- und Kohleproduktion per Dekret aufgehoben Ja
Steuerreform Historische Steuerreform zugunsten der Mittelklasse Obamacare-Debakel bremste Steuerreform-Entwürfe; Republikaner zerstritten Nein
Cybersicherheit Ein "umfassender Plan", um die USA vor Cyberattacken zu beschützen Kein Plan, kein Team, nur ein tatenloser "Cybersicherheits-Berater" (Rudy Giuliani) Nein
Infrastruktur Überparteilicher Eine-Billion-Dollar-Infrastrukturplan Kein Plan, kein Team Nein
Lobbyisten und Kungelei "Drain the swamp" - kein Kungel aus Lobbyisten, Großspendern und Familie Regierung voller Lobbyisten und Ex-Bankern, Trump-Konzern und Familie profitieren Nein
Bürgerrechte Nur "das Beste" für Frauen, Schwarze, LGBTQ Abtreibungsrestriktionen, Rückdrehung der Rechte von Minderheiten und LGBTQ Nein

Quelle: Eigene Recherche, Stand: April 2017

Wie zufrieden sind die Bürger? Seine Umfragewerte.

Kurz vor Ablauf der 100-Tage-Frist ist Trump so unbeliebt wie kein US-Präsident vor ihm. Der Umfragevergleich mit einigen seiner Vorgänger zeigt, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung unzufrieden mit Trump ist.


Wie oft nahm er eine Auszeit? Trump im Wochenendhaus.

"Ich werde keine Zeit haben, zu golfen", versprach Trump im Wahlkampf. Doch sein Privatklub "Mar-a-Lago" in Palm Beach an Floridas Atlantikküste, Golfplatz inklusive, ist längst zu seinem "Winter White House" geworden, wie er es gerne nennt. Die "New York Times" rechnete aus, dass Trump bis Mitte April an 19 Tagen auf einer seiner Golfanlagen zu finden war. Andere Präsidenten hielten sich in dieser Hinsicht zurück, zumindest in der Anfangsphase.

Trumps Tage auf dem Golfplatz und in seinem Wochenendhaus, verglichen mit anderen US-Präsidenten

Weil Trump ungewöhnlich häufig Auszeiten nimmt, stellten US-Medien allerlei weitere Rechnungen an. Jede fünfte Minute seiner Präsidentschaft habe Trump in Palm Beach verbracht, überschlug die "Washington Post" . Das hieße: Rund 20 Prozent seiner Amtszeit spielt sich nicht im Weißen Haus, sondern an seinem Ferienort ab.


Fuhr er ins Ausland? Der Reise-Vergleich.

Im Mai und im Juli will Trump auf mehrere Auslandsreisen gehen, unter anderem stehen der Nato-Gipfel (Belgien), das Treffen der G7 (Italien) und der G20 (Deutschland) an, außerdem ist ein Termin mit dem Papst im Vatikan geplant. Doch in seiner frühen Amtszeit hat Trump die USA für Staatsbesuche noch nicht verlassen.


Wie war seine Stimmung? Eine Twitter-Analyse.

Vieles ist "bad" oder "sad", und Ausrufezeichen gehen immer: Trumps Twitter-Poesie hat einen ganz eigenen Sound. Zwar präsentiert er sich oft präsidial, etwa wenn er Gäste im Oval Office empfängt oder zu Feiertagen gratuliert. Doch ein Großteil seiner Tweets ist wütend oder attackierend. Trump regt sich vor allem über "Fake News" der Medien auf, die aus seiner Sicht falsch berichten, und über Demokraten. Alles in allem zeugt die Laune, die er mehrfach täglich auf Twitter preisgibt, von einem eher aufgewühltem Gemüt. Die Daten stammen vom Account @realDonaldTrump, nicht mitgezählt wurden Tweets vom Amtsaccount @POTUS.

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Fazit: Donald Trump hat in den ersten Monaten als Präsident zwar die Umsetzung einiger Wahlversprechen angestoßen, aber nur sehr wenige erfüllt. Andere US-Präsidenten zeigten deutlich mehr Präsenz im Weißen Haus als er. Seine durchwachsene Erstbilanz schlägt sich in unterdurchschnittlichen Umfragewerten nieder. Kurz vor Ablauf der ersten 100 Tage im Amt sind außerdem zentrale Fragen ungelöst: Welche Ziele Trump zum Beispiel in der Außenpolitik verfolgt, ist unklar.



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