Trump-Fan Sisi in Washington "Endlich ein Präsident, der Ägypten versteht"

In der islamischen Welt gibt es kaum einen größeren Trump-Fan als Abdel Fattah el-Sisi. Am Montag treffen sich die beiden Staatschefs im Weißen Haus. Der Ägypter setzt große Hoffnungen in den neuen US-Präsidenten.

Donald Trump und Abdel Fattah el-Sisi (im September 2016 in New York)
AP

Donald Trump und Abdel Fattah el-Sisi (im September 2016 in New York)

Aus Kairo berichtet


"Endlich ein US-Präsident, der Ägypten versteht": Mit diesem Tenor begleitet die staatliche Propaganda in Kairo den Besuch von Staatspräsident Abdel Fattah el-Sisi in Washington. An diesem Montag empfängt Donald Trump seinen Amtskollegen im Weißen Haus. Es ist der erste Besuch eines ägyptischen Staatschefs in der US-Hauptstadt seit fast acht Jahren. Damals, im August 2009, trafen sich Barack Obama und Husni Mubarak im Oval Office.

Seither ist viel passiert - in den USA, aber mehr noch in Ägypten. Mubarak wurde gestürzt, Muslimbruder Mohamed Morsi zum Präsidenten gewählt und dann weggeputscht. Seit 2014 steht der ehemalige Feldmarschall Sisi an der Spitze des Staates.

Obama hat aus seiner Skepsis gegenüber Sisi nie einen Hehl gemacht und die Menschenrechtsverletzungen des Regimes in Kairo offen kritisiert. Kurzzeitig stoppte der US-Präsident gar die Militärhilfen in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar pro Jahr.

Unter Trump sei mit den Belehrungen aus Washington nun Schluss, frohlockt die staatliche Tageszeitung "al-Ahram": "Die Menschenrechtsorganisationen und Zeitungen, die Ägypten traditionell feindlich gegenüberstehen, haben nicht mehr den Einfluss, den sie noch unter Obama genossen", kommentiert das Blatt.

Für Sisi ist der Besuch schon jetzt ein Erfolg

Aus Sicht des Regimes in Kairo gewährt Trump Ägypten endlich wieder die Anerkennung, die dem Land wegen seiner Geschichte und seiner strategischen Bedeutung zukommt. Mit Freude und Genugtuung registrieren die ägyptischen Medien, dass Trump nicht etwa die Könige aus Saudi-Arabien oder Jordanien als erste arabische Staatschefs ins Weiße Haus eingeladen hat, sondern Sisi. Schon allein deshalb ist der Besuch aus Sicht des Ägypters ein Erfolg.

Trump und Sisi teilen nicht nur eine gemeinsame Vorliebe für prunkvolle, neobarocke Innenreinrichtung. Beide haben auch den "radikalen islamischen Terrorismus" zu ihrem Hauptfeind erklärt. Trump rechtfertigt damit unter anderem sein Einreiseverbot gegen Menschen aus sechs mehrheitlich muslimischen Staaten. Sisi dient der Kampf gegen Terror und Extremismus als Vorwand, um jedwede Opposition in Ägypten auszuschalten - seien es Journalisten, Menschenrechtsaktivisten oder Anhänger der Muslimbruderschaft.

Aus Trumps Sicht ist Sisi ein idealer Bündnispartner: Ein entschlossener Kämpfer gegen islamistischen Extremismus, der gegen den IS kämpft und zu diesem Zweck auch noch Waffen aus den USA kauft. Und der sich als Beschützer der christlichen Minderheit in Ägypten darstellt. Trump zeichnet in seinen Reden gern ein Bild vom Nahen Osten, in dem Christen praktisch täglich damit rechnen müssen, von fanatischen Muslimen enthauptet zu werden. Sisi ist in diesem Weltbild einer der wenigen starken Männer, die das verhindern.

Ägyptens Wirtschaft braucht Hilfe der USA

Trump hat deshalb schon früh signalisiert, dass Sisi einer der wichtigsten arabischen Partner der USA sein wird. Noch während des Präsidentschaftswahlkampfes trafen sich die beiden Politiker im September 2016 am Rande der Uno-Vollversammlung in New York. Nach Trumps Wahlsieg war Sisi der erste ausländische Staatschef, der dem Republikaner telefonisch zum Triumph gratulierte - so stellt es jedenfalls die Regierung in Kairo dar.

Als Trump kurz nach Amtsantritt sein Einreiseverbot gegen sieben mehrheitlich muslimische Staaten verhängte, regte sich von staatlicher Seite in Ägypten kein Protest. Im Gegenteil: Die staatliche Fluglinie Egypt Air war die erste, die Trumps Dekret umsetzte.

Sisis blinde Gefolgschaft gegenüber Trump hat aber auch andere Gründe: Ägypten steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Inflation liegt bei dramatischen 30 Prozent, gleichzeitig stagniert die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit wächst. Kairo ist nicht nur darauf angewiesen, dass die USA ihre Unterstützung für das Land nicht zurückfahren. Washington muss auch ausländischen Investoren signalisieren, alles mögliche zu tun, um Ägyptens Stabilität zu gewährleisten.

Doch schon bald könnte die ägyptische Euphorie über Trump gedämpft werden. Denn während Sisi auf noch mehr Geld aus den Vereinigten Staaten hofft, hat der US-Präsident drastische Kürzungen im Bereich Entwicklungshilfe angekündigt. Nur ein Staat habe in diesem Punkt keine Einschränkungen zu befürchten, stellte das Weiße Haus klar: Es ist nicht Ägypten, sondern Israel.



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C. V. Neuves 03.04.2017
1.
Das Problem mit Ägypten ist ja, dass es dort nur die Wahl zwischen Moslembrüdern und Diktatur gab. Das ägyptische Volk hatte keine Möglichkeit sich für Frauke Petry zu entscheiden. Aber Zigaretten sind dort sehr billig.
gedoens 03.04.2017
2. Leider irrt er ...
"Endlich ein Präsident, der Ägypten versteht". Er irrt. Ich neige zur Auffassung, dass dieser "Präsident" nichts, aber auch gar nichts "versteht". Dazu bedarf es eines intellektuellen Horizontes, der den eines Neandertalers übersteigt. Sorry, liebe Neandertaler - ich wollte Euch nicht beleidigen.
albert.denter 03.04.2017
3. al Sisi u. Trump
sie sollten auch über die Religionspdobleme in Ägypten reden. kopten usw.
Atheist_Crusader 03.04.2017
4.
Hatte Sisi nicht mal sein Volk mit den folgenden Worten angesprochen: "Glaubt nicht den Medien, glaubt nicht dem Ausland - glaubt nur was ich euch sage?". Da ist es ja kein Wunder, wenn er Trump mag. Der hat das nämlich (zumindest bei gut 35 Millionen Amerikanern) hinbekommen.
Meconopsis 03.04.2017
5. Was hat Sisi zu bieten ?
"Mit Freude und Genugtuung registrieren die ägyptischen Medien, dass Trump nicht etwa die Könige aus Saudi-Arabien oder Jordanien als erste arabische Staatschefs ins Weiße Haus eingeladen hat, sondern Sisi. Schon allein deshalb ist der Besuch aus Sicht des Ägypters ein Erfolg." Saudis und Co. haben immerhin Öl und viel Geld, mit ihren Investitionen hängen sie tief drin in unserem Wirtschaftssystem. Aber Ägypten ? Das ist ein Pulverfass. Die wenigen bewohnbaren Landstriche, insbesondere das Niltal, sind heillos überbevölkert. Die können nicht mal mehr den Grundbedarf an Lebensmitteln für die eigene Bevölkerung produzieren. Und trotzdem liegt die Geburtenrate bei fast 3 Kindern pro Frau. Das Land hat nur ein sich immer weiter vermehrendes Millionenheer prekär lebender junger Menschen zu bieten, die früher oder später gen Westen drängen werden. Das sind die Verlierer des Kapitalismus, die niemand brauchen kann. Die USA sind aber weit weg, den Migrationsdruck wird alleine Europa abbekommen. Es stellt sich die Frage, wieviel Geld Trump zur Stabilisierung dieses schwierigen Landes weiterhin in die Hand nehmen möchte, und welche Perspektiven sich die USA davon erwarten. Nimmt er seine America-First-Parolen ernst, müsste er solche Ausgaben kürzen. Ausser dem Kampf gegen den IS sehe ich kaum gemeinsame Ziele, die Sisi und Trump verbinden würden.
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