Klagen gegen den US-Präsidenten Drei Frauen fordern Trump heraus

Die Klage einer Frau in New York könnte zur Belastung für Donald Trump werden - es geht um sexuelle Übergriffe. Auch die Pornodarstellerin Stormy Daniels und ein Ex-Playmate setzen ihn unter Druck.

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Von , Washington


Während Donald Trump und seine Anwälte versuchen, die juristischen und politischen Auswirkungen der Russlandaffäre einzudämmen, braut sich jenseits von Washington jede Menge zusätzlicher Ärger für den Präsidenten zusammen.

Ein Gericht in New York hat die Klage einer Frau zugelassen, die wegen Verleumdung gegen Trump vorgehen will. Summer Zervos zählte im Wahlkampf 2016 zu einer Gruppe von zehn Frauen, die Trump vorwarfen, sie sexuell belästigt zu haben. Die ehemalige Kandidatin von Trumps TV-Show "The Apprentice" hatte angegeben, 2007 von Trump in einem Hotel in Los Angeles bedrängt worden zu sein. Trump wies die Vorwürfe zurück und bezichtigte Zervos und die anderen Frauen der Lüge. Sie wollten lediglich seine Wahl verhindern und finanziellen Profit machen, erklärte er.

In New York argumentierten Trumps Anwälte nun, der Präsident könne nicht vor dem Gericht eines einzelnen Bundestaats verklagt werden. Außerdem seien seine Äußerungen über Zervos eine politische Meinungsäußerung gewesen und deshalb von der Verfassung geschützt.

Donald Trump
KEVIN DIETSCH/POOL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Donald Trump

Die New Yorker Richterin Jennifer Schecter argumentierte dagegen in ihrer Entscheidung, dass niemand über dem Gesetz stehe, auch nicht der Präsident. Er genieße hier keine Immunität und unterliege bei privaten Angelegenheiten wie jeder andere Bürger den allgemeinen Gesetzen.

Muss Trump unter Eid aussagen?

Die Richterin berief sich ausdrücklich auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA von 1997 gegen den damaligen Präsidenten Bill Clinton. Er war von einer früheren Angestellten aus Arkansas, Paula Jones, beschuldigt worden, sie sexuell bedrängt zu haben. Das Oberste Gericht ließ damals die Klage von Jones gegen Clinton zu.

Schecter wies auch einen Antrag von Trumps Anwälten zurück, das Verfahren auf die Zeit nach dem Ende von Trumps Präsidentschaft zu verschieben. Sollte der Präsident an dem Verfahren nicht teilnehmen können, weil eine Krise seine Anwesenheit in Washington erforderlich mache, könnte dieser Aufgabe Priorität eingeräumt werden, erklärte sie.

Unklar ist, was die Entscheidung für Trump nun konkret bedeutet. Unangenehm ist sie allemal, da erneut sein Umgang mit Frauen zum großen Thema wird. Denkbar ist, dass Trump in dem Verfahren in einem nächsten Schritt gezwungen werden kann, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben. Auch könnten weitere Frauen Übergriffe durch Trump beeiden. Zudem könnten womöglich Wahlkampfunterlagen des Trump-Teams im Namen des Gerichts angefordert werden. Trumps Anwälte kündigten an, gegen die Entscheidung der Richterin Berufung einlegen zu wollen.

Karen McDougal (2.v.r.) mit Kolleginnen und "Playboy"-Gründer Hugh Hefner (2000)
Getty Images

Karen McDougal (2.v.r.) mit Kolleginnen und "Playboy"-Gründer Hugh Hefner (2000)

So oder so kommt die Entscheidung für Trump zur Unzeit. Erst am Dienstag hatte das frühere Playmate Karen McDougal eine Klage gegen den Verlag des Blattes "National Enquirer" eingereicht. Sie gibt an, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben, über die sie nun offen sprechen wolle. Bislang sieht sie sich durch eine Schweigevereinbarung daran gehindert, die sie mit dem Verlag gegen Zahlung von 150.000 Dollar getroffen hat. Die Zeitschrift "Enquirer" hatte die Geschichte über ihre angebliche Affäre mit Trump gekauft, dann aber nicht veröffentlicht. Der Eigentümer der Zeitschrift ist ein Freund von Trump. Das Verfahren, Skandalgeschichten auf diese Weise zu unterdrücken, wird in US-Medien "catch and kill" genannt.

Stormy Daniels plant großes TV-Interview

Es gibt aber noch mehr Ärger dieser Art für den Präsidenten: Am kommenden Sonntag soll die Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels in der TV-Sendung "60 Minutes" auftreten und neue Details über ihre mutmaßliche Affäre mit Trump enthüllen. Offenbar will sie dann auch den Vorwurf ihres Anwalts bekräftigen, ihr sei körperliche Gewalt angedroht worden, sollte sie weiter über den Fall sprechen. Wer daran beteiligt war oder unter welchen Umständen dies geschehen sein soll, hat sie bislang nicht gesagt.

Stephanie Clifford
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Stephanie Clifford

Clifford hatte vor der Wahl 2016 mit Trumps Anwalt Michael Cohen eine Schweigevereinbarung geschlossen und dafür 130.000 Dollar kassiert. Diese Vereinbarung will sie nun annullieren, auch sie klagt vor einem Gericht.

Das Interview mit Clifford alias Stormy Daniels verursacht bereits reichlich Wirbel. Daniels und ihr Anwalt verstehen es äußerst gut, die Angelegenheit ganz im Stil von Donald Trump im Gespräch zu halten. So sorgten sie jetzt dafür, dass die Ergebnisse eines Lügendetektortests von 2011 veröffentlicht wurden, in dem Daniels im Auftrag einer Illustrierten zu ihrer Affäre mit Trump befragt wurde. Sie soll bestanden haben.

insgesamt 92 Beiträge
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claus7447 21.03.2018
1. Eigentlich banal,
Aber warum erst jetzt?
Papazaca 21.03.2018
2. Die späte Rache der Frauen
Jemand, der wie Trump sein ganzes Leben lang Frauen benutzt hat - u. a. als Veranstalter des Miss World Wettbewerb - bekommt es jetzt Dicke zurück. Im prüden Amerika wird ihm das sehr schaden. Besonders bei den Wählerinnen. Außerdem wird so wieder thematisiert, das Trump permanent die Unwahrheit sagt. Aber wenn ich ehrlich bin: Klar freue ich mich über die spannende Fortsetzung der Trump-Soap-Opera. Denn irgendwann ist sie vorbei. Dann können wir uns wieder über Merkels Hosenanzüge oder Spahn's kalkulierte Provokationen unterhalten. Da ist - was immer man über Trump sagt - seine Unterhaltung hochgradig trivial und deutlich besser.
rolf.scheid.bonn 21.03.2018
3. Schon die öffentliche Jagd ...
... auf Bill Clinton wegen seiner sexuellen Eskapaden mit irgendwelchen volljährigen Frauen war eine hässliche Show, genauso ist es die aktuelle Hexenjagd um irgendwelche Eskapaden Trumps mit erwachsen Frauen. Beides ist völlig irrelevant bei der Bewertung der Politik der betreffenden Personen und sollte entsprechend niedrig gehängt werden. US-Amerika ist da anders, aber wir sollten dem nicht nacheifern und entsprechend zurück halten. Mich interessiert es auch nicht, was US-Präsidenten privat machen.
Xantos73 21.03.2018
4. Herr Nelles,
eigentlich mag ich ja Ihre Artikel, da waren schon schöne Sachen bei. Ich vermute jetzt mal Sie musste seitens der Redaktion hier was schreiben. Aber mal unter uns Pfarrerstöchtern gesprochen. Es war doch schon immer so - mächtige Männer haben schon immer eine gewisse Gruppe von Frauen angezogen. Und die Damen die da gegen Trump zu Felde ziehen, die gehören für mich eindeutig zu eben jener Gruppe. Ist das Selbe wie mit diesem Weinstein. Wenn mich ein "Entscheider" zur weiteren Karriereplanung zum Gespräch ins Hotelzimmer als Gesprächsort einläd... Also wer da nicht 1 und 1 zusammenzählen kann was ihn/sie erwartet und dann später wenn genug Millionen auf dem Konto liegen - sich daran zu erinnern und mit dem Finger auf den Mann zu zeigen... Scheinheilig hat man sowas früher genannt. Immer schön zu sehen wie die Menschen ihre Moral oder ihr Gewissen wiederfinden wenn es um Geld geht.
barthelskeller 21.03.2018
5. Glaubwürdigkeit
Ich finde es grundsätzlich richtig, über derlei Vorgänge zu berichten. Allerdings haben wir es hier nicht mit einer Praktikantinnensituation alà Clinton zu tuen, sondern mit gestandenen Persönlichkeiten öffentlichen Interesses - PornodarstellerInnen und Playmates. Deren verglühter oder glimmender Stern findet in der Klage gegen Trump ein nicht zu unterschätzendes Zündholz - bedauerlich, dass dieser Umstand so wenig hinterfragt wird - auch in diesem Beitrag.
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