Trumps Stotterstart Ein Präsident, so unbeliebt wie keiner zuvor

Mit derart schlechten Umfragewerten ist noch kein US-Präsident gestartet. Kurz nach Amtsantritt wendet sich die Mehrheit der Amerikaner gegen Donald Trump.

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Donald Trump will vieles anders machen - den "elitären Sumpf" in Washington austrocknen, das Land den kleinen Leuten zurückgeben, Amerika wieder zur alten Stärke führen. Seine ersten Tage im Amt hat er dafür genutzt, zahlreiche Dekrete zu unterschreiben. Beliebt hat ihn das nicht gemacht: Nie zuvor gab es einen Präsidenten, der kurz nach Amtsantritt niedrigere Zustimmungswerte hatte als Trump.

Das ergibt eine Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup. Seit 1953 untersucht es, wie zufrieden die Bürger kurz nach Amtsübernahme mit ihrem neuen Staatsoberhaupt sind. Drei Tage nach Trumps Vereidigung waren nur 45 Prozent der Befragten mit seiner Arbeit zufrieden. Seither ist der Wert noch einmal gesunken, aktuell liegt er zwei Prozentpunkte niedriger.

Ähnlich niedrig waren diese Werte nur bei George H.W. Bush im Jahr 1989 und Ronald Reagan, der 1981 das Präsidentenamt übernahm. Ihre Zustimmung lag kurz nach der Amtsübernahme bei 51 Prozent. Doch noch nie betrug sie - wie bei Trump - weniger als 50 Prozent.

Auffällig ist auch die hohe Ablehnungsrate - kein anderer US-Präsident erfuhr derart viel Ablehnung von seinen Landsleuten kurz nach Amtsantritt.

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Donald Trump: Der 45. Präsident - und der unbeliebteste

Aus Sicht des Gallup-Instituts gibt es verschiedene Ursachen, die sich auf die Umfragewerte direkt nach der Amtseinführung negativ ausgewirkt haben könnten.

  • Trump stritt sich nach seiner Antrittsrede direkt mit den Medien, weil zu seiner Einführungszeremonie weit weniger Menschen kamen als etwa zu Barack Obamas. Sein Sprecher Sean Spicer unterstellte den Medien "absichtlich falsche Berichterstattung".
  • Im ganzen Land gab es Demonstrationen wie den Women's March. Zehntausende protestierten kurz nach Trumps Amtsantritt gegen seine im Wahlkampf verbreiteten frauenfeindlichen und rassistischen Äußerungen.
  • Der stark polarisierende Wahlkampf wirkt bis in die Amtszeit hinein - schon während der Monate vor der Wahl hatte Trump mit seinen Aussagen das Land gespalten.

Der per Dekret angekündigte Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko und der verordnete Einreisestopp für Menschen aus sieben überwiegend muslimischen Ländern sorgten dann noch einmal dafür, dass die Unzufriedenheit mit der Arbeit Trumps auf zuletzt 51 Prozent stieg. Die Zustimmung lag nur noch bei 43 Prozent.

Das Gallup-Institut befragt für diese Umfrage im Schnitt 1500 Erwachsene per Telefon, die Fehlertoleranz beträgt 3 Prozentpunkte. Gallup gehört zu den renommiertesten Umfrageinstituten der USA. Andere Institute hatten vor Trumps Amtsantritt noch schlechtere Werte ermittelt, eine Umfrage für die "Washington Post" und ABC sah Trump Mitte Januar bei nur 40 Prozent Zustimmung. Das Ansehen der US-Wahlforscher hat allerdings stark gelitten: Aus ihren Umfragen ging hervor, dass Hillary Clinton klar das Präsidentenamt erobern würde. Sie tat es bekanntlich nicht. Eine Analyse dazu finden Sie hier.

Video: Entlassung, Empörung und #Resistance

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Wer hält Trump die Treue?

Dennoch lohnt sich der Blick auf die Gallup-Daten. Diese ergeben, dass Trump weiter hohe Zustimmungswerte bei älteren weißen Männern ohne Hochschulabschluss erzielt (lesen Sie hier die vollständige Auswertung des Instituts). Bei Männern beträgt die Zufriedenheit insgesamt 48 Prozent, die Ablehnung 41 Prozent. Gallup hebt angesichts des Women's March auch die Meinungen der Frauen hervor: Diese tendieren eher dazu, sich gegen Trump auszusprechen (49 Prozent), aber nicht außergewöhnlich stark. 42 Prozent sind mit ihm zufrieden.

Die Ergebnisse des Instituts zeigen erneut, wie gespalten das Land ist.

  • Zwar zeigten 45 Prozent der Befragten keine Zustimmung für Trumps Arbeit, allerdings waren auch genauso viele, nämlich 45 Prozent, mit seinen ersten Amtshandlungen zufrieden.
  • Zehn Prozent hatten sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Meinung zu ihm gebildet - auch das ist ein auffälliger Wert, weil er niedriger ist als bei anderen Präsidenten. Donald Trump bringt also deutlich mehr Amerikaner dazu, eine Meinung oder eine Haltung zu entwickeln. Das könnte laut Gallup zum einen an der starken politischen Polarisierung in den USA liegen und zum anderen daran, dass der Wahlkampf in den Medien deutlich mehr Raum einnahm als früher.
  • Auf die Unterstützung von Republikanern kann Trump sich laut Gallup verlassen, 90 Prozent der Parteianhänger sind mit ihm zufrieden. Anhänger der Demokraten lehnen ihn zu 81 Prozent ab.
  • Die Spaltung des Landes zeigt sich auch in anderen Umfragen: Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage etwa unterstützen 49 Prozent der Amerikaner den von Trump verhängten Einreisestopp, 41 Prozent sind dagegen.

Wie der 11. September das Bild von Bush veränderte

Die Gallup-Auswertung gibt auch Aufschluss darüber, wie unterschiedlich sich die Werte über die Amtszeiten der Präsidenten entwickelt haben.

  • Bei George W. Bush stieg die Zufriedenheit der Bevölkerung mit seiner Arbeit unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stark an: von 51 Prozent am 10. September auf 90 Prozent elf Tage nach dem Attentat. Allerdings sank dieser Wert dann wieder kontinuierlich bis zum Ende seiner Amtszeit.
  • Bei Barack Obama dagegen waren die Zustimmungswerte konstanter. Der Demokrat stieg mit einem hohen Wert von 67 Prozent im Januar 2009 ein - konnte diesen dann aber nicht halten und auch nie wieder erreichen. Zwischenzeitlich sank die Zufriedenheit auf 40 Prozent. Zum Ende seiner Amtszeit lag sie wieder bei hohen 59 Prozent.
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PeterPan95 01.02.2017
1. Nach der Wahl ist ein bisschen spät
Alles, was der Präsident nun tut, hat er angekündigt. Ihr (US-Amerikaner) hättet es also vorher wissen können. Genauer: Ihr wusstet es vorher. Nein, ich finde Trump nicht gut, aber überrascht bin ich sicher nicht.
ich2010 01.02.2017
2.
trump macht nicht den eindruck, ob ihn die meinung seines volkes wirklich interessiert. er setzt eigene interessen bzg. die seines beraters bennon durch. es erscheint fast so, als ob trump das gesamte land als sein eigentum ansieht mit dem er machen kann, was er will. gegenteilige meinungen werden niedergebügelt. fakten, die gegen seine aussagen sprechen sind fake news oder alternative facts.
giespel 01.02.2017
3. Er polarisiert...
Das Ergebnis zeigt nicht unbedingt, dass er abgelehnt wird. Eher, dass er die Gesellschaft spaltet, wie keiner vor ihm.
peterkneter 01.02.2017
4. Ablehnung ist relativ
..immerhin, das sagt ja auch der Artikel, hat er auch die Hälfte der Bevölkerung hinter sich. Und das war schon bei der Wahl so. Und jetzt können die Amerikaner ja nicht verärgert darüber sein, dass er seine Wahlversprechen auch durchführt. Davor mein Respekt. Bisher konnte man noch immer sehen, wie Wahlversprechen vor der Wahl groß angekündigt wurden und dann nach der Wahl davon nichts übrig blieb. Man muss die Versprechen nicht mögen aber konsequent ist er bisher.
rholz 01.02.2017
5. Schlechte Umfragewerte?
ich bin zwar kein Befürworter von D. Trump und seiner aktuellen Politik aber eine Bemerkung hierzu sei erlaubt, sind das dieselben Meinungsforscher, die die Niederlage von Trump bei der Präsidentwahl vorhergesagt haben?
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