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13. April 2017, 00:51 Uhr

Trump zu Luftschlag in Syrien

Angriffsbefehl beim Schokokuchen

"Wir hatten das wunderschönste Stück Schokoladenkuchen": Donald Trump hat in einem Interview von dem Moment erzählt, als er den Befehl zum Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt gab.

Vor knapp einer Woche gab Donald Trump den Befehl zum Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee. Es war seine bislang bedeutendste außenpolitische Entscheidung. Nun hat sich der US-Präsident in einem Interview beim TV-Sender Fox Business ausführlich zu seinem Befehl geäußert.

Er habe drei Tage lang Spekulationen darüber gehört, wie es genau abgelaufen sei, beginnt Trump, der zu dem Zeitpunkt des Angriffs den chinesischen Staatschef Xi Jinping in Mar-a-Lago empfing.

"Wir saßen am Tisch, hatten gerade das Abendessen beendet und waren nun beim Dessert. Und wir hatten das wunderschönste Stück Schokoladenkuchen, das Sie je gesehen haben, und Präsident Xi genoss es", schwärmt Trump. Dabei habe er von seinen Generälen die Information erhalten, dass die US-Kriegsschiffe im Mittelmeer auf Position und die Marschflugkörper abschussbereit waren.

"Was macht man da? Wir haben entschieden, den Angriff zu starten, also wurden die Raketen abgeschossen", sagt Trump und schildert, wie er seinen Gast informierte: "Und ich sagte: Herr Präsident, lassen Sie mich Ihnen etwas erklären - das war beim Dessert -: Wir haben gerade 59 Raketen abgefeuert."

"Übrigens, alle 59 Raketen haben ihre Ziele getroffen. Unglaublich, aus Hunderten Meilen Entfernung. Erstaunlich", schweift Trump kurzzeitig ab. "Es ist brillant, genial. Unsere Ausrüstung, unsere Technologie ist fünfmal besser als die von allen anderen. Mit dem, was wir an Technologie haben, kann keiner nicht mal annähernd mithalten. Wir sind jetzt wieder auf einem guten Weg, nachdem das Militär von der vorherigen Regierung und vom Irak-Krieg, der ein Desaster war, so stark dezimiert wurde."

Offenbar wollte Trump damit Berichten entgegentreten, nach denen etliche Marschflugkörper ihr Ziel nicht erreicht hätten. Tatsächlich ist unklar, wie sehr die "Tomahawks" den Luftwaffenstützpunkt wirklich zerstört haben.

Dann kommt der US-Präsident aber zurück zum Gespräch mit Xi über den Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt.

Syrien, Irak? Hauptsache Raketen!

"Also ich sage, wir haben gerade 59 Raketen in Richtung Irak abgefeuert." Fox-Moderatorin Maria Bartiromo unterbricht Trump: "In Richtung Syrien." Trump wirkt kurz irritiert und korrigiert sich dann: "Ja, in Richtung Syrien und ich sage, 'ich wollte, dass Sie das wissen'." Er habe nicht gewollt, dass Xi die Nachricht von jemand anderem erhält, nachdem die beiden den ganzen Tag zusammen verbracht hatten.

Xi habe zehn Sekunden innegehalten und den Übersetzer gebeten, das vorherige zu wiederholen. "Ich dachte, das wäre ein schlechtes Zeichen", so Trump. Dann habe Xi gesagt, dass es okay sei bei jedem, "der so brutal ist und Gase benutzt und das kleinen Kindern und Babys antut". Trump stellte die Reaktion des chinesischen Staatschefs dar: "Es war okay für ihn. Er war einverstanden."

Trump hatte Xi auf seinem Anwesen Mar-al-Lago in Florida empfangen. Er befahl am 7. April, den Luftwaffenstützpunkt in Syrien anzugreifen, von dem aus ein mutmaßlicher Giftgasangriff in der Provinz Idlib ausgegangen sein soll.

max/AFP

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