Präsidenten-Anwalt Michael Cohen Was weiß Trumps "Pitbull"?

Donald Trumps Anwalt Michael Cohen steht im Fokus der Justiz. Elf Jahre lang erledigte er schmutzige Geschäfte für den späteren US-Präsidenten. Jetzt könnte er auspacken - und im Weißen Haus herrscht helle Aufregung.

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Von , New York


Das Brooklyner Restaurant "El Caribe" hat in seiner fast 40-jährigen Geschichte schon Abertausende Hochzeiten und Firmenfeste ausgerichtet. "Erleben Sie Ihre Märchenfeier", wirbt das Etablissement in Mill Basin, einer Villengegend an der Jamaica Bay. "Schaffen Sie sich unvergessliche Erinnerungen."

Woran sich die meisten Gäste freilich nicht erinnern: Das Hinterzimmer mietete früher die Russenmafia, bevor deren Bosse im Knast landeten. Ach ja: Und der Inhaber ist der Onkel von Michael Cohen - Donald Trumps Anwalt, der selbst lange Mitbesitzer des "El Caribe" war.

Nun ist auch Cohen ins Netz der Fahnder geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen "krimineller Aktivitäten" gegen den Juristen, der viele Geheimnisse des US-Präsidenten kennt und nach Angaben der Justiz bereits seit Monaten beschattet wird. Bei einer Razzia in seinen Büros stellte das FBI Akten und Datensätze sicher, die offenbar so brisant sind, dass Cohen verzweifelt versuchte, die darin enthaltenen Informationen geheim zu halten.

Seitdem herrscht helle Aufregung, nicht nur im Weißen Haus: Wird Cohen auspacken? Trump twittert fast täglich Durchhaltebotschaften an seinen Anwalt und ließ ihm am Montag sogar von seiner Sprecherin Sarah Huckabee Sanders im Fernsehen ausrichten, er könne notfalls mit einer präsidialen Begnadigung rechnen. Klartext: bitte den Mund halten.

Das Hauptaugenmerk der US-Medien richtete sich dabei bisher zwar nur auf den Tabloid-Aspekt des Falls - zwei mutmaßliche Geliebte Trumps, denen Cohen Schweigegelder zahlte, eine von ihnen die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Doch der echte Skandal könnte woanders liegen - in den nebulösen Deals, die Cohen für Trump betreut haben soll. Nicht umsonst vergleicht er sich angeblich gerne mit Tom Hagen, dem Consigliere des fiktiven "Paten" Vito Corleone aus der Film-Trilogie.

Stephanie Clifford aka Stormy Daniels
AFP

Stephanie Clifford aka Stormy Daniels

Dieses Weltbild teilt Cohen offenbar mit seinem langjährigen Top-Mandanten: Den früheren FBI-Chef James Comey erinnerte Trumps Verhalten in der Russlandaffäre an einen Mafiaboss. Kein Wunder, dass Trump, als er einen "Fixer" suchte, einen Ausputzer und Mann fürs Grobe, bei Cohen landete, der in der Migrantenszene New Yorks sozialisiert wurde: Dort erlernte Cohen seine knallharten Geschäftsmethoden, dort verdiente er seine ersten Millionen, dort heiratete er - und auf diesem Umweg traf er schließlich auch Donald Trump.

"Alle Spuren führen nach Brooklyn", weiß Seth Hettena, ein investigativer Journalist, der Trumps Russland-Verbindungen in dem neuen US-Enthüllungsbuch "Trump/Russia", das im Mai erscheint, rekonstruiert hat. Cohens Rolle nimmt darin ein ganzes Kapitel ein, aus dem das Magazin "Rolling Stone" jetzt erste Vorab-Auszüge veröffentlichte. "Cohen hatte Connections, düstere Connections", sagt Hettena dem SPIEGEL. "Das brachte ihn in Trumps Orbit."

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Trump-Anwalt Michael Cohen: Der Fixer, ein Mann fürs Grobe

Cohen lernte Trump über seinen Schwiegervater Fima Shusterman kennen. Shusterman, der aus der Ukraine stammte, war ein Taxi-Unternehmer - ein Business, bei dem in New York lange die Mafia die Hand im Spiel hatte. Doch es gab wohl noch andere Geschäfte: "Fima könnte ein (möglicherweise stiller) Geschäftspartner Trumps gewesen sein, vielleicht sogar ein Mittelsmann für russische Investoren in Trump-Immobilien und andere Projekte", zitiert Hettena einen Ex-Beamten, der damals wegen Geldwäsche gegen Shusterman ermittelte.

Woher kamen die Millionen für die Luxusimmobilien?

Cohen stieg ebenfalls ins Taxigeschäft ein und kaufte 2001 für eine Million Dollar ein Penthouse im Trump World Tower in Manhattan. Seine Schwiegereltern erwarben im selben Wolkenkratzer drei Apartments für fast acht Millionen Dollar. Insgesamt, so hat Hettena ermittelt, hätten Cohen und seine Familie über die folgenden fünf Jahre Trump-Immobilien im Wert von 17,3 Millionen Dollar erstanden. Woher sie das Geld hatten? "Das ist eine gute Frage", sagt Hettena.

2006 heuerte Cohen offiziell bei Trump an. Er war in jener Zeit offenbar auch ein Unterhändler für ein Luxusprojekt Trumps in Florida, in dem sich nach Recherchen der Agentur Reuters mindestens 63 russische Investoren mit fast 100 Millionen Dollar einkauften. Die Gelder halfen Trump auch durch die letzten seiner Konkursverfahren. "Die Russen lieben die Marke Trump", sagte Gil Dezer, einer von Trumps Partnern in Florida, dem Wirtschaftsdienst Bloomberg.

Wie sein fiktives Mafiavorbild Tom Hagen wurde Cohen zum Ehrenmitglied der engsten Trump-Familie - und zu Trumps "Pitbull": Von seinem Büro im Trump Tower aus bedrohte er Reporter und brachte Frauen, die Affären mit Trump gehabt haben wollen, mit Geld zum Schweigen.

"Wer weiß, was er getan hat?"

Parallel dazu hielt er lange Anteile am "El Caribe", besagtem Restaurant seines Onkels Morton Levine in Brooklyn. In dessen Büros tagten bis in die Neunzigerjahre die US-Bosse der russischen Mafia - was so bekannt war, dass sogar die "New York Times" darüber schrieb. Cohen stieß seine Beteiligung nach Angaben Levines ab, als Trump 2016 die Wahl gewann.

Ob es sich bei den Ermittlungen gegen Cohen nun um seine Privatgeschäfte handelt oder die Geschäfte, die er für Trump erledigte, darüber spekuliert ganz Washington. "Trumps Leute haben größte Sorge", sagte einer seiner Ex-Berater der Website Axios. "Wer weiß, was er getan hat?"

Auch Trump lässt diese Sorge wohl nicht los. "Michael Cohen ist ein Geschäftsmann/Anwalt auf eigene Rechnung, den ich immer mochte & respektierte", twitterte er am Wochenende, als wolle er seinem langjährigen Anwalt gut zureden - und sich zugleich von ihm lossagen.

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carinanavis 24.04.2018
1. das problem mit cohen
ist, dass Trump ihn nicht so einfach als unwichtigen "Praktikanten" fallen lassen kann. Es gibt zu viele Akten, die ihn eben als Trumps Haupt-Rechtsanwalt ausweisen und genau das könnte am Ende Trumps Präsidentschaft beenden. Diese Akten können nicht als Fake abgetan werden, sondern sind einfach vorhanden. Sobald das vor Gericht geht und Trump vorgeladen wird, dürfte es aus mit ihm sein. Seine Masche "alle anderen lügen-nur ich nicht" wird auch vor den stark manipulierbaren US-Gerichten nicht lange Bestand haben. Jeder Versuch verbal oder per Twitter etwas abzuwenden, kann nicht mehr funktionieren,weil es ja schriftlich dokumntiert ist. Vielleicht wird er dann noch behaupte, Comey oder die Demokraten hätten die Dokument gefälscht und ausgetauscht, aber das wird sich nicht für Dutzende von Verbrechen Trumps durchhalten lassen. R.I.P. Bester Präsident aller Zeiten!
k.michael62 24.04.2018
2. "Helle Aufregung"
Immer herrscht "helle Aufregung". Am Ende kommt nie was.
dobschutz-spiegel 24.04.2018
3. Begnadigung
Falls er begnadigt wird, hat er kein Zeugnisverweigerungsrecht. Er muss auspacken oder geht für einige Jahre ins Gefängnis. Ich hoffe wirklich, das Trump so dumm ist und ihn begnadigt. Trump kann auch nur begnadigen für anklagen die unter Bundesgesetze fallen. Einige Punkte der Anklage fallen unter dem Staaten New York Gesetz.
b1964 24.04.2018
4. Anwaltliche Schweigepflicht?
Warum sollte Cohen auspacken? Er ist doch Trumps Anwalt (gewesen). In Amerika wird die Schweigepflicht der Anwälte sehr hoch gehalten. Höher noch als bei uns. Wenn er ohne Erlaubnis seines Mandanten auspackt, macht er sich strafbar (ggf. zusätzlich zu anderen Straftaten, die er begangen haben könnte). Zudem wäre er als Anwalt ziemlich erledigt. Jetzt wird da eine Dramaturgie in der Presse herbeigeschrieben, die wahrscheinlich nicht eintreten wird. Da ist es schon sehr viel wahrscheinlicher, dass Trump ihn - jedenfalls wenn er seine Schweigepflicht beachtet - für etwaige Verurteilungen für mögliche Straftaten begnadigen wird. Zudem würde auch nur so die ganze "Mafiastruktur", die auch anch meinem Eindruck in der Trump-Herrschaft die Regierung übernommen hat, nach den bewährten Regeln arbeiten können. Loyalität wird belohnt, Verrat aber (mit dem Tode) bestraft.
gertner27 24.04.2018
5. Beweise und Konkretes?
Die ständigen hilflosen Kampagnen gegen Trump werden immer bizarrer. Russen, Mafia, Porno, Verrat usw. .Bis jetzt sind ja alle Anschuldigungen wie Seifenblasen zerplatzt. Das Lesen wird langsam langweilig und Zeitverschwendung. Entweder es gibt was konkretes und Bewiesenes oder laßt es sein
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