Tweets vor Treffen mit Putin Trump macht Obama für schlechtes Verhältnis zu Russland verantwortlich

Zerwürfnis in der Nato? Hackerangriff auf die US-Wahl? Vor dem Treffen mit Waldimir Putin verurteilt US-Präsident Trump Amtsvorgänger Obama für das schlechte Verhältnis zu Russland - und lobt sich selbst.

Donald Trump bei der Nato (2017)
REUTERS

Donald Trump bei der Nato (2017)


Es gehört an den meisten Tagen zum Morgenritual von US-Präsident Donald Trump: sich die Weltlage aus seiner Sicht in einem oder mehreren Tweets zurechtzulegen und Medien, Politiker und Länder, die er als Feinde begreift, zu attackieren.

Aus Helsinki, wo sich der US-Präsident am Montagmittag mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin treffen will, schickte Trump gallige Angriffe gegen die Vorgängerregierung unter US-Präsident Barack Obama.

Das Verhältnis zwischen Russland und den USA sei "noch nie so schlecht gewesen", und schuld sei daran "die Dummheit der USA in den vergangenen Jahren" und "aktuell die manipulierte Hexenjagd".

Als Hexenjagd bezeichnet der US-Präsident Ermittlungen zur russischen Einflussnahme auf die US-Wahl 2016, die Trump gewann. Weil neben russischen Geheimdienstmitarbeitern auch mehrere ehemalige Trump-Wahlkampfhelfer unter Verdacht stehen, begreift Trump die Untersuchungen durch US-Behörden als Verschwörung seiner politischen Gegner.

Trump ging auch auf die Vorwürfe von US-Sicherheitsdiensten ein, denen zufolge Russland 2016 mit Hackerangriffen gegen die US-Demokraten Einfluss auf die Präsidentschaftswahl genommen haben könnte. Vergangene Woche hatte die US-Justiz in dem Zusammenhang zwölf russische Geheimdienstmitarbeiter wegen Angriffen auf E-Mail-Konten der US-Demokraten angeklagt.

Trump sieht Nato-Gipfel als persönlichen Erfolg

Obama habe "nichts unternommen", als er vom FBI über die Cyberattacken informiert wurde, weil er davon ausgegangen sei, dass Hillary Clinton gewinnen werde. Erst nach dem Wahlsieg Trumps, sei es "eine große Sache" und eine "manipulierte Hexenjagd" geworden.

Tatsächlich waren US-Sicherheitsbehörden und die Obama-Regierung seit Mitte 2016 über russische Wahlbeeinflussungsversuche im Bilde. Sie wirkten unter anderem auf große soziale Netzwerke ein, um die zahlreichen von gefälschten Accounts verschickten Falschmeldungen und Hassbotschaften einzudämmen.

Trump twitterte außerdem über den Nato-Gipfel in der Vorwoche in Brüssel. Bei dem Treffen des Militärbündnisses war ein Eklat zwischen der Führungsmacht USA und den Partnern wegen Trumps Verbalattacken auf die Partnerstaaten nur knapp vermieden worden.

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Trump in Schottland: Golfen und Twittern

Trump hingegen sieht den Gipfel nach seinem Golfwochenende in Schottland nun als persönlichen Erfolg: "Etliche Staatschefs" hätten ihm zum Nato-Gipfel in der vergangenen Woche gratuliert und ihm gedankt, dass "ich geholfen habe, das Bündnis zu einen und es auf finanzielle Verpflichtungen" einzuschwören, so Trump bei Twitter. Der Gipfel sei von Medien falsch dargestellt worden.

cht

insgesamt 82 Beiträge
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tumtum 16.07.2018
1. Hau Drauf
Naja...generell macht Trump Obama für alles Negative verantwortlich (das soll nicht heißen, dass unter Obama alles gut war). So ist auch dieser Tweet keine Überraschung.
herbert 16.07.2018
2. warum haben wir denn noch einen Warenboykott nach Russland ?
Der blinde Gehorsam der EU und Merkel sieht nun so aus, dass Trump den Putin liebt. Also bitte alle Blockaden aufheben und einen vollen Handel mit Russland. Dann kann Trump seine Spielchen für sich machen !
topas 16.07.2018
3.
So weit ich mich erinnern kann gab es vor >30 Jahren zwei Staaten, die sich gegenseitig hunderte Agenten auf den Pelz gejagt haben, Stellvertreterkriege geführt habe (Vietnam, Afghanistan...), gegenseitig einen Red Button entfernt von einem Atomkrieg waren (der den Tod einiger Millionen Menschen bedeutet hätte) ... Oder wenn man nicht so weit zurück will - die NATO-Osterweiterung (die für erheblichen Missmut in Russland führte) fand weitestgehend in US-republikanischer Machtzeit statt. Gut, ich finde solche geopolitischen Sachen etwas dramatischer als ein paar Scharmützel zu einem Wahlkampf, aber der POTUS wird schon recht haben ...
Peletua 16.07.2018
4. Warum zum Teufel ...
... werden uns in den deutschen Medien jeden Tag die neuesten Produkte von Trumps verbaler Gastroenteritis serviert? Dass Obama als Präsident der Leibhaftige an sich war und alles falsch gemacht hat, was man nur falsch machen kann, dass ER, Donald I., der Retter der Erwerbslosen, der Neugründer der USA, unfehlbar und allmächtig ist, wissen wir doch längst.
newline 16.07.2018
5. Ich finde es wirklich schade,
dass Obama die Krankenversicherung nicht abgeschafft und die Mauer zu Mexiko nicht gebaut hat. Da Trump davon getrieben wird, alles von Obama zu zerstören, wäre er der größte Förderer der Krankenversicherung und die Mauer würde abgerissen.
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