Trump gegen Deutschland Dauerfeuer

"Deutschland ist ein Gefangener Russlands": Bereits zum Auftakt des Nato-Gipfels macht US-Präsident Donald Trump klar, worum es ihm bei seinem Besuch in Europa geht: Attacke auf Merkel, ohne Pause.

REUTERS

Von und , Brüssel


Es ist ein Auftakt, der in Erinnerung bleiben wird. Weil es so etwas noch nicht gegeben hat.

"Es ist gut, Sie wiederzusehen, Herr Präsident. Es ist gut, Sie hier zu haben", sagt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an diesem Mittwochmorgen. Ihm gegenüber sitzt US-Präsident Donald Trump, ein Arbeitsfrühstück, bevor der Brüsseler Nato-Gipfel richtig losgeht am Nachmittag. Man kommt in der Residenz des US-Botschafters zusammen.

Stoltenberg ist höflich, mehr noch: Er umgarnt Trump. Durch dessen Führung gehe es bei der Nato voran, "ihre Botschaft hat Eindruck gemacht", sagt der Norweger Stoltenberg.

Er meint: Die Verteidigungsausgaben steigen, weil Trump stänkert.

Doch Trump lässt sich nicht umgarnen. Überhaupt nicht. Er hat eine Botschaft für den Gipfel, und die soll jetzt raus, gleich jetzt. Die Kameras sind noch im Raum, sie sollen ein paar schöne Bilder schicken, doch daraus wird jetzt nichts.

Trump sagt:

"Es ist traurig, dass Deutschland massive Deals mit Russland macht, während von uns erwartet wird, es gegen Russland zu verteidigen. Wir schützen Deutschland, Frankreich, Polen, viele Länder, die Pipeline-Deals mit Russland machen und Milliarden in Russlands Taschen zahlen."

Trump meint hier die umstrittene Nordstream-2-Pipeline, die neben der bereits bestehenden Nordstream 1 Gas von Russland über die Ostsee nach Deutschland bringen soll. Der US-Präsident ist auch deshalb ein Gegner von Nordstream 2, weil die USA selbst Gas nach Europa verkaufen wollen.

An dem internationalen Pipeline-Konsortium sind neben der russischen Gazprom unter anderem auch deutsche und französische Firmen beteiligt. Die EU ist in der Frage der Pipeline tief gespalten. Während die EU-Kommission sie eigentlich verhindern will, weil sie Abhängigkeit Europas von russischem Gas erhöhe, besteht Deutschland bislang darauf, dass es sich um ein rein wirtschaftliches Projekt handele. Die USA wiederum haben Firmen, die sich an dem Projekt beteiligen, Sanktionen angedroht.

"Deutschland ist total von Russland kontrolliert", sagt Trump nun in Brüssel, es sei "ein Gefangener Russlands". Das sei völlig unangemessen.

Im Video: Trump vor Nato-Gipfel - "Deutschland ist Gefangener Russlands"

Die Nato-Botschafterin neben dem US-Präsidenten wird unruhig, doch der macht immer weiter, kommt auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen: den Zwei-Prozent-Anteil des Bruttoinlandsprodukts, das alle Nato-Mitglieder künftig mindestens für Verteidigungsausgaben aufbringen wollen:

"Deutschland zahlt 1,2 Prozent, die USA zahlen 4,2 Prozent. Wir zahlen sehr viel, um zu beschützen. Das ist sehr unfair gegenüber meinem Land und den Steuerzahlern", so Trump.

Kanzlerin Angela Merkel hat angekündigt, den Wehretat der Bundesregierung bis 2024 auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Stoltenberg hatte dies zuvor als unzureichend kritisiert. Das tut nun auch Donald Trump: Deutschland sei ein reiches Land, die Verteidigungsausgaben sollten nicht über einen Zeitraum von zehn Jahren angehoben werden - sondern sofort.

Zur gleichen Zeit, schon beim Nato-Hauptquartier eröffnet Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Konferenz mehrerer Think Tanks. Sie spricht davon, wie sich Deutschland langsam auf das Zwei-Prozent-Ziel zu bewegt. Und sie sagt, es gehe nicht nur darum, wer wie viel für die Verteidigung ausgebe, sondern ob Geld und Material auch für die Nato zum Einsatz kommen.

Es ist eine subtile Botschaft. Also eine, die bei Trump sicher nicht ankommt.

Als sie bei der Konferenz auf Trumps Bemerkung angesprochen wird, Deutschland sei ein Gefangener Russlands, reagiert sie kühl. "Deutschland soll was sein?" fragt sie. Und weiter: Sie müsse erst mal sehen, "was er wirklich gesagt hat" (lesen Sie hier,wie Kanzlerin Merkel auf die Kritik reagierte).

Eine kleine Trump-Atempause für Kanzlerin Merkel dürfte es heute geben, immerhin. Wenn ab 14.30 Uhr die Staats- und Regierungschefs zu ihrem etwa zweieinhalbstündigen Treffen zusammenkommen, müssen sie ihre Handys abgeben - aus Sorge, sie könnten abgehört werden. Für Trump bedeutet das eine erzwungene Feuerpause auf Twitter.

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

insgesamt 243 Beiträge
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PH-sauer 11.07.2018
1. Schickt ihn mit leeren Händen und einem Lächeln nach Hause!
Zeigt ihm, daß man ihn nicht als vernünftigen Menschen mehr ernst nehmen kann. Soll er die NATO eben aufkündigen. Wetten, dass er das nicht ohne Schaden kann? Wir lassen uns doch nicht von einem dahergelaufenen und selbsterklärten Weltbeherrscher unsere gemeinsame EU kaputt machen? Auch wenn er den beleidigten Polen gerade unter die Arme greift - WENN jemand Gefangener der Russen ist, dann ist er es, es gibt offenbar genug Material für ein Impeachment, das wird sich nach den Kongresswahlen schon zeigen. Außerdem hat er Erdogan gratuliert, der Merkel nicht. Der Mann hat keine Erziehung, keine Bildung, keine Manieren, keine Werte und vor allem keinen "Common Sense". Schickt ihn Heim und gebt ihm eine Kuckucksuhr als Staatsgeschenk gleich mit auf den Weg, für das Oval Office!
adsoftware 11.07.2018
2. Wie viel Erniedrigung ist noch menschlich?
Merkel könnte Trump einfach mitteilen, dass wir keine Erhöhung des Wehretats auf 2% brauchen, weil uns die dazugehörigen Feinde fehlen. Aber als Vasall musste Merkel ja jahrelang am Aufbau der Legende von den „russischen Aggressionen“ mitwirken. Jetzt soll sie es halt bezahlen. Payday!
sickboy2403 11.07.2018
3. Ich
möchte den so tollen Schutz der USA gar nicht haben. Weder Trump, noch Rammstein oder sonst einen Besatzer Stützpunkt in Deutschland. Ich denke die Gefahr daß die Russen in Deutschland einmaschieren muss in intelligenten Überlegungen keinen Platz haben! Festklammern am kalten Krieg um dann mit dem Wehr Etat der Nato gelegene Konflikte zu führen wie z.b. Irak! Nö danke!
rösti 11.07.2018
4. Ja
Zum Glück können wir Geschäfte machen mit wem wir wollen und da kann sich Trump auf den Kopf stellen! Ein Präsident der bei den Wahlen anscheinend Hilfe von Putin bekommen hat, will uns vorschreiben von wem wir Gas usw. beziehen dürfen! Bitte Frau Bundeskanzler bleiben Sie hart gegen diese Art von Erpress Politik der USA. Jetzt wird sich auch Europa zeigen müssen und sich nicht auseinander bringen lassen von Erpresserischen Vorderrungen eines aus dem Ruderlaufenden Land der USA!
wick.eurocon 11.07.2018
5. TRUMP und Deutschland / NATO
Es ist ein trauriges Kapitel was sich Deutschland und die NATO gefallen lassen müssen von diesem US Präsidenten. Stoltenberg sollte zurücktreten ,denn sein Verhalten gegenüber den TRUMP Anschuldigungen war in keiner Weise angebracht. Er hätte das TRUMP Verhalten sofort stoppen müssen und ihm klar machen müssen ,dass so kein Resultat erziehlichen werden könne. Sämtliche Europäischen Delegierten hätten in den Ausstand treten sollen . Der ganze Auftritt TRUMP ist nur Für seine TV Show ,die wiederum in den USA Gross ankommt. Der ganze TRUMP ZIRKUS ist wiederum eine RIESENSCHLAPPE für EUROPA. Wann endlich ist Schluss mit dem Unterwürfigen !!!??
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