Cover des "Time"-Magazins Der US-Präsident geht unter

Erst war es stürmisch im Oval Office, jetzt scheint Trump im Chaos zu versinken: Das "Time"-Magazin zeigt in einer Cover-Reihe, dass es für den US-Präsidenten immer ernster wird - auch zur Überraschung des Titelbild-Künstlers.


Es war keine gute Woche für den US-Präsidenten. Sein ehemaliger Anwalt Michael Cohen belastete ihn in der Affäre um Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen. Sein ehemaliger Wahlkampfmanager wurde von einer Jury in acht von 18 Anklagepunkten für schuldig befunden. Die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren werden lauter.

Das amerikanische "Time"-Magazin nahm die jüngsten Entwicklungen zum Anlass für die Titelgeschichte der kommenden Ausgabe, die in den USA am 3. September erscheint. Auf dem Magazincover ist das Oval Office zu sehen, es ist fast vollständig geflutet, der Präsident gerät ins Schwimmen und versucht mit Mühen, sich über Wasser zu halten. "In Deep" lautet die Schlagzeile dazu - Trump stecke tief im Schlamassel. Er paddelt ums politische Überleben.

Das aktuelle Cover ist das vorerst letzte in einer Dreierreihe: Im Februar 2017, einen Monat nach Trumps Amtsantritt, hatte das Magazin Trump ebenfalls im Oval Office auf dem Titel gezeigt, es wehte ein starker Wind; Regen, Haar und Krawatte wurden zur Seite geblasen, Papierseiten flogen über den Schreibtisch. "Hier gibt's nichts zu sehen", lautete die Schlagzeile dazu.

Im April des Folgejahres zeigte "Time" Trump in exakt derselben Pose an seinem Schreibtisch im Oval Office, diesmal stand ihm allerdings das Wasser fast schon bis zum Hals. "Stormy", titelte das Magazin. Im dazugehörigen Artikel ging es um Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen: Das FBI hatte damals gerade sein Büro durchsucht, es ging um Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels, die behauptet, Sex mit Trump gehabt zu haben.

Nun also das dritte Cover in dieser Reihe. Die Botschaft ist klar: Für Trump wird die Lage immer brenzliger. Laut "Time" ist es das erste Mal in der 95-jährigen Geschichte des Magazins, dass es eine solche Dreierserie auf dem Titel gibt.

Tim O'Brien/TIME

Verantwortlich für alle drei Zeichnungen ist der Künstler Tim O'Brien. Er habe Trump nicht mehr an seinem Schreibtisch sitzend zeichnen wollen, sagte er nun, das habe sich "zu lächerlich oder zu makaber angefühlt". Dass er nun stattdessen an der Oberfläche zu sehen ist, zeigt laut O'Brien, dass der Präsident noch immer kämpft - trotz der sich vertiefenden Krise (mehr zu den jüngsten Entwicklungen lesen Sie hier).

Für seine erste Zeichnung vom Februar 2017 verwendete O'Brien eigenen Angaben zufolge eine Airbrush, Bleistifte, Gouache und Ölfarben. Damals habe er nicht gedacht, dass das Chaos im Weißen Haus anhalten könne. "Als dann aber die unaufhörliche Flut von Breaking News über das Weiße Haus hereingebrochen ist, die Entlassungen, die Skandale und das allgemeine Chaos die Nachrichtensendungen bestimmte, dachte ich, die Sturm-Metapher ist noch genauso relevant wie zuvor."

Ende 2016 - nach der US-Wahl, aber vor Trumps Amtsantritt - hatte "Time" den Republikaner zur "Person des Jahres" erklärt. Ein Jahr später behauptete Trump, das Magazin habe ihm den Titel womöglich erneut verleihen wollen, er habe aber abgelehnt. "Time" wies das als Lüge zurück.

Für Schlagzeilen sorgten 2017 zudem Berichte, wonach Trump in seinen Golfklubs ein Cover des Magazins aushängte, das auf den 1. März 2009 datiert ist. Darauf zu sehen ist ein Porträt Trumps mit der Schlagzeile: "Donald Trump: The Apprentice ist ein TV-Hit". Tatsächlich hat es ein solches Cover aber nie gegeben.

aar



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odenkirchener 24.08.2018
1. TIME schreibt Deutsch
Und ich Dummerchen dachte, die TIME ist eine englisch Sprachige Zeitschrift. . . Ich würde ja mit dem Bleistift zeichnen. Da kann man das Trump Bild leichter anpassen
Atheist_Crusader 24.08.2018
2.
Auf Trumps Ende hoffen so einige Menschen aber das heißt nicht, dass das auch passiert. Die Republikaner haben nicht erst seit Trump Angst um die Zukunft ihrer Partei und klammern jetzt mit allen Mitteln an der Macht. Die werden bis zuletzt an seiner Seite stehen - nicht aus persönlicher Loyalität, sondern schlicht weil sie gerne regieren. Gar nicht zu reden vom Schandfleck einer Amtsenthebung eines ihrer Präsidenten. Trump ist zwar eine beständige Schande, aber sowas lässt sich vielleichter wegdiskutieren als ein Impeachment. Die Demographie verschiebt sich schon seit Längerem zu Ungunsten der republikanischen Wählerbasis (ihre letzten zwei Präsidenten haben sie nur dem Electoral College zu verdanken) und sie sind ideologisch viel zu festgefahren um sich umzuorientieren. Wenn sie sich an das Gesetz halten, verlieren sie. Also müssen sie das Gesetz so weit verdrehen und verzerren bis es passt. Und dafür brauchen sie Trump. Pence ist zwar effizienter, aber mit dem fängt man man ungefähr so viele Wählerstimmen wie mit Ted Cruz. Damit ist das politische Überleben der Republikaner ziemlich an das von Trump geknüpft. Es wird zunehmend unwahrscheinlicher dass sie nochmal einen Präsidenten stellen, daher müssen sie die Zeit jetzt nutzen.
kochra8 24.08.2018
3. Hinter dem Knickpunkt
Ein nicht Kennen trotzt dem Wissen. Aber ein willkürliches Wollen = trotz Unkenntnissen Alternative Fakten in die Welt setzend. Aber wenn sie mutmasslich gesetzt sind: Wer darf sagen, er wusste, dass dies eine Lüge nicht sei? Ein Präsident? Schützt nicht Unwissenheit vor Strafe nicht? Wozu all die Bildungsmaßnahmen, um sich vom Dummie vorwärts zu entwickeln? Scheint wohl ein Anfang zur Abschaffung der Zivilisation zu sein!
liberalerfr 24.08.2018
4. Surreal
Die Medien und Wähler scheinen in verschiedenen Welten zu leben. Während Trump und seine Anhänger die Erfolge seiner Regierung feiern, ist für die Medien dieser Präsident seit seinem Amtsantritt so gut wie abgesetzt.
Actionscript 24.08.2018
5. Nichts sieht schlecht aus für Trump
Trump geht weiterhin systematisch gegen seine Gegner und gegen das System vor. In der Manafort Verhandlung hat er auch mit Tweets eingegriffen und vermutlich einen Teil des Jury Urteils beeinflusst. Er geht gegen Sessions vor, und die Republikaner schweigen und helfen ihm, an der Macht zu bleiben. Ich sehe kein Trump Ende sondern eher das Ende der Demokratie in den USA. So entstehen Diktaturen.
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