In Telefonaten zum Mauerbau Wie Trump Mexikos Präsidenten drangsalierte

Die "Washington Post" hat Transkripte von Telefonaten veröffentlicht: Kurz nach seiner Vereidigung setzte Donald Trump Mexikos Präsidenten massiv unter Druck, ein Gespräch mit Australiens Premierminister beendete er wütend.

Enrique Peña Nieto (l.), Donald Trump
AFP

Enrique Peña Nieto (l.), Donald Trump


Zu Gesprächen von US-Präsident Donald Trump und den Staatschefs Mexikos und Australiens sind Transkripte aufgetaucht. Die "Washington Post" veröffentlichte Mitschriften von Gesprächen, die offenbar kurz nach Trumps Vereidigung stattgefunden haben.

Über den nachrichtlichen Gehalt beider Gespräche war jeweils kurz darauf berichtet worden. Die Wortprotokolle offenbarten nun, dass Trump mehrfach die Unwahrheit gesagt hatte, als er diese Berichterstattung als "Fake News" abgetan hatte. Sie zeigen Trump prahlerisch, drohend und ungeduldig.

Eine Woche nach Amtsantritt hat Trump demnach offenbar den mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto im Streit um die geplante Grenzmauer massiv bedrängt. "Ich muss Mexiko für die Mauer bezahlen lassen - ich muss", sagte Trump laut einem von der "Washington Post" zitierten Gesprächsprotokoll bei einem Telefonat mit Peña Nieto. Schließlich rede er seit zwei Jahren davon, dass Mexiko das Projekt finanzieren werde.

Der US-Präsident forderte demnach seinen mexikanischen Kollegen bei dem Telefonat am 27. Januar auch auf, nicht mehr öffentlich zu sagen, dass Mexiko die Mauer nicht bezahlen werde. Er drohte dem Bericht zufolge sogar mit einem Gesprächsboykott.

Nieto bleibt bei seiner Position

"Sie können das nicht der Presse sagen", drängte Trump den Angaben zufolge. Wenn Peña Nieto dies dennoch tue, "dann will ich euch Leute nicht mehr treffen, denn damit kann ich nicht leben", wurde Trump zitiert. Er schlug demnach dem Mexikaner eine unverbindliche öffentliche Formulierung vor: "Wir sollten beide sagen: 'Wir werden eine Lösung finden'."

Peña Nieto sperrte sich dem Bericht zufolge jedoch gegen das Drängen des US-Präsidenten, da das Thema mit der "Würde von Mexiko" und dem "Nationalstolz" seines Landes zu tun habe. Seine feste Position bleibe, dass Mexiko nicht für die Mauer bezahlen könne, sagte der mexikanische Präsident demnach.

Der Streit beider Staatschefs um die Mauer hatte kurz nach Trumps Amtsantritt zu einem Eklat geführt. Peña Nieto sagte deswegen einen Besuch in Washington kurzfristig ab. Das Telefonat, über das die "Washington Post" jetzt berichtete, fand am Tag nach der Besuchsabsage statt.

Eine Annäherung im Streit um die Mauer gibt es aber bis heute nicht. Peña Nieto lehnt eine mexikanische Beteiligung an der Finanzierung weiterhin kategorisch ab. Trump sagte hingegen nach einem Treffen mit dem mexikanischen Staatschef am Rande des G20-Gipfels im Juli in Hamburg, dass er "absolut" weiterhin wolle, dass Mexiko die Kosten für den Grenzzaun trägt. Dies hatte er so im Wahlkampf angekündigt.

Gespräch mit Australiens Turnbull "das unangenehmste des gesamten Tages"

Im Gespräch mit Malcolm Turnbull wurde Trump wütend, weil der australische Premierminister darauf bestand, dass sein US-amerikanischer Kollege eine Einigung mit Trumps Vorgänger Barack Obama einhalten solle. Dabei ging es darum, dass die USA 1250 Flüchtlinge überprüfen sollte, um sie gegebenenfalls aufzunehmen, nachdem diese bei dem Versuch, nach Australien einzureisen, gefangen genommen worden waren.

Trump erklärte laut dem Transkript, das ließe ihn schlecht aussehen - weil Trump nun mal in seiner Kampagne versprochen hatte, die Zahl der Flüchtlinge, die in die USA einreisen, zu reduzieren. "Das wird mich umbringen", sagte Trump offenbar: "Ich hasse es, diese Leute aufzunehmen. Ich garantiere Ihnen, sie sind schlecht. Das ist der Grund, warum sie gerade im Gefängnis sind."

Der US-Präsident sagte Turnbull, dass ihr Gespräch das schwierigste des gesamten Tages gewesen sei - nachdem er unter anderem mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe gesprochen hatte.

"Mir reicht es. Ich habe diese Telefonate den ganzen Tag geführt, und dieses ist das unangenehmste des gesamten Tages", soll Trump gesagt haben: "Putin war ein angenehmer Anruf. Das hier ist lächerlich." Wenig später war das Gespräch beendet.

aev/AFP/dpa



insgesamt 42 Beiträge
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emobil 03.08.2017
1. Transkripte aufgetaucht
Woher? Wer "leaked" da mal wieder? Irgendwie schön, dass dieser Trumpel von so vielen undichten Stellen umgeben ist. So sieht doch immerhin, dass der gar nicht der starke Mann ist, den er immer markiert sondern eigentlich ein ziemlich armseliges Würstchen ohne politisches Fortune ist.
Luscinia007 03.08.2017
2.
Wenn das Trumps Vorstellungen von Verhandlungskunst sind, die anderen sollen tun, was er will, weil er sonst schlecht aussieht, dann gnade Gott Amerika, denn es hat es nötig. Dringend.
keksen 03.08.2017
3.
Mit diesem Präsidenten werden die USA die nächsten vier Jahre keinen Blumentopf gewinnen. In der Innen- und Außenpolitik völlig unfähig. Von Diplomatie hat der Mann anscheinend keine Ahnung.
robertreagan 03.08.2017
4. Afghanistan
War der erste Trump-Artikel in einer schier unendlich langen Reihe, wo kein Forum zum Bashen eingerichtet wurde. Warum? Weil die US-Truppen dort gar nicht zum Siegen, sondern zum Bewachen des Mohnanbaus eingesetzt werden, womit wiederum der Waffenhandel der CIA in der Region finanziert wird. Aber die Mauer in México wird bestimmt auch das Drogenproblem von dort lösen
widower+2 03.08.2017
5. Nicht nur davon
Zitat von keksenMit diesem Präsidenten werden die USA die nächsten vier Jahre keinen Blumentopf gewinnen. In der Innen- und Außenpolitik völlig unfähig. Von Diplomatie hat der Mann anscheinend keine Ahnung.
Der hat einfach von gar nichts auch nur die geringste Ahnung. Entweder war er schon immer nicht die hellste Kerze auf der Torte oder er ist schlicht dement. Dann hat er mein Mitleid und mit ihm die gesamte Welt.
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