Trump bei der Uno Amerika, Amerika. Und dann der Rest der Welt

In seiner ersten Rede vor der Uno droht US-Präsident Trump Nordkorea, er verdammt Iran und lobt sich selbst. Trotzdem: Es ist sein bisher schlüssigster Auftritt - diverse Tabubrüche inklusive.

Von , New York


Wer Pomp und Protokoll liebt, der fühlt sich bei den Vereinten Nationen gut aufgehoben. Die Eröffnung der Uno-Generaldebatte ist ein zeremonielles Ballett von Staatschefs aus aller Welt, viele in Uniformen, Roben, Turbanen. Jeder Schritt ist penibel choreografiert, man grüßt sich mit "Ihre Exzellenz".

Donald Trump schert sich nicht um solche Bräuche. Der US-Präsident kommt demonstrativ zu spät und verpasst die Begrüßungsrede von Generalsekretär António Guterres. Doch als er schließlich ins Plenum tritt, ergreift der Moment auch ihn: Staunen flackert über sein sonst so strenges Gesicht.

Trumps Jungfernrede vor den Vereinten Nationen ist denn auch eine fulminante Mischung aus Tabubruch und Tradition, Ego und Ehrfurcht, Isolationismus und Intervention. Erstmals bündelt sie alle Widersprüche der Trump-Doktrin, die "America First" proklamiert, doch zugleich, in ein düster-apokalyptisches Weltbild gebettet, die globalen Gegner gnadenlos bedroht.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

1. Endspiel für Nordkorea

Wie erwartet greift Trump zuerst Nordkorea an. Frappierend aber die Wucht dieser Attacke: Trump droht, den "Schurkenstaat" notfalls "völlig zu zerstören", ein beispielloser Vorgang in diesem Forum. Er nennt Diktator Kim Jong Un, wie zuvor schon in einem Tweet, einen "Rocketman" auf "Selbstmordmission", eine Formulierung, auf der er explizit bestand. Die Uno-Sanktionen - für deren Verabschiedung Trump sich namentlich bei China und Russland bedankt - seien nicht genug, "wir müssen viel mehr tun": Nordkoreas Atomprogramm bedrohe "die ganze Welt". Zwar hat auch US-Verteidigungsminister Jim Mattis eine "militärische Option" nicht ausgeschlossen, während Außenminister Rex Tillerson und Uno-Botschafterin Nikki Haley diese Woche hier hinter den Kulissen die diplomatischen Fäden ziehen. Die Drohung an Nordkorea jedoch erstmals so krass im Uno-Plenum zu formulieren, offenbart eine betonte Aggressivität.

2. Iran ist auch bald dran

Als nächstes widmet sich Trump dem Erzfeind Iran. Dessen Regierung nennt er ein "mörderisches Regime" und eine "korrupte Diktatur" und droht ihr ebenfalls - nicht mit militärischer Abstrafung, sondern mit diplomatischer Isolation: Das Atomabkommen sei "eine der schlechtesten und einseitigsten Transaktionen, auf die sich die USA je eingelassen haben", sagt er, womit er seinen ersten Szenenapplaus erntet. "Da ist das letzte Wort nicht gesprochen." Ein typischer Cliffhanger: Trump deutet eine Aufkündigung des Pakts an, vermeidet aber weiter eine konkrete Position, als verspreche er sich davon eine stärkere Verhandlungsposition - oder andauernde TV-Quoten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, mit dem sich Trump hier am Montag traf, nickt enthusiastisch, während Teherans Vertreter auf sein Handy starrt. Die Iraner "wollen den Wandel", prophezeit Trump und knüpft so an frühere Andeutungen an, dass es dort bald einen Umsturz geben könnte: "Der Tag wird kommen, wenn das Volk vor einer Wahl steht."

Trump vor der Uno - "Sowas hat es noch nie gegeben":

AP/SPIEGEL ONLINE

3. "America First", Rest der Welt später

Trump versucht sein Mantra von "America First" mit der Idee der Uno zu vereinen. Zwei Sätze symbolisieren diese Gegenpole: "Die USA werden immer ein großer Freund der Welt sein", sagt er, schwört aber zugleich: "Ich werde Amerika immer voranstellen." Es ist für Trump ein neuer Ansatz, der die oft grotesken Kanten seines Haudrauf-Wahlkampfs abschleift und die Kollaboration der zwei Flügel seines Teams offenbart - personifiziert durch den konservativen Redenschreiber Stephen Miller auf der einen Seite und den konventionell-moderaten Stabschef John Kelly auf der anderen. Trump preist die Uno, lobt die "wunderschöne Vision dieser Institution", erinnert an Amerikas Rolle nach dem Zweiten Weltkrieg und den Marshall-Plan, avisiert "Zusammenarbeit in enger Harmonie und Einheit", betont aber, dass die USA stets ihre eigenen Interessen im Blick behalten werde. Seine Kritik am 22-prozentigen Anteil der USA am Uno-Haushalt fällt jedoch sehr zahm aus.

4. Trump bleibt Trump

Auch bei aller plötzlichen Staatskunst kann Trump nicht anders: Selbst diese wohl schlüssigste Rede seiner noch kurzen politischen Karriere - die mit 40 Minuten fast eine halbe Stunde länger ist als vom Uno-Protokoll erwünscht - enthält die typischen Ego-Macken. So beginnt er sie wie eine Wahlkampfrede, indem er an seinen Sieg am 8. November erinnert und über den vermeintlichen Aufschwung fabuliert, den Amerika seither genieße: Börsen auf Rekordhöhe, Arbeitslosigkeit auf Rekordtief, "und unser Militär wird bald so stark sein wie nie zuvor".

Für die späteren Ansprachen seiner Kollegen aus aller Welt interessiert er sich nicht: Er verlässt die Uno nach seinem eigenen Auftritt sofort und ist sieben Minuten später wieder daheim im Trump Tower.



insgesamt 137 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joes.world 19.09.2017
1. Habe gerade die 40 Minuten gehört
Auch wenn ein Präsident seine Rede vor der UNO nicht selber schreibt, so gibt er doch die Inhalte vor und segnet die Rede ab. Insofern ist es seine Rede, auch wenn sie nicht von ihm geschrieben wurde. Trumps Rede war authentisch. Er blieb sich treu, fand aber einen zusätzlichen Punkt: er lobte die US-Verfassung, die älteste aktive Verfassung der Welt (die Briten haben keine) und strich sie als leuchtendes Beispiel für andere Länder und deren Menschen vor. Um gleichzeitig zu betonen, dass die USA keine anderen Länder mehr belehren will. In Bezug auf ihre Regierungsform. Nehmt unsere Verfassung als Anregung, aber lebt eure Kultur und Regierungsform. Alles in allem eine gute Rede. Rund und nachvollziehbar. Speziell wenn man bedenkt, was man vor dieser Versammlung erreichen kann: seinen Standpunkt darlegen (das geschah in Bezug auf N-Korea, Iran, Venezuela, Kuba) und andere Regierungschefs näher an das eigene Land heran zu führen. Das tat Trump in dem er China & Russland lobte, andere Regierungsformen in anderen Ländern akzeptierte und sich auch bei allen Ländern bedankte, die den USA nach den Wirbelstürmen halfen. Es war eine Trumprede und eine einem US-Präsidenten-würdige Rede. Trump & Präsidentschaft verschmelzen langsam zu einer durchsetzungsstarken Figur auf der internationalen Bühne. Viel stärker, als es Obama international jemals zustande brachte.
mairhanss 19.09.2017
2.
Dann sollte man diesem 'tollen' Amerika vielleicht mal zeigen, dass es nur ein winziger Teil der Welt ist. Hier fehlt einfach die Zusammenarbeit der restlichen Länder..und schnell wäre Amerika auf das zusammengeschrumpft, was es ist: Ein vollkommem überschätztes Land mit arroganten 'kch bin die Welt'- Einwohnern.
pragmat 19.09.2017
3. Deutsch
Es würde nicht schaden, wenn auch Herr Pitzke zum deutschen Vokabular zurück finden würde. Dann würde er wissen, dass eine Warnung etwas anderes ist als eine Drohung. Eine Warnung wird ausgesprochen, wenn jemand dabei ist, etwa sehr Gefährliches zu tun und auf die Folgen seines Handelns hingewiesen wird. Das hat Mr Trump getan. Eine Drohung ist dagegen eine Ankündigung von etwas Unangenehmen ohne Hinweis auf einen Grund beziehungsweise aus welchem Grund auch immer. Der Grund der Warnung ist, dass Nordkorea sich unter keinen Umständen Kernwaffen anschaffen darf. Und darüber sind sich alle zivilisierten Staaten der UNO einig. Das hat mit der Person Trump nicht das Geringste zu tun. Nun, manche haben es mit dem Deutsch nicht so.
bert1966 19.09.2017
4. Unterschiede
Worin unterscheiden sich die USA unter Trump und Nordkorea unter Kim eigentlich noch? Bestimmt nicht in einer "großen Vision vom Frieden in der Welt". Offene Kriegsdrohungen sowohl durch Trump als auch durch Kim. Bereitschaft zum Einsatz von Atomwaffen und deren Besitz: ebenfalls bei Kim und Trump. America / Nordkorea first: Trump und Kim. Guantanamo und official fake news und Kommunismus mit Unterdrückung der Meinung des Individuums: Nordkorea und USA. Warum gelten die USA unter Trump noch als hoffähig und Nordkorea als "Schurkenstaat"? Gleiche Schurken da wie dort!
maohan 19.09.2017
5. Trump bei der Uno: Amerika, Amerika. Und dann der Rest der Welt
Donald traump zeigt das Wahre Gesicht von USA-Aussenpolitik. Beherschung der Welt mit minimalen Kosten und maximaln Gewinn. USA brauchen Feindbilder. Wie entstehen diese Bilder? Ganz einfach. man sucht finde und wenn die fehlen sucht man freunde meines Feindes. Iran ist ein Feind Israel und Iran und das ist ein Geschenk für UST. Seit der Trump an der Macht ist hat er Norkorea und Iran auf dem Radar. Durch die unrealistisch aufbauschende Anschuldigungen erzeugt es Angst bei Japanar und Sundkoreaner mit dem Ergebnis von Waffenverkäufen in Milliardenhöhe. In dem er Iran als Bedrohung am Persischen Golf hinstellt, hat er fast 400 Mi, Waffen an Saudis, Kuweitis, Emiratis und Katar, der finde der ersteren sind, verkauft. USA ist der Gründer von Taliban gegen Sowjets und als Ergebnis ist Anschlag in NY und 30 Jahre Krieg in Afghanistan. USA wird und will nie Frieden in der Wellt tolerieren. Wichtig für USA ist, das die Kriegsschauplätze genügend weit von US- Grenzen stadtfindet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.