US-Präsident in Kalifornien Auftritt im verkohlten Paradise

Schwarze Bäume, schwarze Erde: US-Präsident Donald Trump hat die von Waldbränden zerstörten Gebiete in Kalifornien besucht und bleibt bei seiner Meinung: Die Erderwärmung sei daran nicht schuld.

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Er lief durch das, was von der nordkalifornischen Stadt Paradise übrig geblieben ist. Viel war das nicht, denn Paradise wurde in der Nacht zum 8. November fast vollständig zerstört. US-Präsident Donald Trump hat am Samstag die Opfer der schweren Waldbrände besucht, die bisher nicht komplett gelöscht werden konnten.

"Das ist sehr traurig mit anzusehen", sagte er. Der Republikaner dankte den Rettungskräften und sagte Kalifornien die Unterstützung der Regierung in Washington zu. "Niemand hätte gedacht, dass so etwas je geschehen könnte."

Wie viele Menschen ums Leben gekommen seien, könne noch niemand sagen. "Jetzt wollen wir uns um die kümmern, die schwer verletzt wurden", ergänzte der Präsident.

Die Brände haben in Kalifornien seit der vergangenen Woche gigantische Schäden angerichtet. Allein das Feuer im Norden des US-Bundesstaats konnte sich auf einer Fläche von fast 60.000 Hektar ausbreiten. Nach Angaben von Kaliforniens Feuerschutzbehörde wurden davon inzwischen 55 Prozent eingedämmt. Es ist das tödlichste Feuer in der Geschichte des Bundesstaates.

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Waldbrände: Gigantische Schäden

Begleitet wurde Trump vom amtierenden Gouverneur Jerry Brown und seinem Nachfolger Gavin Newsom, wie die "New York Times" berichtet. Beide Politiker hatten Trump im Vorfeld wegen seiner Meinung zur Erderwärmung kritisiert. Der Präsident hatte die Existenz eines von Menschen verursachten Klimawandels in der Vergangenheit immer wieder angezweifelt.

Etliche Wissenschaftler führten die Feuer auch auf die anhaltende Dürre in Folge des Klimawandels zurück. Dadurch seien die Bäume schneller in Brand geraten. Trump wiederholte indes seine Vermutung, dass die Forstverwaltung an den Bränden Schuld sei.

Mach es wie die Finnen: #RakeAmericaGreatAgain

Vor laufender Kamera sagte Trump, dass in Finnland großen Wert auf das Harken des Waldbodens gelegt werde, um das schnelle Ausbreiten von Bränden zu verhindern, wie "Newsweek" meldet. Daraufhin etablierte sich auf Twitter der Hashtag RakeAmericaGreatAgain, was so viel bedeutet wie "Harke Amerika wieder groß" und eine Anspielung auf Trumps Wahlkampfslogan "Make America Great Again" ist.

Auch Kaliforniens Feuerwehrverband hatte erklärt, die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten. Zudem seien fast 60 Prozent der kalifornischen Wälder unter Bundeskontrolle und etwa ein Drittel in privater Hand. Experten hatten eine lange Dürre, verdorrte Vegetation und extreme Winde als Mitursachen für das Ausmaß der Brände genannt.

Die örtlichen Behörden meldeten inzwischen, dass die Zahl der Toten auf 76 angestiegen ist, 63 von ihnen konnten bereits identifiziert werden. Fast 1300 Menschen werden noch vermisst.

kha/AFP/dpa



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