Donald Trumps Biograf Johnston "Ich fürchte Gewalt nach der Wahl"

Ein Größenwahnsinniger ohne moralischen Kern sei Donald Trump, meint sein Biograf David Cay Johnston. Der Journalist fürchtet ein knappes Ergebnis der US-Wahl. Denn Trump schüre eine gefährliche, gewalttätige Stimmung.

Trump-Anhänger in Cleveland, Ohio
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Trump-Anhänger in Cleveland, Ohio

Ein Interview von , New York


Zur Person
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    David Cay Johnston, Jahrgang 1948, gilt als einer der bekanntesten Investigativjournalisten der USA. Seit fast drei Jahrzehnten beschäftigt sich der Pulitzer-Preisträger mit dem Phänomen Donald Trump. In seinem neuen Buch "Die Akte Trump" fasst er die Ergebnisse seiner umfangreichen Recherche zusammen. Zu Johnstons anderen Spezialgebieten zählen die Armut und die wirtschaftliche Ungleichheit in den USA.

SPIEGEL ONLINE: Mr Johnston, diese letzten Tage vor der US-Präsidentschaftswahl sind unerwartet spannend. Kann Trump gewinnen?

Johnston: Er wird nicht Präsident werden. Es sei denn, es passiert noch etwas Entsetzliches. Hillary Clinton mag zwar den Senat und das Repräsentantenhaus verlieren. Aber Trump wird nicht Präsident werden.

SPIEGEL ONLINE: Und dann? Sie kennen ihn seit fast 30 Jahren, als Biograf und auch persönlich. Wie wird er das verkraften?

Johnston: Trump wird seine Niederlage nicht akzeptieren und wegreden. Er wird auf immer und ewig behaupten, dass die Wahl getürkt sei und dass - ohne es direkt zu sagen - Schwarze und Latinos daran schuld seien. Er wird sich ein neues Medienumfeld suchen, um seinen religiösen Hass und Rassismus weiter zu versprühen.

SPIEGEL ONLINE: Werden ihm seine Anhänger treu bleiben?

Johnston: Ich wäre sehr überrascht, wenn es nach der Wahl nicht zu irgendeiner Form von Gewalt käme, zu willkürlichen Gewaltakten. Vor allem, wenn das Ergebnis knapp ist. Und Trump schürt diese Stimmung. Dabei weiß er nicht einmal, was er da tut. Er versteht nicht, was er entfesselt hat.

SPIEGEL ONLINE: Aber jeder, der dieser Tage aufmerksam ist, versteht das doch.

Johnston: Trump hat keinen moralischen Kern. Es ist der wichtigste und zerstörerischste Aspekt seiner Person. Es offenbart eine zutiefst verdorbene Psyche. Selbsteinsicht und Mitgefühl tangieren ihn nicht. Für Trump sind wir, der Rest, keine Menschen. Wir sind Objekte. Entweder wir erkennen seine genetische Überlegenheit an oder wir sind "Loser", Verlierer.

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio im Oktober
REUTERS

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio im Oktober


SPIEGEL ONLINE: Genetische Überlegenheit?

Johnston: Die Trumps glauben, dass sie anderen genetisch überlegen sind, außerordentlich überlegen. Das hat einer seine Söhne einmal offen gesagt.

SPIEGEL ONLINE: Was für ein historisch belasteter Ausdruck, vor allem für jemanden, dessen Großvater aus Deutschland stammte.

Johnston: Ich möchte das nicht vergleichen. Trumps Gefühl der genetischen Überlegenheit liegt keine Philosophie oder Ideologie zugrunde, es stützt sich ausschießlich auf seinen Größenwahn. Trump geht es nur um Trump und das, was ihm seine Wünsche erfüllt - Geld, unkritisches Lob, Macht. Er würde alles sagen und tun, um nicht das Rampenlicht verlassen zu müssen und mit einer Niederlage konfrontiert zu werden. Wenn Sie in einer Kneipe neben jemandem säßen, der so reden würde wie Trump, würden sie diese Person für geisteskrank halten.

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SPIEGEL ONLINE: Und doch fahren Millionen Amerikaner darauf ab. Warum?

Johnston: Das ist eine Minderheit, aber eine große Minderheit. Ich schätze, bis zu 40 Prozent der Amerikaner.

SPIEGEL ONLINE: 128 Millionen Rassisten?

Johnston: Nicht alle sind Rassisten. Trump kommt bei drei Gruppen an. Die größte Gruppe sind einfache Arbeiter, die ihre Jobs verloren haben und sie wegen des technischen Fortschritts nicht zurückbekommen werden. Trump sagt: Ich alleine werde euch retten. Die zweite Gruppe sind Gläubige, die aber die Bibel nicht richtig verstehen oder gar nicht kennen. Ich nenne sie "falsche Christen". Die dritte Gruppe sind Menschen, die die US-Bürgerrechtsbewegung hassen. Die die Vorstellung hassen, dass ihr Chef eine schwarze Frau oder ein Latino sein könnte.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Trump, was andere nicht haben, dass er diese verschiedenen Gruppen ködert?

Johnston: Trump ist ein klassischer Hochstapler. Die Leute glauben, er könne ihnen geben, was sie brauchen. Aber er gibt es ihnen natürlich nicht. Er interessiert sich nicht für die Menschen, die ihn wählen. Er schadet ihnen.

SPIEGEL ONLINE: Was passiert, wenn Trump doch gewinnt?

Johnston: Dann werden wir ziemlich schnell in eine Verfassungskrise schlittern.

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SPIEGEL ONLINE: Wie das?

Johnston: Ich glaube nicht, dass er ein Jahr durchhalten würde, ohne dass es zu einer Amtsenthebung käme.

SPIEGEL ONLINE: Ist diese Kandidatur seine größte Pleite?

Johnston: Ihm stehen schwere geschäftliche Probleme bevor. Er hat seine Marke ernsthaft beschädigt, wenn nicht runiniert. Außerdem kommen enorme juristische Herausforderungen auf ihn zu. Zurzeit sind 75 Klagen anhängig, in die er verwickelt ist. Das wird ihn unterminieren, egal in welcher Position er sich nach der Wahl findet.

SPIEGEL ONLINE: Wir werden also noch viel von ihm hören.

Johnston: Wir werden ihn am Hals haben, bis er nicht mehr da ist.

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*Unternehmen mit eingeschränktem Gesellschafterkreis, wobei es sich auch um Aktiengesellschaften handeln kann.


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Seite 1
seine-et-marnais 02.11.2016
1. Lieber Herr Pitzke
Das Problem ist doch dass Hillary Clinton keinen Deut besser ist. Das Problem der Amerikaner ist doch den weniger schlechten Kandidaten zu wählen. So sehr Sie sich auch ins Zeug legen, Clinton ist und bleibt ein abschreckendes Beispiel für Politik. Da hilft auch keine Waschmittelpropaganda wie im 'Interview'.
christa.hans 02.11.2016
2. Ohne moralischen Kern!
Diese Aussage trifft sicherlich auf beide Kandidaten gleichermaßen zu.
Beat.Adler 02.11.2016
3. Was hat des mit dem Journalsien, der interviewd zu tun?
Zitat von seine-et-marnaisDas Problem ist doch dass Hillary Clinton keinen Deut besser ist. Das Problem der Amerikaner ist doch den weniger schlechten Kandidaten zu wählen. So sehr Sie sich auch ins Zeug legen, Clinton ist und bleibt ein abschreckendes Beispiel für Politik. Da hilft auch keine Waschmittelpropaganda wie im 'Interview'.
Was hat des mit dem Journalsien, der interviewd zu tun? Ein Mann kennt Trump seit 30 Jahren und beantwortet Fragen eines Journalisten. Wa
suplesse 02.11.2016
4. Einseitige Beleuchtung der US-Wahl
Man kann einen Verlauf in den deutschen Medien erkennen. Am Anfang war es nur Trump der im Fokus des Schreckens stand. Das war in den internationalen Medien anders. Inzwischen hat Wiki Leaks und andere das Bild ein wenig gerade gerückt. Nun kommt man nicht umhin auch Frau Clintons Negativkonto etwas mehr zu durchleuchten. Ich erwarte von den Medien eine bessere ausgeglichene Berichterstattung. Die meisten Menschen sind in der Lage anhand von Informationen sich ihre eigene Meinung zu bilden und brauchen dazu nicht die Medien, die ihnen die Meinungsbildung abzunehmen versuchen.
Tingletangle 02.11.2016
5. man riecht die Verzweifung
und die Panik des Establishments förmlich. Daher wird mit primitivster Diffamierung versucht, Trump zu verhindern. Es ist einfach nur noch ein Trrauerspiel.
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