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Trump-Debatte im britischen Parlament: "Wir haben ihm schon zu viel Aufmerksamkeit geschenkt"

Donald Trump: "Nicht durch Angriffe noch größer machen" Zur Großansicht
AFP

Donald Trump: "Nicht durch Angriffe noch größer machen"

600.000 Briten fordern, Donald Trump die Einreise auf die Insel zu verbieten. Abgeordnete wollen ihn gar 1000 Meilen von der Küste fernhalten. Jetzt hat das Parlament die Sache diskutiert - und mit guter Begründung zu den Akten gelegt.

Sie nannten ihn "Trottel", "Witzbold", "Hassprediger" und "gefährlichen Rassisten" - aber ein Einreiseverbot für Donald Trump haben die meisten Redner im britischen Parlament dann doch abgelehnt. "Wir haben ihm schon zu viel Aufmerksamkeit geschenkt", sagte der Labour-Abgeordnete Paul Flynn zur Eröffnung der Debatte. Der Forderung des US-Präsidentschaftsbewerbers, Muslime nicht in die USA zu lassen, solle man mit Höflichkeit begegnen und ihn einladen, um ihm das multikulturelle London zu zeigen. "Wir sollten ihn nicht durch Angriffe noch größer machen."

Trump hatte mit seiner Forderung einen Aufschrei in Großbritannien provoziert. Fast 600.000 Menschen haben bis Montagabend eine Online-Petition unterzeichnet, die ein Einreiseverbot für den US-Republikaner fordert. Darüber können in Großbritannien aber nicht die Abgeordneten entscheiden. Nur die Regierung könnte das.

Premierminister David Cameron hatte Trumps Aussagen verurteilt, es jedoch abgelehnt, ihm die Einreise zu verbieten. An der Debatte, für die keine Abstimmung geplant war, nahmen weder der konservative Premier noch Innenministerin Theresa May teil, die für das Einreiseverbot zuständig wäre.

Keine "Märtyrer-Rolle" für Trump

Die meisten Abgeordneten waren sich einig, dass Trumps Äußerungen zwar gefährlich und inhaltlich grundfalsch seien, aber ein Einreiseverbot die falsche Antwort sei. Verschiedene Redner begründeten das mit der Rede- und Meinungsfreiheit oder auch mit der "Märtyrer-Rolle", die man Trump damit geben würde.

Eine Minderheit der Abgeordneten allerdings forderte, Trump "1000 Meilen von der britischen Küste" fernzuhalten und ein klares Zeichen gegen Diskriminierung von Muslimen zu setzen. Am Vortag hatten rund 40 Trump-Gegner auf zwei schottischen Golfplätzen protestiert, die dem US-Milliardär gehören. Auch eine Vereinigung schwarzer Anwälte, die Society of Black Lawyers (SBL), hat gefordert, den 69-Jährigen nicht ins Land zu lassen.

Verärgert hatte Donald Trump die Briten auch mit seiner Behauptung, Teile Londons seien so radikalisiert, dass Polizisten dort um ihr Leben fürchteten. Trump habe "eindeutig den Verstand verloren", erwiderte Londons Bürgermeister Boris Johnson im Dezember, auch Scotland Yard widersprach. Unter dem Schlagwort #TrumpFacts hatten Briten den Amerikaner im Netz verspottet, auch am Montag war die Debatte mit dem Schlagwort "TrumpDebate" eines der beliebtesten Themen im sozialen Netzwerk Twitter.

mka/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1.
worldalert11 18.01.2016
Das fällt ihnen ja früh auf. Wenn man Tag und Nacht alles berichtet, was Trump sagt und jeden seiner Sätze analysiert und sich darüber aufregt, muss man sich doch nicht wundern, warum er in den Umfragen so viele Stimmen bekommt. Den Rest der Kandidaten kennt so gut wie keiner(außerhalb der USA sowieso nicht), von der Clinton mal abgesehen. Schlechte Publicity war schon immer besser als keine. Ich kann mich an keinen Präsidentschaftskandidaten erinnern, der je so viel Aufmerksamt und Sendeplatz bekommen hat wie Trump.
2. So what ?
leinritt 18.01.2016
Wenn Donald Trump im November wirklich zum Praesidenten der USA gewaehlt werden sollte, wuerden die Briten aber alt aussehen mit einem Einreiseverbot fuer den Praesident Trump den besten Verbuendeten Grossbritanniens. Zum lachen oder weinen, wie man's sieht !
3. Horror Galerie des Schreckens...
philosophus 18.01.2016
Zuerst Bush Junior, jetzt Donald Trump... solche Karikaturen als Staatsoberhäupter zu präsentieren, von der "Stärksten" Nation der Welt ist eine Echte "Horror Galerie des Schreckens ". Zufall, Absicht oder noch schlimmer Kalkül?
4. Trump wird Präsident und Charles wird König
sparkofhope 18.01.2016
.. was ist wahrscheinlicher ? Das Leben lehrt - sag niemals nie !
5. Es ist Sache der Amis,
jogi1709 18.01.2016
wen sie als Präsidenten wollen. Die Arroganz der Europäer ist fehl am Platz.
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