"Dreamer"-Ärger Bürgermeister erklärt Chicago zur "Trump-freien Zone"

In den USA droht vielen Einwandererkindern die Abschiebung, weil Donald Trump ein Schutzprogramm aufgehoben hat. Chicagos Bürgermeister will das nicht hinnehmen - und bietet den Betroffenen seine Hilfe an.

Rahm Emanuel
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Rahm Emanuel


Der Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel, hat sich gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump gestellt, das Schutzprogramm für Migrantenkinder aufzuheben. "In Bezug auf das, was Präsident Trump gesagt hat, ist Chicago - unsere Schulen, unsere Nachbarschaft, unsere Stadt - eine Trump-freie Zone", sagte Emanuel bei einer Einschulungsveranstaltung an einer Highschool.

Am Dienstag hatte US-Justizminister Jeff Sessions erklärt, dass die Regierung das Programm namens Deferred Action for Childhood Arrivals (Daca) einstellen werde. Trumps Vorgänger Barack Obama hatte es 2012 per Dekret eingeführt. Es schützte Kinder illegaler Einwanderer vor der Abschiebung. Offiziell sind fast 800.000 Menschen betroffen. Inoffiziell könnten es sogar bis zu 1,7 Millionen Menschen sein, die als Minderjährige mit ihren Eltern illegal in die USA eingereist waren.

Chicagos Bürgermeister richtete sich direkt an die Menschen in seiner Stadt: "An alle 'Dreamer' in Chicago: Ihr seid willkommen in dieser Stadt. Das ist eure Heimat, und ihr habt nichts zu befürchten", sagte der Bürgermeister, der von 2009 bis 2010 als Obamas Stabschef im Weißen Haus gearbeitet hatte. "Ich möchte, dass ihr zur Schule kommt und noch mehr als das, dass ihr eure Träume verfolgt", sagte Emanuel weiter.

Obama hatte Trumps Entscheidung in einer langen Mitteilung scharf verurteilt. Auch US-Konzerne gingen auf Konfrontationskurs zum Weißen Haus. Mehrere US-Bundesstaaten haben außerdem Klage gegen die Entscheidung eingereicht.

aev

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janvering@gmx.de 07.09.2017
1. Guter Mann
Dieser Trump braucht Widerstand auf allen denkbaren Ebenen, sonst finden wir uns demnächst auf seinem Niveau wieder!
flux71 07.09.2017
2.
Cicago war die erste Stadt, die von Trump namentlich angegriffen wurde, wenn ich mich recht erinnere. Trump spaltet halt die Nation, wo er nur kann, auf welchen Ebenen auch immer. Schon öfter wurde in Foren diskutiert, dass US-Städte mit ihren Befugnissen und Gestaltungsmöglichkeiten nicht mit deutschen Kommunen vergleichbar sind. Dennoch schätze ich, dass es nicht lang dauern wird, bis auch hier wieder das neublaue Donnerwetter über uns hereinbricht. Was die Klagen anbetrifft: Es ist gut und richtig, dass sich aus der Zivilgesellschaft heraus Widerstand aus allen Ecken formiert. Dass Großkonzerne, Städte und Bundesstaaten gegen das vorgehen, was die Administration verzapft, zeugt von einem gesunden demokratischen Grundverständnis, das dem Präsidenten wohl abgeht. Bislang hat sich die Verfassung der USA ja durchaus als wehrhaft erwiesen, und auch hier stehen die Chancen wohl nicht so schlecht, dass sich die Trump-Gegner vor Gericht durchsetzen können. Aber wie gerade gestern veranschaulicht wurde: "Was interessieren mich schon die Gerichte?" So oder so ähnlich hatte sich Trump ja eh schon geäußert. Zuspitzung folgt.
denkdochmal 07.09.2017
3. Bravo, Rahm Emanuel!
Ein hervorragendes Beispiel für alle Bürgermeister-Kollegen im Land und ein prima Anstoß für jene, die die USA als einen Trumpel-Staat ansehen, sich eines Besseren zu besinnen.
Atheist_Crusader 07.09.2017
4.
Zitat von denkdochmalEin hervorragendes Beispiel für alle Bürgermeister-Kollegen im Land und ein prima Anstoß für jene, die die USA als einen Trumpel-Staat ansehen, sich eines Besseren zu besinnen.
Das waren sie nie. Der Mann hat immerhin den Popular Vote um 3 Millionen Stimmen verloren. Das Problem der USA ist weder dass alle Trump-Fans wären, noch dass alle ihn hassen würden. Sondern dass alle so fundamental gespalten sind. Wie es ein republikanischer Abgeordneter kürzlich ausdrückte: "He's an asshole, but he's our asshole.".
josifi 07.09.2017
5.
So schlimm kann´s nicht sein. Es ist immerhin seine 2. Amtsperiode (er wurde 2015 wiedergewählt), d.h. die Bürger von Chicago können nicht so unzufrieden sein...
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