Trumps Dankesworte an Moskau Eine törichte Botschaft

Hunderte US-Vertreter sollen die Aktivitäten in Russland beenden. Und Donald Trump bedankt sich dafür bei Moskau. Ob ernst gemeint oder nicht: So macht Amerikas Präsident Wladimir Putin stärker, als er ist.

US-Präsident Trump, Russlands Präsident Putin auf dem G20-Gipfel in Hamburg
BPA/ Getty Images

US-Präsident Trump, Russlands Präsident Putin auf dem G20-Gipfel in Hamburg

Ein Kommentar von , Moskau


Es ist die Hauptnachricht im russischen Staatsfernsehen: "Trump bedankt sich bei Putin", blendete der Sender Rossija 24 ein und zitierte die Worte des US-Präsidenten: "Ich bin sehr dankbar, dass er (Wladimir Putin - Anm. d. Redaktion) eine hohe Zahl an Leuten entlassen hat, denn jetzt haben wir eine kleinere Gehaltsliste." Und: "Wir werden eine Menge Geld sparen." Dazu werden Bilder vom G20-Gipfel gezeigt, wie Trump Putin die Hand reicht.

Trump lobt seinen russischen Kollegen Wladimir Putin also dafür, dass dieser verlangt, zum 1. September das US-Botschaftspersonal um 755 Mitarbeiter zu reduzieren. Für die staatlich gelenkten russischen Medien kann das nur eine Vorlage sein.

Es zeigt sich einmal wieder: Trumps Russlandpolitik ist ein Desaster, ohne jegliche Linie, ohne jegliche erkennbare Strategie. Bis heute hat er Putin für Einmischungen in den US-Wahlkampf nicht kritisiert. Für die milde Haltung gegenüber dem russischen Präsidenten (man könnte es auch eine Faszination nennen) steht er zu Recht in der Kritik. Trumps jüngste Äußerungen - egal, ob sie womöglich witzig oder sarkastisch sein sollten - belegen, wie sehr er die verfahrene Lage zwischen Washington und Moskau verkennt.

Das ist leichtsinnig - und ein Geschenk für Putin. Denn Trumps Worte geben Putins Reaktion auf die neuen Sanktionen des US-Kongresses mehr Gewicht. Putin wirkt dadurch mächtiger, als er wirklich ist. Seine Ankündigung, 755 US-Vertreter auszuweisen, hörte sich spektakulärer an, als sie ist. Zumal amerikanische Diplomaten und Spione nur bedingt betroffen sind. Leidtragende sind vor allem die Ortskräfte, die russischen Mitarbeiter, die einen großen Anteil der Beschäftigten der amerikanischen Vertretungen ausmachen. (Lesen Sie hier die Analyse.) Aus Russland ausgewiesen werden wohl nur wenige US-Vertreter.

Stattdessen werden die russischen Bürger deutlich länger auf Visa für Reisen in die USA warten müssen. Die Arbeit an der Botschaft und den drei Konsulaten wird stark eingeschränkt werden. Schon jetzt werden Visa-Termine an den vier US-Vertretungen im Internet für 15.000 bis 20.000 Rubel (etwa 210 bis 280 Euro) angeboten.

Aber was schert Trump schon die Arbeit seiner Diplomaten. Seinen Außenminister Rex Tillerson hat er mit seinen Dankesworten an Putin jedenfalls brüskiert. Tillerson hatte für den 1. September eine Reaktion auf Putins Reduzierung des US-Personals angekündigt. Die Zeitung "Kommersant" meldete am Freitag, dass Russland womöglich eines seiner vier Konsulate in den USA verlieren könnte.

Ein Schritt, den Moskau nicht unbeantwortet lassen wird. Putin, der bei seiner Gegenmaßnahme auf die US-Sanktionen recht maßvoll reagierte, hat nun freie Hand. Trump, so scheint es, ist eh egal, wie sein Land diplomatisch repräsentiert sein wird und über welche Erkenntnisse die USA über Russland künftig verfügen werden.

Der ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, hat dafür nur drei Worte übrig: "Beschämend. Traurig. Schwach." Er hat recht.

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vogelsberg 11.08.2017
1. Leider wird vergessen ,
dass du USA bereits im vergangenen Jahr von Russland den Abzug von Diplomaten gefordert haben . Es dürften nur noch 455 im Land bleiben Die Kürzung um 755 Mitarbeiter ergibt dann genau die gleiche Anzahl von amerikanischen Mitarbeitern in Russland. Die Aussage Russlands im vergangenen Jahr, dass man zu dem Zeitpunkt keine symmetrische Aktion durchführen wolle, aber dies bei Notwendigkeit umsetzen werde. Russland verliert kein Generalkonsulat, sondern die USA. Damit fehlt diesen ein Stützpunkt zur Koordinierung ihrer Geheimdienstaktivitäten. In der Vergangenheit wurde auch für einen Platz in der Schlange für ein Visum nach Deutschland Geld bezahlt. Nach Einrichtung entsprechender Zentren in Moskau und in der "Provinz" hat sich die Lage total entspannt. Nicht Rusland is destruktiv, sondern die USA.
Medienkritiker 11.08.2017
2. Putins Stärke...
Putin hat nichts weiteres getan, als die Zahl der amerikanischen Diplomaten und deren technischer Mitarbeiter jener der in den USA befindlichen russischen Diplomaten/Mitarbeiter anzupassen. Man mag Trumps Reaktion kritisieren, jedoch eine gespielte "Empörung" von ihm zu erwarten, geht am Thema vorbei. Der US-Senat hat die m.M. nach fehlgeleitete Sanktionspolitik gegen Russland mit 98 zu 2 Stimmen gebilligt - da erscheint mir Putins Reaktion darauf eher milde auszufallen...
PeaceNow 11.08.2017
3. @Frau Hebel
Sie mockieren sich darüber das Trump die angebliche Wahleinmischung nicht kritisiert? Da es für diese bis heute nicht den Hauch eines Beweises gibt und bis heute niemand überhaupt ansatzweise darlegen kann wie, wann und womit diese erfolgt sein soll, ist Trumps Zurückhaltung nur zu begrüßen, bevor man wieder basierend auf Lug und Trug weiteres politisches Porzelan zerschlägt.
wahrsager26 11.08.2017
4. Wodurch wird Putin
jetzt größer gemacht? Durchaus richtig beschreibt der Artikel die Situation und das die Anzahl von 750 Botschaftsangehörigen größer erscheint, als sie in Wirklichkeit ist,auch die kommenden Nachteile! Wer das bedenkt, dem wird Putin nicht 'grösser' erscheinen.Es mag ja sein, das es besser wäre, würde sich Mr Trump mehr zurückhalten ,andererseits wären wohl die Qualitätsmedien unglücklich, wäre es so! Danke
jufo 11.08.2017
5. Trump macht Putin größer als er ist?
Putin hat wenigstens seine sieben Sinne einigermaßen beisammen. Das fällt im Kontrast zu Trump verstärkt auf. Auch wenn Putin im Urlaub etwas spärlich bekleidet ist wirkt er intellektuell deutlich überlegen.
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