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US-Kolumnisten über Donald Trump: "Halleluja!"

US-Republikaner Trump: Falscher "Outsider" Zur Großansicht
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US-Republikaner Trump: Falscher "Outsider"

Was wäre, wenn? Donald Trump startete als Außenseiter ins Rennen um das Weiße Haus - und plötzlich ist er Favorit. Sechs US-Kolumnisten schildern ihre Sicht auf den Kandidaten.

Noch ein paar Stunden, dann geht es los: In Iowa starten die US-Vorwahlen. Ob bei den Demokraten oder den Republikanern - auf beiden Seiten ist der Ausgang unklar. Im Zentrum des Wahlabends dürfte einmal mehr jener Mann stehen, der das Land und den Rest der Welt mit seinen Thesen und seinem Habitus beschäftigt wie kein anderer Bewerber: Donald Trump.

Der 69-Jährige hat sich zum Favoriten auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner entwickelt. In Iowa wird sich zeigen, wie stark der Rückhalt seiner Anhänger wirklich ist.

Was würde es bedeuten, wenn Trump tatsächlich Kandidat würde? Und was hieße es, wenn er gar zum 45. Präsidenten der USA gewählt würde? SPIEGEL ONLINE hat sechs US-Autoren nach ihrer Meinung gefragt.


Ann Coulter
Konservative Kolumnistin, Kommentatorin und Buchautorin

Coulter: "Morgenröte in Amerika!" Zur Großansicht
REUTERS

Coulter: "Morgenröte in Amerika!"


Über den Kandidaten Trump:

Halleluja! Die Amerikaner flehen danach, dass die endlose Überflutung unseres Landes durch dysfunktionale Kulturen nach Jahrzehnten ein Ende findet, aber beide Parteien haben sie ignoriert. Wir wurden seit fast einem halben Jahrhundert belogen. Die Demokraten wollen verarmte Immigranten als Wählerstimmen, und die Republikaner wollen verarmte Immigranten als Billiglöhner für ihre Wahlspender. Sie lügen, um gewählt zu werden, und hintergehen die Wähler dann, indem sie immer mehr auf niedrigqualifizierte Einwanderung drängen. Ich wusste, dass der Kandidat, der sich auf die Seite der Amerikaner schlägt statt auf die Seite der Ausländer, eines Tages abräumen würde.

Über den Präsidenten Trump:

Morgenröte in Amerika! Nichts zählt mehr als die Frage der Einwanderung. Sobald wir nicht mehr von Ausländern überstimmt werden, können die Amerikaner alles andere hinkriegen. Aber wir können niemandem helfen, wenn wir uns in Bangladesch verwandeln.


Sasha Abramsky
Philosoph, Autor ("The Nation")

Abramsky: "Schuldzuweisungen an Sündenböcke" Zur Großansicht
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Abramsky: "Schuldzuweisungen an Sündenböcke"


Über den Kandidaten Trump:

Die gängige Meinung war mal, dass es ein Kandidat wie Trump, dessen Rhetorik sowohl grob als auch außerordentlich gefährlich ist, nicht über die ersten US-Vorwahlen hinaus schaffen kann. In einer Wahlsaison, in der alles darauf hindeutet, dass die Auguren der Partei KEINE Kontrolle mehr haben, könnte dies nicht mehr so funktionieren. Mir scheint es immer wahrscheinlicher, dass ein falscher "Outsider"-Kandidat wie Trump oder Ted Cruz die Vorwahlen mit genug Delegierten absolviert, um sich entweder die Nominierung zu sichern oder die Wahl des letztendlichen Kandidaten zu beeinflussen. Das wäre eine Katastrophe für die amerikanische Demokratie, denn Trumps Prämisse ist eine der Ausgrenzung. Es ist eine fundamental anti-demokratische Haltung und eine, die beispiellose Herausforderungen an den politisch-demokratischen Prozess in Amerika stellen würde.

Über den Präsidenten Trump :

Eine Trump-Präsidentschaft kann man sich nur mit Horror vorstellen. Seine Rhetorik im Wahlkampf hat Volksverhetzung in den politischen Mainstream gerückt. Seine Kandidatur beruht auf Schuldzuweisungen an Sündenböcke und implizierter Gewalt. In seiner Sprache finden sich Echos vergangener Pogrome. Würde er Präsident werden, bedeutete das einen erschreckenden Ruck in Richtung Autoritarismus und würde eine Sprache und Haltung staatlich gestützter Bigotterie legitimieren. Für tief verwurzelte Probleme verspricht Trump simplifizierende Schlägertyp-Lösungen mit eiserner Faust. Sollte er diese Versprechen nicht einhalten können, würde er meiner Meinung nach keine Wahl haben, als sich noch weiter nach rechts zu positionieren und neue Sündenböcke zu suchen, statt politische Lösungen zu finden. Es wäre ein verzweifelt dunkler Moment in der amerikanischen Geschichte.


William Kristol
Chefredakteur des konservativen Magazins "Weekly Standard"

Kristol: "Trumpismus ist ein zweitklassiges Cäsarentum" Zur Großansicht
Getty Images

Kristol: "Trumpismus ist ein zweitklassiges Cäsarentum"


Über den Kandidaten Trump:

Ist Donald Trump nicht allein ein Jünger des Reichtums statt ein Jünger der Freiheit, wie es der Konservatismus verlangt? Wird er nicht eher von der "Kunst des Deals" (so der US-Titel eines Trump-Bestsellers, d. Red.) animiert statt von der Regierungskunst? Ist er nicht immer schon ein Mann gewesen, der lieber ein Mitläufer der Geschichte ist statt sich ihr, wie es der konservative Vordenker William Buckley forderte, entgegenzustellen? Ist Donald Trump nicht die Ausgeburt der Vulgarität, wie sie ein wahrer Konservativer verachten muss?

Über den Präsidenten Trump :

"Trumpismus" ist ein zweitklassiges Cäsarentum, wie es die amerikanischen Konservativen immer verachtet haben. Ist es dann nicht Aufgabe der Konservativen von heute, sich dem "Trumpismus" entgegenzustellen und "Stopp!" zu rufen?



David Boaz
Vizepräsident des konservativen Thinktanks Cato Institute

Boaz: "Beunruhigende Vorstellung" Zur Großansicht
Matt Barrick/ Cato

Boaz: "Beunruhigende Vorstellung"


Über den Kandidaten Trump:

Viele Amerikaner glauben, es wäre besser, einen Geschäftsmann zum Präsidenten zu haben als einen Politiker. Doch der einzige Geschäftsmann, der verrückt genug ist, fürs Präsidentenamt zu kandidieren ist, nun ja, verrückt. Aus libertärer Sicht sind Trumps größte Verstöße gegen amerikanische Traditionen und unsere Gründungsprinzipien sein Nativismus und sein Versprechen der Ein-Mann-Herrschaft. Seit den Siebzigerjahren hat es keinen Präsidentschaftskandidaten mehr gegeben, der rassistische und religiöse Sündenbockpolitik in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes stellt. Amerika ist größtenteils deshalb eine außerordentliche Nation, weil wir es anstreben, uns über solche Vorurteile zu erheben, und Leben, Freiheit und das Streben nach Glück für alle garantieren.

Über den Präsidenten Trump:

Gleichermaßen beunruhigend ist Trumps Vorstellung der Präsidentschaft - sein Versprechen, der Erlöser zu sein, der Ritter auf dem Schimmel, der nach Washington reiten, die dummen Leute feuern, die besten Leute anheuern und so alles richten kann. Er spricht nicht von den Abläufen der Politik oder einer Zusammenarbeit mit dem Kongress. Er schwört im Prinzip, ein amerikanischer Mussolini zu sein, der die Macht in einem Trump'schen Weißen Haus konzentriert und per Ermächtigung regiert. Ich glaube, wir können sagen, dass dies ein Wahlkampf ist, der konservative Größen wie William Buckley, Barry Goldwater und Ronald Reagan entsetzt hätte.


Max Rosenthal
Reporter des linksliberalen Magazins "Mother Jones"

Rosenthal: "Es wäre der Triumph des Slogans" Zur Großansicht
Max Rosenthal

Rosenthal: "Es wäre der Triumph des Slogans"


Über den Kandidaten Trump:

Eine Kandidatur von Donald Trump würde belegen, wie kaputt unser politisches System ist. Wir ahnen das bereits. Aber wenn für Menschen, die die Nase voll haben von Regierungsfehlern und einem Mangel an Problemlösungen, wirklich Trump die beste Wahl sein sollte, zeigte dass, wie schlimm die Dinge stehen. Es wäre der ultimative Triumph der Slogans und des Ärgers über Amerikas Probleme über jeglichen ernsthaften Wunsch, sie wirklich zu lösen. Die gute Nachricht ist, dass er in einem Hauptwahlkampf möglicherweise klar verlieren würde. Die schlechte Nachricht ist, dass er auch eine 50:50-Chance haben könnte.

Über den Präsidenten Trump:

Das ist wirklich sehr schwer zu sagen, weil Trump keinerlei Ahnung davon zu haben scheint, wie die Dinge in der Regierung wirklich funktionieren. Vielleicht würde er einfach als glamouröse Überfigur agieren, mit großen Reden und einem Kurs, der das wirkliche Regierungshandeln seinen Beratern überlässt. In diesem Falle könnte es eine vergleichsweise gewöhnliche Präsidentschaft werden. Aber wie auch immer er innenpolitisch agieren würde, es scheint ziemlich klar zu sein: International würde ein Präsident Trump die Fähigkeit Amerikas ruinieren, die Lage der Welt zu beeinflussen. Die Konservativen beklagen sich, dass die USA unter Präsident Obama die Welt angeblich nicht angeführt haben. Aber wie sollte ein Präsident Trump auch nur ansatzweise mit anderen Staaten zusammenarbeiten, geschweige denn grundsätzlich den Weg der Diplomatie einschlagen? Wenn denn der amerikanische Einfluss wirklich im Schwinden begriffen ist, dann würde Trump ihn wohl komplett zerstören. Der Rest der Welt würde nach Wegen suchen, an den USA vorbei zu arbeiten.


Robert Mackey
Reporter der "New York Times"

Mackey: "Blinder Glaube in den Kandidaten" Zur Großansicht
Robert Mackey

Mackey: "Blinder Glaube in den Kandidaten"


Über den Kandidaten Trump:

Die Tatsache, dass Trump noch vor der ersten Vorwahl als klarer Kandidat auf republikanischer Seite ist, schreckt viele im politischen Zirkel auf. Alle suchen nach Erklärungen: Eine der gängigen Thesen ist, dass Trump abhängig ist von einer uninformierten, schlecht gebildeten Wählerschicht und sich die Sache irgendwann erledigt, weil viele dieser Unterstützer am Ende nicht zur Wahl gehen werden. Aber wenn die sozialen Medien auch nur ansatzweise ein Indikator dafür sind, wie Trumps Unterstützer ticken, dann scheint diese Zuschreibung nur bedingt zu stimmen. Seine Unterstützer sind demnach nicht uninformiert, sie sind nur anders informiert: Sie konsumieren riesige Mengen an jenen Fehlinformationen, die in Form von Verschwörungstheorien und ungenauen Berichten durch das Internet geistern. Das beste Beispiel dafür ist die Reaktion Trumps und seiner Unterstützer auf Kritiker, die seine These widerlegten, Fernsehsender hätten am 11. September 2001 den Jubel von Tausenden amerikanischen Muslimen gezeigt. Statt einzugestehen, dass solche Dinge nie passiert sind, machten sie eine Verschwörung der Medien aus, die Wahrheit zu unterdrücken. Unter seinen Anhängern herrscht ein blinder Glaube in den Kandidaten. Das ist beunruhigend.

Über den Präsidenten Trump:

Trotz der Entschlossenheit seiner Unterstützer hätte Trump in einem möglichen Wahlkampf gegen Hillary Clinton nicht den Hauch einer Chance. Die amerikanische Wählerschaft ist derzeit tief gespalten, aber eine knappe Mehrheit spricht sich für einen eher sozial-liberalen Kandidaten im Rennen um die Präsidentschaft aus. Die multiethnische, diverse und größtenteils junge Wählerkoalition, die Barack Obama zweimal ins Amt verhalf, wird massiv mobilisiert werden, sobald Donald Trump als Kandidat der Republikaner und Anführer der sozial Konservativen, der Fremdenfeindlichkeit und des unkontrollierten Großkapitals feststünde. Clinton wäre sicher keine Ideallösung auf demokratischer Seite, vor allem, weil sie weniger inspirierend ist als Obama es war und eine Rückkehr zum zentristischen Ethos ihres Mannes symbolisieren würde. Aber ganz abgesehen davon, dass viele Wählerinnen gerne die erste Präsidentin ins Weiße Haus wählen möchten, würde die Angst vor einer Trump-Präsidentschaft den sozialliberalen Teil der Wählerschaft regelrecht zu den Urnen zwingen.

Protokolle: Marc Pitzke, Veit Medick

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US-Vorwahlen

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insgesamt 80 Beiträge
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1.
herbert_schwakowiak 01.02.2016
Die gute Frau Coulter hat wohl vergessen, dass so gut wie alle Amerikaner Immigranten(nachkommen) sind, und die große Mehrheit war ziemlich verarmt bei der Ankunft.
2. Wenn der Herr Trump Präsident wird...
globalundnichtanders 01.02.2016
...dann hat er die Chance und die Macht die Erde in den Abgrund zu reissen. Erschreckend dass die Amerikaner duem durchaus positiv gegenüber stehen.
3.
misterknowitall 01.02.2016
Jede National wählt den Kandidaten, der am Besten zu Ihnen passt. Mein Gott, die hatten doch schon Bush als Präsidenten, haben die nichts gelernt? Oder ist das nur republikanisches Kettenrasseln?
4. Ich wette dennoch...
Tiberias 01.02.2016
...das Trump gewinnt. Heute gilt die Devise: "Wer am lautesten und schrillsten schreit, gewinnt". Dies gilt in den USA genauso wie in Deutschland.
5. Funktional
Ossifriese 01.02.2016
"...Halleluja! Die Amerikaner flehen danach, dass die endlose Überflutung unseres Landes durch dysfunktionale Kulturen nach Jahrzehnten ein Ende findet..." Witzig, wenn man bedenkt, dass das heutige US-Amerika (denn auch die Menschen im südlicheren Kontinent sind Amerikaner!) von Immigranten vor allem aus Europa bestimmt wird, und dass diejenigen, die eine wirkliche Überflutung ertragen mussten und müssen, die indianischen Ureinwohner sind, hat die Einstellung der Frau Coulter etwas Seltsames. War es nicht bisher der Stolz der USA eine Glorifizierung der Pioniere und Siedler? Die kamen nun aber alle als Zuwanderer... zum Teil auch mit "dysfunktionalen" Ethiken.
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