Netz-Legende Patronen und Schweineblut - was steckt hinter Trumps Pershing-Tweet?

US-Präsident Trump verbreitet nach dem Anschlag von Barcelona eine krude Netz-Legende um einen US-General. Sie erzählt von Schweineblut und hingerichteten Terroristen. Die Fakten.

General John J. Pershing
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General John J. Pershing

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Kurz nach dem Terroranschlag in Barcelona hat Trump getwittert, beim Umgang mit Terroristen das Vorgehen von US-General John Pershing zu beachten. Es hätte danach 35 Jahre lang keinen islamistischen Terror mehr gegeben.

Was soll Trump zufolge passiert sein?

Was genau studiert werden soll, ließ Trump offen. Allerdings hatte er schon im Wahlkampf 2016 die Legende um John J. "Black Jack" Pershing (1860-1948) zitiert. Damals hatte Trump behauptet, General Pershing hätte Anfang des 20. Jahrhunderts 50 Terroristen festgenommen und sie - bis auf einen - mit Projektilen exekutieren lassen, die zuvor in Schweineblut getaucht worden waren. Der Überlebende sollte die Ereignisse weitertragen. Danach hätte es 25 Jahre lang keine Probleme mit Terrorismus gegeben.

In anderen Versionen der Geschichte sollen die getöteten Rebellen mit toten Schweinen begraben worden sein. Das Blut der nach muslimischem Glauben unreinen Tiere sollte den Getöteten den Weg ins Paradies verwehren - so die Legende. Die Geschichte um den Armeegeneral, der auf diese Art Aufstände auf den Philippinen unterdrückt haben soll, kursiert seit 2001 im Netz und ist mittlerweile von vielen Historikern als unglaubwürdig eingestuft worden.

Vor welchem historischen Hintergrund sollen die Ereignisse stattgefunden haben?

Ereignet haben soll sich die Geschichte um 1911. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg Ende des 19. Jahrhunderts hatten die USA die Spanier als Kolonialmacht auf den Philippinen abgelöst und in einem weiteren Krieg die philippinische Unabhängigkeitsbewegung besiegt. Danach kam es jedoch immer wieder zu Aufständen gegen die amerikanischen Besatzer, auch in der überwiegend muslimischen Moro-Provinz, die von 1909 bis 1913 von General Pershing verwaltet wurde.

Was sagen Historiker zu Trumps Geschichte?

Die Website Politifact hatte Trumps Behauptung schon 2016 nach seinem Wahlkampfauftritt einem genauen Faktencheck unterzogen und dazu acht Historiker befragt, die sich mit dieser Zeit befassen und mindestens große Zweifel an der Geschichte haben. Demnach gibt es keine historischen Beweise für die Exekutionen mit in Schweineblut getränkten Projektilen. "Diese Geschichte ist konstruiert und schon seit Langem diskreditiert. Ich wundere mich, dass sie immer noch die Runde macht", sagt der Militärhistoriker Brian McAllister Linn. Auch James R. Arnold, der ein Buch über die Aufstände in der Moro-Provinz verfasst hat, sagte laut New York Times: "Dies ist eine oft wiederholte Legende, die nicht wahr ist."

Es existiere zwar ein Brief eines ehemaligen Soldaten auf den Philippinen, der 50 Jahre später schildert, wie Pershing einen Aufständischen zusammen mit einem toten Schwein in ein Grab werfen ließ. Doch an dem Wahrheitsgehalt des Briefes haben Historiker Zweifel, da er erst 1960 geschrieben wurde. Anderen Experten zufolge sei Pershing gar nicht so brutal gewesen, wie von Trump dargestellt. Vielmehr hätte er vor allem auf Verhandlungen mit der Bevölkerung gesetzt.

Allerdings gibt es andere Berichte, die beschreiben, wie amerikanische Soldaten auf den Philippinen bewusst versucht haben sollen, durch Hantieren mit Schweineblut Muslime einzuschüchtern. Laut dem Historiker Christopher Capozzola soll auch Pershing einmal einen Schweinekopf zu einer Waffenstillstandsverhandlung mitgebracht haben. Allerdings sei ihm kein Ereignis bekannt wie Trump es beschreibt, so der Historiker zum "Time"- Magazin.


Im Video: Trumps umstrittener Tweet

Ganz davon abgesehen, dass Trump mit seiner Schweineblut-Geschichte wieder einmal Vorurteile über Muslime bedient, ist unklar, wie religiös die Aufständischen tatsächlich waren und ob Schweineblut überhaupt einen solchen psychologischen Effekt hätte haben können. Schließlich sei auch Trumps Aussage über 25 friedliche Jahre nicht zu halten, so Politifact, denn auch nach 1911 seien die gewaltsamen Aufstände noch jahrelang weitergegangen.

Und so scheint sich Trump selbst nicht sicher zu sein, wenn es um die Dauer der "terrorfreien" Jahre geht: Sprach er 2016 noch von 25 Jahren, waren es in seinem Tweet von Donnerstag schon 35.



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