Präsidenten-Pastor im Interview "Donald Trump versucht, das Richtige zu tun"

Unter Donald Trump boomt die religiöse Rechte in den USA. Pastor Robert Jeffress ist ein Vertrauter des Präsidenten. Hier verteidigt er ihn gegen Kritik und erklärt, warum Trump auch die nächste Wahl gewinnen werde.

OLIVIER DOULIERY/ EPA/ REX/ SHUTTERSTOCK

Ein Interview von


US-Präsident Donald Trump setzt mehr und mehr auf die Unterstützung evangelikaler Christen. Die religiöse Rechte erlebt unter ihm eine neue Blütezeit. Sie stimmten bereits 2016 mit großer Mehrheit für ihn, sie sollen ihm auch bei der nächsten Präsidentenwahl zum Sieg verhelfen.

Evangelikale Christen machen laut Schätzungen etwa 26 Prozent der US-Bevölkerung aus, viele von ihnen halten die USA vor allem für eine christliche Nation, setzen auf scharfe Gesetze gegen Abtreibungen und treten für die Todesstrafe ein. Pastor Robert Jeffress aus Texas ist ein enger Vertrauter des Präsidenten. Trump und er beten gemeinsam im Oval Office, er berät den Präsidenten in religiösen Fragen. Der Chor seiner Kirche, First Baptist Dallas, führt in seinem Repertoire ein Trump-Jubel-Lied mit dem Titel "Make America Great Again".

Jeffress ist regelmäßig bei Trumps konservativem Lieblingssender "Fox News" zu Gast. Er nannte Trump ein "Geschenk Gottes" und äußerte sich kritisch über Homosexualität, die katholische Kirche und den Islam. Unlängst sorgte er für Aufsehen, als er erklärte, Gott habe Trump die "Autorität" verliehen, Nordkoreas Diktator Kim Jong Un auszuschalten.

Jeden Sonntag predigt Jeffress in einer riesigen Halle im Zentrum von Dallas vor bis zu 5000 Gläubigen, zumeist Weiße. Die First Baptist ist eine sogenannte "Megachurch" mit 13.000 Mitgliedern, die Gottesdienste werden über evangelikale TV-Stationen und Hunderte von Radiosendern in die gesamten USA übertragen.

Wie denken diese Trump-Fans? Was treibt sie an? Nach dem Gottesdient bittet Jeffress in sein Büro. In einer Vitrine steht ein Bild, das ihn mit Donald Trump zeigt. Im Interview gibt er Einblicke in das Denken evangelikaler Christen in den USA. Er erklärt, warum so viele von ihnen Trump unterstützen und warum er glaubt, dass Trump noch lange Präsident bleiben wird.

Lesen Sie hier das komplette Interview.


SPIEGEL ONLINE: Pastor Jeffress, Sie äußern sich häufig auch kontrovers zu gesellschaftlichen Debatten in den USA. Wie geht es Amerika Ihrer Ansicht nach gerade?

Robert Jeffress: Amerika war viele, viele Jahrzehnte in einer tödlichen Abwärtsspirale gefangen, weil sich das Land von Gottes Worten lösen wollte. Amerika wurde auf der Grundlage biblischer Werte und klarer moralischer Prinzipien gegründet. Aber die Säkularisten haben vor 50 Jahren ein Experiment begonnen, sie wollten unser Land von Gott lösen, um zu sehen, ob wir auch ohne ihn klarkommen. Sie wollten jedem die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, was moralisch richtig und was falsch ist. Dieses Experiment ist schrecklich gescheitert. Harvey Weinstein, der Hollywood-Produzent, ist keine Anomalie, kein Unfall, sondern er ist ein Produkt dieses Denkens der liberalen Linken. Die Wahl von Donald Trump gibt uns Christen Hoffnung, weil er sich für christliche Werte einsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Was hat sich Ihrer Ansicht nach geändert, seit Trump an der Regierung ist?

Jeffress: Ganz wichtig: Trump hat Neil Gorsuch zum Richter am Obersten Gerichtshof, dem Supreme Court, ernannt. Der Hauptgrund, warum evangelikale Christen Donald Trump in der Wahl unterstützt haben, war sein Versprechen, für die Einsetzung neuer konservativer Richter zu sorgen. Wir Christen wissen, dass die Themen, die uns wichtig sind, wie Religionsfreiheit oder der Schutz des Lebens, letztlich in den Gerichten entschieden werden. Trump hält sich an sein Versprechen, indem er konservative Richter ernennt, am Supreme Court in Washington, aber auch an Bundesgerichten im ganzen Land.

Pastor Robert Jeffress
AFP

Pastor Robert Jeffress

SPIEGEL ONLINE: Unlängst erklärten Sie, Trump sorge dafür, dass das gespaltene Land wieder geheilt werde. Wie meinen Sie das?

Jeffress: Als ich den Präsidenten unlängst im Weißen Haus besucht habe, um für die Opfer der Hurrikans zu beten, sagte er mir, wir sollten auch für die Heilung unseres Landes beten. Das war nur wenige Wochen nach den Vorkommnissen in Charlottesville. Er weiß genau, dass unser Land tief gespalten ist. Ich kenne Donald Trump, er ist nicht so, wie er in den Medien oft dargestellt wird. Er will wirklich das Land zusammenbringen und versöhnen. Und ich glaube, ihm ist bewusst, dass unser Land letztlich auch spirituelle Heilung braucht.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt viele Menschen, die das anders sehen als Sie, die glauben, dass er das Land nicht versöhnt, sondern nur weiter spaltet. So wie in seiner Reaktion auf die Ereignisse in Charlottesville.

Jeffress: Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass ich glaube, dass seine Aussagen zu Charlottesville genau richtig waren.

SPIEGEL ONLINE: In Charlottesville sind Neo-Nazi-Gruppen aufmarschiert. Dagegen wurde protestiert. Trump hat gesagt, dass es auf beiden Seiten "gute Menschen" gegeben habe.

Jeffress: Er hat gesagt, dass es Rassismus und Hass auf beiden Seiten und in unterschiedlichen Formen gibt. Das muss offen angesprochen werden, wenn wir wollen, dass unser Land wieder zusammenfindet. Seien Sie versichert: Er hat häufig Neo-Nazis und weiße, rassistische Gruppen verurteilt. Ich kenne den Präsidenten. Er hasst solche Sachen.

Robert Jeffress betet mit Donald Trump im Oval Office
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Robert Jeffress betet mit Donald Trump im Oval Office

SPIEGEL ONLINE: Auf Twitter attackiert Donald Trump unentwegt seine Kritiker, er verhöhnt sie. Er macht sich über die Körpergröße von Senator Bob Corker lustig, nennt ihn "Liddle Bob". Glauben Sie, das ist der angemessene Ton für einen Präsidenten?

Jeffress: Als die Menschen für Präsident Trump gestimmt haben, wussten sie genau, was sie bekommen würden. Ich glaube, dass Menschen seinen Ansatz erfrischend finden. Nicht alle Menschen, aber viele.

SPIEGEL ONLINE: Zum Thema Abtreibungen: Erkennen Sie, dass es da unter Donald Trump einen grundsätzlichen Politikwechsel gibt?

Jeffress: Ja. Das ist das einzige soziale Thema, bei dem die Menschen immer konservativer werden. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass das wirkliche Menschen in der Gebärmutter der Frau sind, nicht nur biologische Tropfen. Meine Tochter bekommt übrigens gerade Drillinge. Es gibt eine Debatte in unserem Land, ob ein Baby im Alter von 20 Wochen oder 24 Wochen aus der Gebärmutter gerissen und zerstückelt werden darf. Das ist barbarisch und die Meinung in Amerika zu diesem Thema verändert sich gerade.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass der Präsident...

Jeffress: ...der Präsident ist sehr klar "Pro-Leben", also gegen Abtreibungen. Und er ernennt "Pro-Leben"-Richter. Er steht zu seiner Verpflichtung.

First Baptist Church in Dallas, Texas
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First Baptist Church in Dallas, Texas

SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen haben Donald Trump bislang nicht als sehr religiösen Menschen wahrgenommen. Wie erklären Sie sich diese Wandlung?

Jeffress: Ich glaube, das war ein Prozess, der sich über die vergangenen Jahre vollzogen hat. Er hat mit vielen religiösen Führern im Land gesprochen. Er ist ein Verfechter der Religionsfreiheit, und zwar für Menschen aller Glaubensrichtungen. Das ist kein Wahlkampfthema für ihn, das ist ihm sehr wichtig. Er glaubt an die Freiheit der Menschen, ihren Glauben jederzeit leben zu dürfen, nicht nur sonntags in der Messe, sondern ihr ganzes Leben lang.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben unlängst mit dem Präsidenten zusammen gebetet. Dabei haben Sie Ihre Hand auf ihn gelegt. Was hat das zu bedeuten?

Jeffress: Das ist nicht so wichtig. Das ist nichts Magisches oder so. Es ist eine christliche Tradition. Man legt die Hand auf als Zeichen der Unterstützung. Ich war im Oval Office und habe erst gezögert, ihn zu berühren. Aber er hat gesagt: "Mach ruhig. Das macht meine Jacke wertvoller." Er hat einen tollen Sinn für Humor.

SPIEGEL ONLINE: Eines der wichtigsten Projekte von Donald Trump ist der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Unterstützen Sie ihn darin?

Jeffress: Ja, zu einhundert Prozent. Es steht so in der Bibel geschrieben: Die Regierung hat die Pflicht, die Bürger zu schützen. Am Tag seiner Amtseinführung habe ich in meiner Predigt das Beispiel von Nehemia angeführt. Er war ein Geschäftsmann und wurde von Gott beauftragt, Israel wiederaufzubauen. Ich habe Trump gesagt: Nehemia errichtete eine Mauer um Jerusalem, um seine Bewohner zu schützen. Gott ist nicht gegen den Bau von Mauern. Da hat er gelacht. Aber es ist wahr.

SPIEGEL ONLINE: Der Papst ist anderer Meinung. Er hat zu Trumps Plänen gesagt, es sei "unchristlich", Mauern zu bauen.

Jeffress: Der Papst liegt da total falsch, und das ist heuchlerisch. Es gibt Mauern im Vatikan, der Papst hat seine eigene Wache, die ihn beschützt. Wenn der Papst das wirklich glaubt, was er sagt, dann sollte er die Mauern niederreißen und seine Garde entwaffnen. Mal sehen, ob er das macht.

Roland Nelles, Robert Jeffress
SPIEGEL ONLINE

Roland Nelles, Robert Jeffress

SPIEGEL ONLINE: Präsident Trump hat noch nicht viele seiner Versprechungen umsetzen können: Weder gibt es Geld für die Mauer, noch war er bei der Reform des Gesundheitswesens erfolgreich. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Jeffress: Das ist nicht die Schuld des Präsidenten, sondern die des Establishments der republikanischen Partei. Der Grund, weshalb Trump bei der Wahl so viel Unterstützung bekam, war, dass er kein typischer Republikaner ist. Er ist kein Ideologe. Er ist ein starker Anführer, und ich glaube, viele in der Partei kämpfen offen oder verdeckt gegen ihn, weil sie ihn grundsätzlich ablehnen. Er hat die unverzeihliche Sünde begangen, zu zeigen, wie unwichtig sie sind. Die Bürger sind für ihn, nicht für sie. Diese Leute sollten endlich aufhören, die Agenda des Präsidenten zu blockieren. Denn es ist unsere Agenda.

SPIEGEL ONLINE: In der Außenpolitik hat der Präsident traditionell mehr Freiheiten. Sie haben gesagt, Gott habe Donald Trump die Autorität gegeben, Kim Jong Un zu stürzen oder auch zu töten. Wie meinen Sie das?

Jeffress: In der Bibel steht im Kapitel Römer 13, dass Gott Regierungen die Verantwortung dafür erteilt, an jenen Rache zu üben, die teuflische Taten begehen. Deshalb hat Gott der Regierung auch das Recht gegeben, das Leben der Übeltäter zu nehmen, entweder durch die Todesstrafe oder durch Krieg, wenn es denn so etwas wie einen gerechten Krieg gibt. Und deshalb hat Donald Trump laut Bibel die moralische Autorität, alles zu unternehmen, um die Bedrohung, die von Kim Jong Un ausgeht, zu neutralisieren. Entweder durch Krieg oder durch eine gezielte Tötung.

SPIEGEL ONLINE: In Umfragen sind die Zustimmungswerte für den Präsidenten sehr niedrig, nur knapp über 30 Prozent der Amerikaner unterstützen ihn noch. Glauben Sie, dass Trump für weitere vier Jahre wiedergewählt wird?

Jeffress: Ja. Zustimmungswerte sagen nicht alles. Auch vor der Wahl im vergangenen Jahr hatte er niedrige Zustimmungswerte, aber dann wurde er doch von sehr viel mehr Menschen gewählt. Die Leute äußern sich kritisch in Umfragen, aber das bedeutet nicht, dass sie gegen ihn stimmen würden, wenn sie nur die Auswahl zwischen A und B haben. Außerdem bin ich mir sicher: Selbst wenn die Wahl heute wäre, Trump würde sofort wieder gewinnen. Ich habe ihm jedenfalls gesagt, dass evangelikale Christen ihn bei der nächsten Wahl sicher in noch größerer Zahl wählen werden. Der Präsident versucht, das Richtige zu tun.



insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
benmartin70 25.10.2017
1.
Gruselig - da haben sich die beiden richtigen gefunden.....
Elrond 25.10.2017
2. Pastor Jeffreys
Soll das eine Drohung sein? So viel Würdelosigkeit, Humorlosigkeit und Spaltung sollen also noch über vier Jahre hinausgehen. "Donald Trump versucht, das Richtige zu tun", dabei ist er nicht einmal im richtigen Amt.
KApolista 25.10.2017
3. Das kalte Grausen
Bei diesem Interview läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Ich hoffe, dass dieser "Christ" schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen landet.
reznikoff2 25.10.2017
4. hm
vielleicht sollte er besser beten anstatt Interviews zu geben...
svetlana_borowka 25.10.2017
5. Du lieber Gott!
Und dieser weltfremde und unglaublich rückständige Gottesdiener spricht in der Tat für ca, die Hälfte der Amerikaner. Wenn Europa weiß was gut für es ist, dann findet es sich damit ab, dass in den USA erst mal die modernen und fortschrittlichen 50% die mittelalterlichen 50% überwinden müssen, bevor dieses Land wieder ein verlässlicher Partner sein wird. Die USA, einst das modernste Land der Welt, bis einen Riesenanteil der Menschen ca. 1950 aufhörte sich zu entwickeln und da stecken die heute noch. Ich war kürzlich in New York, die Menschen dort teilen die USA ganz klar in zwei Teile ein: Modern und aufgeschlossen und Mittelalter. Und diese beiden Richtungen bekommt man nur durch zweierlei Art wieder zusammen: Entweder Leute wie dieser Pastor kommen endlich im 21 Jahrhundert an oder man schießt die anderen wieder zurück ins 19 Jahrhundert. Und genau das hätte dieser Pastor Jeffress gerne.
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