Trumps verstörende Antrittsrede Keine Angst, der will nur dealen

Mit seiner Antrittsrede versetzt Donald Trump den Westen in Angst. Aber wenn Europa auf den neuen US-Präsidenten trotzig und panisch reagiert, tut es genau, was er bezweckt.

Donald Trump
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Ein Kommentar von , Washington


Am Vorabend seiner Inauguration besuchte Donald Trump in Washington, D.C., das Denkmal von Abraham Lincoln. Wie so vieles, so war auch dieses symbolträchtige Bauwerk für ihn nichts als Kulisse. Er stellte sich kurz in den Schatten von Lincolns Statue, die Biker spielten und ein paar Countrymusiker und als alles vorbei war, stieg hinter dem Denkmal ein großes Feuerwerk auf.

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Heft 4/2017
Die neue Weltordnung

Es wäre schön gewesen, hätte Donald Trump sich von Abraham Lincoln wirklich inspirieren lassen. Von ihm hätte er lernen können, wie sich auch in finstersten Stunden eine Vision von Freiheit und Versöhnung entwerfen lässt. Lincolns Leitbild einer Regierung, die vom Volk geführt und für das Volk gemacht ist, durchströmt bis heute die amerikanische DNA. Auch Trump brachte in seiner Rede ein paar Mal das Wort "Volk" unter, aber allein deshalb von einer Anlehnung an den Urvater der amerikanischen Nation zu sprechen, wäre ein bisschen viel. Trump war am Freitag eher Darwin als Lincoln.

Wohl noch nie hatte die Antrittsrede eines US-Präsidenten einen radikaleren und martialischeren Ton. Amerika, einzig und allein. Härte, nichts anderes zählt. Das war der Kern der Botschaft. Trump gab sich als ultranationalistischer Führer, der seinem Land "den totalen Gehorsam" verspricht, die politische Elite verachtet und auf dem Planeten wieder das Recht des Stärkeren durchsetzen will. Wir haben lange genug geblutet. Jetzt sind mal die anderen dran - so lautete Trumps Grußbotschaft.

So erschreckend und beunruhigend der Auftritt war, er war auch ein Lehrbeispiel dafür, wie Trump funktioniert. Sein gesamtes Politikverständnis basiert auf Einschüchterung und Eskalation, und der Grad seiner Aggressivität bemisst sich stets an den Dimensionen des Resonanzraums. Je größer das Publikum, desto härter gibt er sich. Und je härter er sich gibt, desto größer der Effekt.

Trump spielt Amerikas Rächer

Die Inauguration war in dieser Hinsicht die Klimax der trumpschen Kampagne. Nie haben ihm mehr Menschen zugeschaut. Und anstatt in seinem Vorstellungsgespräch ein paar nette Worte von sich zu geben, spielt er Amerikas Rächer und versetzt die Welt in einen Schockzustand. Noch vor jeder konkreten politischen Maßnahme herrscht nun allseits Angst. Trump hat mit einer einzigen Rede alle Freunde und Feinde dort, wo er sie haben will: im Erdloch.

Ja, man kann Trumps Auftritt als weiteren Beleg seiner Unberechenbarkeit sehen. Aber die Ironie ist, dass in dieser Unberechenbarkeit eine große Berechenbarkeit liegt. Der US-Präsident agiert stets so, wie niemand es für möglich hält. Wenn es etwas gibt, das einem ansatzweise die Sorge vor Trump nehmen kann, dann vielleicht das: Er geht in der Regel über die rote Ampel. Gewöhnen wir uns endlich dran.

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Für Europa stellen sich in der Ära Trump viele Fragen, vor allem jene, wie es auf den neuen US-Präsidenten reagieren soll. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber jene Ansätze, die in Brüssel und Berlin derzeit kursieren, wirken nicht sehr vielversprechend. Europa, so heißt es, müsse sein Schicksal nun "in die eigene Hand" nehmen - ganz so, als sei Europa bislang ein kleines Schisserchen und die USA die alleinigen Erziehungsberechtigten gewesen, von denen es sich fortan zu emanzipieren gilt.

Wer das Mantra verwendet, muss es auch mit konkreter Politik füllen. Das "Schicksal in die eigene Hand zu nehmen" hieße, von selbst die transatlantische Partnerschaft infrage zu stellen, von selbst eine europäische Armee aufzubauen, von selbst an der Nato herumzureformieren und amerikanische Importe womöglich mit Zöllen zu versehen. Diese Vorstellung basiert auf dem Wunsch, es dem Milliardär heimzuzahlen.

Aber agierten wir so, würden wir in vorauseilendem Gehorsam Trumps Arbeit erledigen, noch bevor der US-Präsident wirklich angefangen hat zu arbeiten. Trump liebt es zu verhandeln. Der aus seiner Sicht beste Deal wäre, wenn alle schon ihre Verhandlungsmasse aufgäben, noch bevor das erste Gespräch geführt wurde.

Trump stellt dem Westen eine Falle. Trotz und Panik helfen nicht weiter. Mehr Sinn macht es, Trump nüchtern und selbstbewusst gegenüberzutreten - und auf seine ersten Züge zu warten.

Denn lässt man seine Drohgebärden mal beiseite, so wird klar, dass er selbst es eigentlich ist, der vom Rest der Welt etwas will: mehr Geld für Verteidigung, neue Regeln für den Handel, neue Allianzen und Partnerschaften, Veränderungen beim Klimavertrag und dem iranischen Atomabkommen. Ganz alleine wird auch er - der große Zen-Meister - Schwierigkeiten haben, auf diesen Feldern Erfolge zu erzielen. Wer fordert, muss ein Angebot vorlegen.

Lassen wir ihn doch erst mal kommen.

IM VIDEO: Die wichtigsten Ausschnitte aus Trumps Inaugurationsrede

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insgesamt 246 Beiträge
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joes.world 21.01.2017
1. Nun kommen die Tage der Taten
Dass er ein aktiver Präsident werden wird, keine Verwalter wie Merkel, niemand der zu sieht wie sein Land und die für dieses wichtigen Bündnisse langsam den Bach hinunter gehen - das alles kam klar in seiner Rede bei der Angelobung zum Ausdruck. Durch ihre Direktheit war es eine beeindruckende Rede und man wird schon in ein, zwei Jahren, an den ersten Auswirkungen seiner Politik, sehen ob ihm gelingt, was er, mit Macht, versuchen wird umzusetzen. Die USA stehen in einer untrennbaren Allianz mit GB, CAN, Australien und Neuseeland. Nicht nur ihre Waffen, sondern auch die Arbeit ihrer Dienste müssen addiert werden. Und stehen im Notfall jedem dieser 5 engen Freunde zur Verfügung. Wirtschaftlich müssten sich die deutschen Arbeitnehmer nicht fürchten, egal was unsere Regierung ihnen einzureden versucht. Denn Deutschland ist ein Hochpreisland in der Produktion. Trump aber, will die Auslagerung in Billiglohnländer wie den fernen Osten und Mittelamerika, nicht mehr länger hinnehmen. Das könnte den deutschen Arbeitnehmern sogar zu Gute kommen. Dann nämlich, wenn die Produktion deutscher Autos in Mexiko, durch die neuen Zölle, zu teuer wird. Und unsere Autobauer deshalb mehr Autos bei uns bauen. Das wird zwar die Manager der Autobauer weniger freuen, weil dann ihre Bonis geringer werden, aber da trifft es ja wahrlich keine Armen. Trump hat also überhaupt kein Problem mit den 81 Millionen Deutschen. Er erwähnte sogar, dass sein Vater Deutscher gewesen sei. Und auf seinem Arbeitstisch im Trump-Tower steht ein Bild seines Vaters. Wenn Trump ein Problem hat, dann höchstens mit Merkel. Und ich als Deutscher sehe nicht ein, wieso das Problem einer einzigen Frau (und ihrer kleinen Gruppe an Getreuen) mit dem neuen, tatkräftigem Mann an der Spitze des mächtigsten Land dieser Welt, auch zum Problem aller Deutschen werden sollte. Ich unterscheide klar zwischen den Zielen der USA und unserem Wohl, einerseits. Und zwischen der, gleich beim ersten Telefonat gestörten Beziehung, zwischen Merkel und ihm, andererseits. Merkel ist nicht Deutschland.
singpat 21.01.2017
2. Richtig
Soll er erst einmal kommen. Etwas mehr Selbstbewusstsein stuende uns gut an. Hilft generell bei Populisten.
PrincipeAzzurro 21.01.2017
3.
"Der aus seiner Sicht beste Deal wäre, wenn alle schon ihre Verhandlungsmasse aufgäben, noch bevor das erste Gespräch geführt wurde." Völlig korrekt. Keine Panik. Aber auch kein "business as usual" mehr. Vielleicht weckt Trump die EU endlich auf. Und am Ende sagt "Old Europe" (Donald Rumsfeld): "Yes we can".
observerlbg 21.01.2017
4. Da mach ich überhaupt kein Kopp....
...Dank unserer Kanzlerin sind wir Deutsche da schon gut aufgestellt. Die erschüttert nix. Das einzige, watt ich da befürchte ist, dass sie die Millionen US-Emigranten zu uns einlädt. Aber das schaffen wir auch noch ;-) Nee, ma Spaß beiseite: Frau Merkel und Donald Trump werden noch richtig gute Freunde, und das ist es, was mir Angst macht.
INGXXL 21.01.2017
5. Warten wir
doch die ersten 100 Tage ab, dann kann man abschätzen was er von seinen Ankündigen umsetzen kann
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