Tippfehler aus Weißem Haus Wie ein einziger Buchstabe die Welt irritiert

Tippfehler passieren, auch im Umfeld Donald Trumps. Meist kann man darüber schmunzeln. Doch diesmal hat ein falsches "s" aus dem Weißen Haus politisches Gewicht. Großes Gewicht.

Donald Trump
JIM LO SCALZO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Donald Trump


Wer viel tippt, macht auch Fehler, SPIEGEL-ONLINE-Journalisten genauso wie ihre Kolleginnen und Kollegen anderswo. Nicht immer werden sie vor Veröffentlichung erkannt, das ist dann peinlich und manchmal lustig.

Auch in der Politik bleiben Tippfehler nicht aus. Ein Lapsus des Weißen Hauses in Washington allerdings könnte mehr gewesen sein als nur ein Ausrutscher auf der Tastatur.

Kurz nachdem Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu am Montag erklärt hatte, Iran habe in der Vergangenheit ein geheimes Atomwaffenprogramm unterhalten (was bekannt war) und die Unterlagen dazu in Teheran versteckt, gab das US-Präsidialamt eine fehlerhafte Mitteilung heraus.

Hat? Oder hatte?

"Iran hat ein umfängliches geheimes Atomwaffenprogramm", hieß es in einer offiziellen Pressemeldung und in einem dazugehörigen Tweet. Das allerdings hatte nicht einmal Netanyahu in seiner umstrittenen Pressekonferenz behauptet.

Nachträglich und ohne offizielle Korrektur machte das Weiße Haus aus dem Wörtchen "has" ein "had", aus "hat" also "hatte", den Tweet löschte der Pressestab. Aus einem angeblich andauernden Programm - was ein klarer Bruch des Atomabkommens wäre - wurde so ein gestopptes Programm, über das die Welt seit Langem Bescheid wusste.

Versuchte die US-Regierung hier, Stimmung gegen Iran zu machen und das "Wasser zu trüben", wie ein Berater des früheren US-Präsidenten Obama erklärte? Oder war es ein "Schreibfehler", wie es das Weiße Haus auf Nachfrage von US-Journalisten erklärte?

Unplausibel klingt letztere Erklärung nicht, denn Fehler unterlaufen den Schreibern im Weißen Haus häufiger - genau wie ihrem Chef, US-Präsident Donald Trump. Die BBC listet auf:

  • Kurz vor einer Nahost-Reise Trumps im Mai 2017 schrieb das Weiße Haus, der Präsident "fördere die Möglichkeit eines haltbaren Pfirsichs" ("promote the possibility of a lasting peach"), natürlich war eigentlich "Frieden" ("peace") gemeint.
  • In einer Liste der Terrorangriffe weltweit schlich sich ein Buchstabendreher bei "Denmark" ("Denmakr") ein, beim Wort "Angreifer" ging ein "c" verloren ("attaker" statt "attacker").
  • Und vor dem Besuch der britischen Regierungschefin Theresa May in Washington wurde deren Vorname mehrfach falsch, nämlich ohne "h", geschrieben. Wie der britische "Independent" feststellte, ist das dann auch der Name eines in der Szene bekannten Pornostars.
  • Außerdem verlinkte der US-Präsident eine unbekannte Theresa May aus Sussex in England in einem Tweet, was der Frau plötzlich und ungewollt große Aufmerksamkeit bescherte.
  • Und natürlich Trumps bekanntester Tippfehler und - womöglich - seine global bislang beliebteste Handlung als Präsident: In einem Tweet im Mai 2017, der sich mal wieder gegen die Medien richtete, schrieb Trump von der "negative press covfefe".
Donald Trumps - gelöschter - "covfefe"-Tweet gegen die Medien
DPA

Donald Trumps - gelöschter - "covfefe"-Tweet gegen die Medien

Einige Tage lang beschäftigten sich weltweit Menschen mit Erklärungsversuchen: Was ist nur ein "covfefe"? Vielleicht stimmt ja dieser Eintrag aus dem "Urban Dictionary":

"Wenn du eigentlich 'coverage' sagen willst, aber deine Hände zu dick und zu klein sind, um alle Buchstaben auf deiner Tastatur zu treffen."

Dafür, dass im Weißen Haus so viele Tippfehler passieren, macht eine BBC-Reporterin die Arbeitsorganisation unter Trump verantwortlich. Es gebe nur eine "Rumpfmannschaft", weil Trump keine Fremden möge, meint sie. Das Personal sei zu knapp bemessen, darum übermüdet, und es würden sich deshalb mehr Fehler einschleichen als sonst.

cht

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