US-Präsident Die vier fiesen Tricks des Donald Trump

Donald Trump ist eitel und impulsiv - aber auch berechnend. In fast jedem Konflikt folgt der US-Präsident einer Reihe von Verhaltensmustern, die er sich in seiner Zeit als Geschäftsmann antrainiert hat.

Donald Trump
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Von , Washington


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Er droht mit Krieg gegen Nordkorea, er beleidigt den wichtigen Senator Bob Corker, er demütigt seinen eigenen Außenminister: Donald Trump stiftet als US-Präsident reichlich Unruhe und verunsichert Freund und Feind.

Warum nur? Natürlich ist Trump eitel und impulsiv. Manch einer zweifelt sogar an Trumps geistiger Zurechnungsfähigkeit. Trump ist aber eben auch eiskalt berechnend.

Je länger Trump im Amt ist, desto deutlicher wird, dass er als Präsident Taktiken und Verhaltensmuster übernimmt, die er sich in seiner Zeit als Immobilientycoon angeeignet hat. Sie sind nur begrenzt auf die Politik übertragbar. Aber Trump glaubt offenbar fest daran, dass er damit auch im Weißen Haus zum Erfolg kommen kann.

Konkret wendet Trump vier Taktiken an:

1. Das Verwirrspiel: Seit seiner Zeit als Immobilientycoon glaubt Trump, dass sich Verhandlungspartner oder Gegner durch eine Mischung aus widersprüchlichen Aussagen, Drohungen und starken Sprüchen irritieren und einschüchtern lassen. Im Konflikt mit Nordkorea macht er immer neue Andeutungen über eine möglicherweise kurz bevorstehende US-Attacke. "Vielleicht ist das die Ruhe vor dem Sturm", orakelte er bei einem Treffen mit Militärs. Am Wochenende twitterte er, im Fall von Nordkorea helfe jetzt nur noch "eine" Sache - seitdem rätselt Amerika, ob ein Krieg unmittelbar bevorsteht oder ob Trump nur blufft.

Es ist eine klassische Trump-Taktik: Offenkundig versucht er, Diktator Kim Jong Un zu verunsichern. Der Koreaner soll annehmen, dass Trump vielleicht doch entschlossen genug wäre, ihn anzugreifen. So soll er zu Zugeständnissen am Verhandlungstisch bewegt werden. Die Erfolgsaussichten? Eher schlecht. Bislang lässt sich Pjöngjang von Trumps Sprüchen nicht beeindrucken. Trump manövriert die USA nur immer weiter in eine Situation, in der ein Krieg wahrscheinlicher wird, weil er seine eigenen Drohungen irgendwann wahr machen könnte.

2. Die wilde Rache: Wer nicht für Trump ist, der ist sein Feind. Wer sich gegen ihn wendet, wird voller Rachsucht verfolgt und attackiert. So will Trump mögliche Nachahmer abschrecken. Als Geschäftsmann verklagte er reihenweise Konkurrenten oder verteufelte sie in der Boulevardpresse. Im Wahlkampf ging er auf Hillary Clinton und liberale Medien los. Nun bekommen verstärkt kritische Parteifreunde seine Rachsucht zu spüren.

Bob Corker, Senator aus Tennessee, war einst Trumps Verbündeter. Seit einiger Zeit schon kritisiert er Trump jedoch regelmäßig. Deshalb beleidigt Trump ihn nun via Twitter, behauptet, Corker habe um Trumps Unterstützung für seine Wiederwahl "gebettelt". Corker hält dagegen, bezichtigt Trump der Lüge und wirft ihm vor, er könnte wegen Nordkorea "einen Dritten Weltkrieg" auslösen. Das Problem für Trump: Corker ist unter den republikanischen Senatoren angesehen und einflussreich. Gemeinsam mit anderen Senatoren, die gegen Trump sind, könnte er wichtige Gesetzesvorhaben von Trump im Kongress torpedieren.

3. Die gezielte Demütigung: Ähnlich wie in seinem Unternehmen erwartet Trump nun auch als Präsident von Ministern, Parteifreunden und Mitarbeitern einhundertprozentige Loyalität und Unterordnung. Er sieht sich als klassischer Patriarch, dem alle zu folgen haben. Wer für Trump arbeitet, muss jederzeit damit rechnen, von ihm öffentlich gedemütigt zu werden - so will Trump klar die Hackordnung in seinem Clan sicherstellen.

Außenminister Rex Tillerson war jahrelang CEO des Öl-Multis ExxonMobil, er ist selbstbewusst und gut vernetzt. Völlig überraschend wurde er unlängst von Trump via Twitter bloßgestellt. Er hatte öffentlich die Möglichkeit von Verhandlungen mit Nordkorea ins Spiel gebracht, Trump nannte Tillersons Bemühungen daraufhin "Zeitverschwendung". Obwohl Trump und Tillerson eigentlich beide Verhandlungen mit dem Norden erreichen wollen, wirkte das so, als habe Trump Tillerson zurechtgewiesen.

Inzwischen scheint klar: Trump hatte wohl Wind davon bekommen, dass Tillerson ihn intern als "Trottel" ("Moron") bezeichnet hatte. Noch bevor die "Trottel"-Geschichte ein paar Tage später durch den Sender NBC bekannt wurde, versuchte Trump also den Rivalen Tillerson öffentlich klein zu machen. Trotzdem dürfte diese Taktik Trump hier schaden: Sollte Tillerson bald entnervt gehen, würde der Präsident einen der angesehensten Minister verlieren.

4. Die intensive Propaganda: Aus seiner Zeit als Immobilientycoon weiß Trump, geschickte Werbung, schöne Bilder und hübsche Broschüren können bei der Kundschaft Wunder bewirken. So verkaufte er Tausende von Wohnungen, bewarb seine Hotels und windige Angebote wie die "Trump University".

Nun versucht er die amerikanischen Wähler einzulullen. Negative Botschaften werden ausgeblendet, als "Fake" gebrandmarkt oder durch Ablenkungsmanöver übertönt. Obwohl völlig unklar ist, ob er überhaupt jemals Geld für den Bau der Mauer zu Mexiko erhält, lässt Trump in der Nähe von San Diego bereits einige Mauerteile zur Probe aufbauen. Demnächst will er sich davor fotografieren lassen. Das Weiße Haus produziert zudem endlose Mengen an Videobildern und Fotostrecken für Social Media, in denen Trump als gütiger, erfolgreicher und geliebter Anführer erscheint. Als nach dem Sturm in Puerto Rico Kritik am Krisenmanagement seiner Regierung aufkam, reiste Trump auf die Insel und ließ sich bei der Verteilung von Küchenrollen filmen.

Die Erfolgsaussichten dieser Taktik: durchaus rosig. Vor allem die Wähler im Süden und im Mittleren Westen misstrauen Trump-kritischen Medien wie der "New York Times" oder "CNN", sie informieren sich lieber bei Trumps Lieblingssendung "Hannity" oder über konservative Talk-Radiosendungen. Hier verfängt die positive Trump-Werbung, kritische Botschaften dringen kaum durch. Trumps Basis, die aus etwa 30 Prozent der aktiven Wählerschaft besteht, hält ihm weiter die Treue.


Zusammengefasst: Donald Trump agiert als Präsident nach ähnlichen Verhaltensmustern wie in seiner Zeit als Geschäftsmann. Er setzt auf Verwirrungstaktiken, einhundertprozentige Loyalität von Mitarbeitern und auf rosige Propaganda. Doch auf die Politik sind seine Erfolgsrezepte nur bedingt übertragbar.

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stetsbemueht 10.10.2017
1. Wird gerne vergessen...
Trump-Klassiker: Bereits verhandelte Abkommen werden gekündigt, neu verhandelt, weil sie "ungerecht und gemein" seien. Somit ist der im der Vergangenheit bereits mühsam erreichte Vertrag (Kompromiss) die neue Verhandlungsbasis und das Minimum, das er erreichen kann. Beispiel NAFTA. Schlechter Stil, wird Zeit, dass er damit mal richtig auf die Nase fällt. Ähnlich machten es die Briten vor dem Referendum mit dem Druckmittel des Brexits. Bereits Erreichtes wurde nachverhandelt. Und sie haben sogar was rausgeschlagen, auch, wenn es das Volk nicht goutiert hat.
bikerrolf 10.10.2017
2. Pleite-Golfer
Wenn ich in derselben Ausgabe Ihren Artikel über Trumps Verluste in seinen schottischen Golfressorts lese, dann kann diese Taktik ja nicht sonderlich erfolgreich sein. Und auch sonst hat man Trump ja eher mit Pleiten in Verbindung gebracht als mit rauschenden Erfolgen. Dass er es dennoch zum Präsidenten gebracht hat, liegt wohl daran, dass seine Geschäftspartner intelligenter sind als die US-Wähler. Ein schönes Beispiel für die grenzenlose Dummheit der Trump-Fans hat umlängst eine blonde Gina in CNN Newsroom abgeliefert. Das Blondchen, das als Radio-Host an der Westküste ihr Unwesen treibt und ab und zu als Kommentatorin Trump verteidigen darf, hat allen Ernstes behauptet, der zweite Weltkrieg wäre von den Linken losgetreten worden. Auf die fassungslosen Nachfragen der übrigen Drei im Studio, sagte sie, das waren doch die NationalSOZIALISTEN gewesen! Noch Fragen?
cgmp.camp 10.10.2017
3. Nein! Doch! Oohh!
Ich mag Hobbypsychologie. Ehrlich. Jeder Mensch wägt sich in der Sicherheit das Monopol des Wissens für sich gepachtet zu haben. Gilt natürlich auch für mich, deshalb mein Statement dazu ;). Fakt ist, dass die Politik nichts anderes als ein großes Spielfeld derer ist, die meinen mehr zu wissen als andere. Und da das natürlich nicht nur auf nationaler Ebene erfolgt, sondern auch international, kann man hier ganz allgemein vom Wettbewerb sprechen. Und Herr Trump hat sicherlich nicht die Weisheit mit dem Löffel verzehrt, wohl aber hat er es geschafft im wirtschaftlichen Wettbewerb mit seiner Art und Weise ein Millionen schweres Imperium aufzubauen. Und letztlich wurde er sogar Präsident. Aus meiner Sicht also Summa sumarum alles "wettbewerbstechnische" richtig gemacht. Man (ich) kann es ihm daher schwer verübeln, dass mit seinen erlernten Taktiken weitermacht, bis er schließlich scheitert, so er denn scheitert. Erst dann setzen Umlernprozesse ein, die ihrerseits auf Versuch und Irrtum aufbauen. Also, er hat in seinem langen Leben gelernt Wettbewerbe zu führen und für sich zu entscheiden! Eine Analogie zur Politik ist aus vielerlei Hinsicht vorhanden! Die wesentliche Frage sollte daher lauten: "Werden seine Taktiken letztlich gut für das amerikanische Volk sein?" Die Antwort (Wahrheit) mag dann bitte jeder NACH seiner Amtszeit für sich beanspruchen. Diese ganzen unsinnigen (deutsche) Beiträge nerven nur noch und jedes noch so kleine Krümelchen wird als Wissenskuchen verkauft. Macht nur weiter so. Ein paar Leser werdet ihr genauso (ver)blenden wie Trump seine Anhängerschaft oder eben all jene Macht(inne)haber(innen) ihre Untergebenen ;). Merke: "Ein so genanntes Wohlstandssystem bedient sich immer aus dem Verlust anderer Systeme." Und das kann man auch auf einzelne Menschen, die Politik im Allgemeinen oder eben die Wirtschaft beziehen. Im Privaten, wie im Öffentlichen ... Habe fertig!
Gmorker 10.10.2017
4. Funktioniert nur nicht...
Mag ja alles stimmen, aber das Unternehmergebaren (ob man es nun gut oder schlecht findet) funktioniert offenbar weder auf nationaler noch internationaler Ebene. Insbesondere auch die Raubritter-Methoden, derer sich Trump bedient, bei der er Auftragnehmern und Handwerkern nicht die vertraglich zugesichterte Entlohnung zahlt, sondern einen deutlich geringeren Preis bietet oder mit langwierigen Rechtsstreits droht, werden in der Politik eben leicht als Bluff gecalled. Trump agiert aus meiner Sicht so, als wenn es ihm egal wäre, wieviele Menschen auf der Strecke bleiben, hauptsache er hat seinen Willen durchgesetzt. Und wenn die Karre ordentlich in den Dreck gefahren wurde, dann findet sich schon jemand, dem er die Schuld geben kann... Schuld sind ja bei ihm immer die anderen... obwohl er selbst gesagt hat, das der Boss die Verantwortung trägt. Immer.
derjoey 10.10.2017
5. Im selben Raum mit Mr. Trump ist nur Platz für ein Ego.
Gute Frage, wirklich neue Erkenntnisse bietet der Artikel nicht. Vielleicht ist der Text als Zwischenfazit gedacht, so wie bei einer Sportübertragung: "Für alle, die jetzt erst einschalten, nochmal kurz zusammengefasst, was bisher geschehen ist". ;-) Zum Artikel selbst: Es ist ja nicht nur fraglich, ob erfolgreiche Methoden der Wirtschaft auf die Politik übertragbar sind, es ist auch fraglich, wie erfolgreich Mr. Trump mit seinen Methoden vor seiner Zeit als US-Präsident tatsächlich schon in der Wirtschaft war. Aus einiger Erfahrung in Verhandlungen kann ich sagen, dass ich nie einen Deal mit Leuten gemacht habe, die herumpoltern, drohen und auf dicke Hose machen, u.a. deswegen, weil ich mit denen noch weitere Zeit verbringen muss und derartiges Gebaren kaum dazu geeignet ist, ein Geschäft nach erfolgreichem Kauf zu führen. Da sind mir professionell ruhige und berechenbarere Personen einfach um Längen lieber. Aber vielleicht gab es ja den einen oder anderen, der sich in Verhandlungen mit Mr. Trump angesichts dessen aufgeblasenen Egos lieber weggeduckt hat. Nur waren das dann vermutlich keine besonders guten Verhandler. Als Auftraggeber hätte ich denen gesagt: "YOU'RE FIRED!"
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